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FAZ.NET-Spezial: EM-Bilanz : „Futebol romantico“

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Die EURO 2004 - ein Fußball-Fest Bild: dpa/dpaweb

Atmosphäre, sportliche Qualität, Spannungsbogen - alles paßte. Die EM in Portugal war für viele die beste, die es je gab.

          2 Min.

          Stimmungsvoller Rahmen, glänzende Organisation - und vor allem Fußball von einer ganz neuen Qualität: Die Europameisterschaft in Portugal hat alle Erwartungen übertroffen und zugleich die Vorfreude auf die WM 2006 in Deutschland mächtig geschürt.

          „Wie mag erst die WM in zwei Jahren werden, wenn schon ein Wettbewerb mit 16 Mannschaften ohne Südamerika, Asien und Afrika so verläuft? Sie wird ein riesiges Fußball-Fest“, prophezeite FIFA-Präsident Joseph Blatter in Lissabon.

          „Es war ein hervorragendes Turnier, sehr gut organisiert, mit einer wundervollen Atmosphäre. Die Spiele hatten meist ein hohes Niveau, mit außergewöhnlich viel Tempo und Power“, zog auch Jürgen Klinsmann ein rundum positives Fazit des dreiwöchigen Spektakels, das in Deutschland, Europa und in aller Welt Rekord-Einschaltquoten bescherte. Nicht nur ARD und ZDF vermeldeten Quantensprünge im Vergleich zur EM 2000 in Belgien und den Niederlanden. Fast 50 Millionen Chinesen schauten sich im Schnitt die EURO-Spiele an.

          „Es gab keinen Qualitätsunterschied mehr“

          Daß von Porto bis Faro-Loulé weder die großen Nationen noch die großen Stars den Ton angaben, ist ein weiterer Beleg für die Ausgeglichenheit im Weltfußball. „Das Turnier war so interessant, weil jeder jeden schlagen konnte und fast alle Spiele bis zur letzten Minute auf der Kippe standen“, urteilte Blatter: „Es gab keinen Qualitätsunterschied mehr.“

          Am Ende standen in den deutschen Gruppengegnern Tschechien und Niederlande sowie dem Sensationsteam aus Griechenland drei Mannschaften im Halbfinale, die sich vor zwei Jahren noch nicht einmal für die Weltmeisterschaft in Asien qualifiziert hatten. Dagegen mußten die vermeintlichen großen Fünf des Fußballs früh abreisen: Frankreich, England, Italien, Spanien und vor allem Deutschland waren die großen Enttäuschungen des Turniers.

          „Wir hatten mit unserer Leistung hier nichts verloren“

          „Man hat gesehen, wohin sich der Fußball entwickelt - und wo wir stehen“, urteilte DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder ernüchtert: „Das Spiel wird immer schneller, und zwar in Einklang mit einer hohen Ballfertigkeit.“ Franz Beckenbauer sprach noch deutlicher aus, daß Rudi Völlers Mannschaft eher Störenfriede als Mitspieler waren: „Wir hatten mit unserer Leistung hier nichts verloren.“

          Sollte dies in zwei Jahren noch immer so sein, droht aus dem erhofften WM-Fest in Deutschland der große Fußball-Frust zu werden. Denn wie wichtig ein erfolgreiches Gastgeberland ist, zeigte sich wie schon vor zwei Jahren bei Südkoreas Halbfinal-Einzug auch diesmal. Dank des Siegeszuges ihrer „Selecao“ blieben die Portugiesen bis zum letzten Tag im EM-Fieber. Dies und die Tatsache, daß das Turnier bis auf ein paar versprengte England-Rowdys an der Algarve von Ausschreitungen verschont blieb, waren die Garantie, dass die EM tatsächlich zum prognostizierten „futebol romantico“ wurde.

          Aufstieg der Jungstars

          Es paßt ins Bild, daß von allen potentiellen EM-Superstars nur Portugals Liebling Luis Figo dieser Rolle halbwegs gerecht wurde. Zinedine Zidane, David Beckham, Raul oder auch Michael Ballack gingen dagegen mit ihren Mannschaften unter - Italiens Spucker Francesco Totti verabschiedete sich gar mit der unrühmlichsten Szene des Turniers.
          An ihre Stelle traten junge Profis, die viel schneller als erwartet ihr Kronprinzen-Dasein beendeten und in die Rolle der Hauptdarsteller schlüpften.

          Portugals Jahrhundert-Talent Cristiano Ronaldo (19), Tschechiens EM-Aufsteiger Milan Baros (22), Schwedens Sturm-Hoffnung Zlatan Ibrahimovic (22), Hollands Dribbelkünstler Arjen Robben (20) oder aber Englands neue Tormaschine Wayne Rooney (18) waren die Entdeckungen des Turniers. „Das Auffälligste an der EM war, daß so viele junge Spieler ganz nach oben kamen“, meinte Klinsmann. Immerhin einen Hoffnungsschimmer hatte Deutschland in dieser Hinsicht mit dem 19jährigen Bastian Schweinsteiger zu bieten.

          Nach Ansicht von Beckenbauer profitierten die Youngster aber vor allem von der Schwäche der Alten. „Viele Spieler, die eine lange Saison hinter sich haben, sind einfach müde. Es kann nicht sein, daß Höhepunkte wie Welt- und Europameisterschaften hauptsächlich von müden Spielern gespielt werden“, meinte Beckenbauer. Allerdings steht er mit der Ansicht, die Profis seien ausgelaugt zur EM gereist, weitgehend allein da.

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