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Fankultur : Apfelsinenplantagen an der Algarve: Stimmung statt Randale

Portugiesische Vorfreude Bild: AP

Die Europameisterschaft in Portugal als farbenfrohes Spektakel par excellence kennt nur das friedliche Miteinander der verschiedenen Fans.

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          Wer einmal richtig auffallen und gegen den Mainstream anschwimmen, für ein paar Stunden mal ein anderer sein und sich vom Rest der Welt abheben möchte, wer also jene Individualität zeigen will, die illustrierte Ratgeber den Damen und Herren von heute nahelegen - der sollte dieser Tage in Hemd und Baumwollhose ein portugiesisches Fußballstadion besuchen.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wer das wagt, der gewinnt die Aufmerksamkeit aller, die in bunten T-Shirts und Leibchen zwei, drei Stunden vor jedem Spielbeginn um die Europameisterschafts-Stadien flanieren und nach Anpfiff ihr kunterbuntes Fanfest feiern. Am Mittwoch abend im Estadio Jose Alvalade XXI trafen nicht nur die Nationalmannschaften Portugals und der Niederlande aufeinander, sondern Abertausende Fans in Rot-Grün auf Abertausende in Orange. Das Halbfinalspiel wurde zum farbigsten Spektakel, das diese schillernde Europameisterschaft bislang zu bieten hatte. Die Fans feiern den Fußball, sie feiern sich selbst und gegenseitig.

          Die Holländer haben in den ersten vergangenen zweieinhalb Wochen nicht nur auf den Tribünen einen einheitlichen "Oranje"-Block gebildet, sondern auch ihre Zeltlager auf den Campingplätzen an der Algarve glichen von Ferne einer Apfelsinenplantage. In einem orangefarbenen Doppeldeckerbus fuhren einige Anhänger, Holzschuhe an den Füßen sowie Perücken auf dem Kopf, zu den EM-Spielen ihrer Mannschaft, andere hatten ihren Citroen in der Farbe ihres Herzens lackiert und "Hup, Holland, Hup" auf die Motorhaube gemalt. Wirklich hupend sind hingegen die Portugiesen aufgefallen, weil sie vor allem nach dem Viertelfinalsieg gegen England auf die Tube drückten. "Nach dem Finale hoffe ich sagen zu können, wie haben die bislang beste EM gesehen", sagte der Präsident des portugiesischen Fußballverbandes. Gilberto Madail meinte nicht nur den Fußball auf dem Feld, sondern auch den Maskenball drumherum.

          Party ohne Ende: Holländische Fans

          „Es war verrückt“

          Mit dem Slogan "In Portugal ist die Verlängerung immer der beste Teil des Spiels" hatte die staatliche Tourismusbehörde für das Land und seine Reize geworben, und die Fußballtouristen kosteten die Nachspielzeit aus bis zuletzt. Die Kneipiers zwischen Algarve im Süden und Braga im Norden haben zwei Wochen lang Überstunden gemacht, um den Durst ihrer Gäste zu stillen. Provisorisch stellten die Gastwirte einen Monitor vor die Tür, und viele Passanten dachten: Wo der Ball rollt, da laß dich nieder. Fußball im Fernsehen, Bierglas auf dem Tisch, ein Grinsen im Gesicht - so saßen Fans verschiedener Nationalitäten nebeneinander auf den Esplanaden, neckten sich gegenseitig und schauten sich Spiele von Ländern an, für die sie sich alle vier Jahre einmal interessieren.

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