https://www.faz.net/-gtl-ovmn

DFB-Präsident : „Rücktritt? Wie käme ich denn dazu?“

  • Aktualisiert am

Kritikresistent: Gerhard Mayer-Vorfelder Bild: AP

Der wegen seiner eigenmächtigen Suche nach einem neuen Bundestrainer in die Kritik geratene Gerhard Mayer-Vorfelder gibt sich unschuldig. Der 71jährige will nicht abtreten - er will sich wiederwählen lassen.

          2 Min.

          Gerhard Mayer-Vorfelder lehnt die Forderungen nach einem Rücktritt von seinem Amt als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ab.

          „Warum denn? Wie käme ich denn dazu? Ich habe mir nichts vorzuwerfen“, sagte der 71jährige. Trotz der heftigen Kritik an seiner Amtsführung bei der Suche nach einem neuen Bundestrainer für die Nationalmannschaft will sich „MV“ deshalb auch beim 38. DFB-Bundestag am 22. und 23. Oktober in Osnabrück zur Wiederwahl stellen.

          „Alle sollten zufrieden sein“

          „Ich werde auf jeden Fall kandidieren. Ich weiß nicht, warum ich das nicht tun sollte“, sagte Mayer-Vorfelder am Rande der Exekutiv-Sitzung der Europäischen Fußball-Union (Uefa) am Mittwoch in Lissabon. Bei der geplanten Verpflichtung von Ottmar Hitzfeld als Nachfolger von Teamchef Rudi Völler waren ihm unter anderem von den beiden DFB-Präsidiumsmitgliedern Werner Hackmann und Engelbert Nelle „Kommunikationsdefizite“ vorgeworfen worden. Hitzfeld soll sich bis Sonntag entscheiden, ob er den Posten des Bundestrainers übernimmt.

          Mayer-Vorfelder verteidigte sich in Lissabon gegen die Kritik. „Ich habe bis heute nicht gehört oder gelesen, was ich konkret falsch gemacht haben soll. Ich hab in kürzester Zeit ungestört mit dem verhandelt, den alle wollten. Alle sollten zufrieden sein.“ Für Montag wurde eine außerordentliche DFB-Präsidiumssitzung anberaumt, bei der der Vertrag mit Hitzfeld verabschiedet werden soll. Seinen Kritikern schlug Mayer-Vorfelder vor, ihm dann ihre Meinung „von Angesicht zu Angesicht“ mitzuteilen.

          Dreistündiges Gespräch mit Hitzfeld

          Seine geheime Verhandlungsführung im Fall Hitzfeld hält der DFB-Präsident für nicht verwerflich. „Es gibt Situationen, wo es besser ist, Verhandlungen nicht auf dem offenen Markt zu führen. Nach meiner Erfahrung sind sie dann schon gescheitert.“ Daß er durch sein Schweigen Spekulationen Tür und Tor geöffnet hat, habe er billigend in Kauf genommen: „Ich kann Spekulationen ertragen. Ich habe mein Schweigen ja erst in dem Augenblick gebrochen, als Lügen als Fakten verkauft wurden - siehe Daum.“

          Bei seinem dreistündigen Gespräch mit Hitzfeld in Sevilla im „Alfonso XIII.“, dem teuersten Hotel Spaniens, erörterten „MV“ und der designierten Bundestrainer auch die Situation der Nationalmannschaft nach dem Vorrunden-Aus bei der Euro in Portugal. Die Analyse von Mayer-Vorfelder: „Wir sehen hier exzellente Spiele, moderne Spielformen, schnelle Kombinationen. Da ist die deutsche Mannschaft abgefallen. In vielen Phasen hat die Selbstsicherheit gefehlt. Und im Sturm, das war zu wenig.“

          Im Hinblick auf die WM 2006 im eigenen Land will der DFB-Präsident aber nicht schwarz sehen. „Mir ist nicht bange. Wir haben eine Fülle von guten Spielern, die nachrücken. Was für mich in diesem Zusammenhang sehr ärgerlich ist, ist das in meinen Augen unnötige Ausscheiden unserer U21 nach der Vorrunde bei einer Europameisterschaft im eigenen Land.“ Der bisherige U-21-Trainer Uli Stielicke wird künftig wohl eine andere DFB-Auswahlmannschaft betreuen, seine Aufgabe könnte DFB-Nachwuchskoordinator Michael Skibbe, zuletzt Völlers Assistent, übernehmen.

          Weitere Themen

          Trudeau im sanften Aufwind Video-Seite öffnen

          Parlamentswahl in Kanada : Trudeau im sanften Aufwind

          In Vancouver hat Justin Trudeau für seine Wiederwahl geworben. Der liberale Regierungschef will eine weitere Amtszeit in Angriff nehmen. Nach Rassismusvorwürfen hat sich das Image des einstigen Politiklieblings wieder gebessert. Seine eigene Mehrheit wird er wohl trotzdem verlieren.

          Topmeldungen

          Isabel Schnabel ist eine profilierte Kennerin der Finanzmärkte und der Geldpolitik.

          Isabel Schnabel rückt auf : Eine Bereicherung für die EZB

          Isabel Schnabel ist Expertin für Banken und Finanzmärkte. Dennoch wird ihre Berufung in die EZB-Führung als Nachfolgerin von Sabine Lautenschläger nicht jedem gefallen. Sie hat sich schon deutlich positioniert.

          Brexit-Deal im Parlament : Ein Ping-Pong-Spiel mit ungewissem Ausgang

          Selbst wenn Boris Johnson bei der Abstimmung über seinen Brexit-Deal siegen würde, bedeutet das noch keinen Durchbruch. Auch das Oberhaus hat nahezu grenzenlose Möglichkeiten, die Beratungen in die Länge zu ziehen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.