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DFB : Zuerst soll sich Mayer-Vorfelder von seinem Assistenten trennen

  • -Aktualisiert am

Ohne Schuldbewußtsein: Gerhard Mayer-Vorfelder Bild: REUTERS

Stürzt der derzeit umstrittenste Mann des deutschen Fußballs? Eine Kandidatur von Theo Zwanziger rückt näher. DFB-Präsident Mayer-Vorfelder hielt die Absage von Hitzfeld zurück.

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          Eine Kandidatur von Theo Zwanziger für das Amt des Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) scheint näher zu rücken.

          Nachdem Gerhard Mayer-Vorfelder als Amtsinhaber bei der von ihm zur "alleinigen Chefsache" erklärten Bundestrainersuche bisher unglücklich und mehr als eine Spur selbstgefällig agiert hat, melden sich seine Widersacher im Lager der Amateure des Sechsmillionenverbandes um so vernehmlicher zu Wort. Sie wollen, das zeichnet sich vor der außerordentlichen Präsidiumssitzung am späten Montag nachmittag in Frankfurt ab, DFB-Schatzmeister Zwanziger dazu bewegen, gegen Mayer-Vorfelder anzutreten. "Ich hoffe", sagte am Freitag Mayer-Vorfelders erster Stellvertreter Engelbert Nelle gegenüber dieser Zeitung, "daß Theo Zwanziger bereit ist, zu kandidieren. Ich habe ihn danach schon in Portugal gefragt."

          „Große Mehrheit gegen Mayer-Vorfelder“

          Zwanziger, als DFB-Vizepräsident erster Sprecher der 21 Landes- und fünf Regionalverbände im Deutschen Fußball-Bund, nutzte eine Reise zur Europameisterschaft auch dazu, die Stimmung an der Basis zu sondieren und Allianzen zu schmieden. Inzwischen scheint die Einigkeit unter den Amateuren, die beim Wahlbundestag des DFB am 23. Oktober in Osnabrück eine Zweidrittelmehrheit stellen, ziemlich groß: Sie richtet sich geschlossen gegen Mayer-Vorfelder, dessen Führungsstil zum Ärgernis geworden ist. "Im Moment", sagt Nelle voraus, "würde sich eine große Mehrheit der Amateure gegen Mayer-Vorfelder entscheiden, und auch in der Bundesliga ist die Stimmung mindestens gespalten."

          Sicher ist, daß eine voraussichtlich breite Mehrheit im zwölfköpfigen Präsidium Mayer-Vorfelder dazu auffordern wird, den Vertrag mit seinem inzwischen schon selbst Interviews gebenden Referenten Jan Lengerke so rasch als möglich zu beenden. Käme der DFB-Präsident dieser Forderung nach, entspräche dies auch einem Mißtrauensvotum gegen ihn selbst. "Ich werde", sagt Nelle, "am Montag einen Antrag stellen, daß sich Mayer-Vorfelder von seinem Assistenten trennen soll."

          Vom 71 Jahre alten DFB-Präsidenten erwarten seine Kollegen zudem eine lückenlose Aufklärung darüber, was rund um den Rücktritt von DFB-Teamchef Rudi Völler sowie rund um die gescheiterte Nachfolgeregelung mit dem Wunschbundestrainer Ottmar Hitzfeld geschah. Was nicht nur den früheren Hildesheimer CDU-Bundestagsabgeordneten zusätzlich geärgert hat, war, daß Mayer-Vorfelder den Verzicht Hitzfelds schon am Mittwoch nachmittag zur Kenntnis nehmen mußte und erst am Donnerstag mittag einen Teil des Präsidiums - unter anderen DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt und Zwanziger - informierte.

          „MV“ ignoriert die Opposition

          Auch das ein Beleg für die unzureichende Informations- und Kommunikationsbereitschaft, die dem früheren baden-württembergischen Finanz- und Kultusminister zur Last gelegt wird. Mayer-Vorfelder selbst nahm am Freitag gut gelaunt und alles andere als angeschlagen wirkend an einer Sitzung des Organisationskomitees der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 statt. Bei der vom OK-Präsidenten Franz Beckenbauer geleiteten Runde wurden alle möglichen Themen erörtert, nicht aber die jedermann präsenten Fragen rund um den OK-Aufsichtsratsvorsitzenden Mayer-Vorfelder. Insider sind erstaunt, wie konsequent der Stuttgarter Verbandsvormann die interne Opposition im DFB ignoriert. Vergleichbar unter Druck hat seit Jahrzehnten kein DFB-Präsident gestanden, zumal niemand damit rechnen kann, daß sich seine Widersacher am Montag mundtot stellen werden.

          In diesem Sinne sagte jetzt auch Heinrich Schmidhuber, der Präsident des Bayerischen Fußball-Verbandes, des größten unter allen Landesverbänden: "Mayer-Vorfelder gerät immer mehr in Bedrängnis, die Lage spitzt sich zu. Ich gehe davon aus, daß Theo Zwanziger kandidieren wird, wenn er die Unterstützung der Basis hat. Und wie mein aktueller Kenntnisstand ist, hat er die volle Unterstützuzng der Landesverbände."

          Dem rheinischen Juristen aus Altendiez werden aber auch ausgezeichnete Kontakte zum Profifußball nachgesagt. So verbindet den von Mayer-Vorfelder zuletzt ebenfalls nachhaltig verärgerten Präsidenten des Ligaverbandes, Werner Hackmann, eine vertrauensvolle Beziehung zu Zwanziger, den eine Reihe von Bundesliga-Vertretern als künftigen Präsidenten vermutlich akzeptieren könnte. Der FC Bayern München allerdings steht dem bedrängten DFB-Präsidenten treu zur Seite. Daraus machte sein Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge in einem am morgigen Sonntag in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung veröffentlichten Interview keinen Hehl.

          "Wir müssen ganz schnell die Grenzen dichtmachen, bevor Otto auf die Idee kommt, Bundestrainer zu werden."

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