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Ausschreitungen : Blair: „Hooligans bringen Schande über unser Land“

  • Aktualisiert am

Hartes Durchgreifen gegen englische Randalierer Bild: REUTERS

Während sich englische Hooligans im südportugiesischen Badeort Albufeira in der Nacht abermals Straßenkämpfe mit der Polizei lieferten, blieb es in Porto nach dem Spiel der Rivalen Deutschland und Holland ruhig.

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          Die friedliche Fan-Fiesta in Porto vor und nach dem EM-Spiel zwischen Deutschland und den Niederlanden hat für Erleichterung gesorgt. Bundesinnenminister Otto Schily gewann vor Ort den Eindruck, daß die „Maßnahmen gegriffen“ hätten. Auch EM-Organisationschef Martin Kallen atmete auf: „Mir ist ein großer Stein vom Herzen gefallen. Es war fantastisch und vorbildlich, wie sich die Fans beider Länder verhalten haben.“ Sorgen bereiten der Europäischen Fußball-Union (UEFA) jedoch die erneuten schweren Krawalle vorwiegend englischer Hooligans in der Nacht zum Mittwoch an der Algarve, bei denen 33 Menschen festgenommen wurden.

          Der britische Premierminister Tony Blair hat die Krawalle englischer Fans scharf verurteilt. „Die Hooligans bringen Schande über unser Land“, sagte er im Unterhaus in London. Sie würden auch die „überwältigende Mehrheit“ englischer Fans beschämen, die aus Freude am Sport nach Portugal gereist seien.

          Mit Hilfe der 16 deutschen Polizeibeamten, die in Porto die Fan-Szene intensiv beobachteten, hatten die Sicherheitskräfte auch die Anhänger der gewaltbereiten C-Kategorie fest im Griff. Erstaunt war ein der harten Szene zugerechneter deutscher Fan, als ein Polizist in Porto gezielt Kontakt mit ihm suchte. „Ich glaube es nicht. Jetzt spricht mich 2.000 Kilometer entfernt von zu Hause ein Bulle an“, meinte er erstaunt. Mit dieser Taktik und der Präsenz der portugiesischen Polizei wurde verhindert, daß sich die potenziellen Gewalttäter in Gruppen formieren konnten. „Es ist dann wie bei einem Boxer, der allein im Ring steht“, sagte Harry Kolbe, Sprecher des deutschen EM-Polizeiteams in Portugal.

          „Diese Krawalle werden wohl unser täglich Brot sein bis zum Ende der EM”, sagte ein Polizist

          Alarmbereitschaft an der Algarve

          Begünstigt wurde das fröhliche Miteinander von Deutschen und Niederländern auch durch den schiedlichen Ausgang des Spiels (1:1). „Das Ergebnis war ein wichtiger Faktor, aber insgesamt war die Grundstimmung schon positiv“, meinte Kolbe. Auch mit Hilfe seiner Truppe konnten fünf deutsche Krawallmacher schnell festgenommen werden. Sie wurden am Mittwoch dem Haftrichter vorgeführt und müssen mit einer Ausweisung rechnen.

          In erhöhte Alarmbereitschaft ist die Polizei an der Algarve nach der zweiten Nacht mit Ausschreitungen englischer Hooligans versetzt worden. „Es werden im Wiederholungsfall geeignete Maßnahmen ergriffen“, erklärte Kallen. Noch seien die Sicherheitsbehörden nicht
          beunruhigt, da es zu solchen Zwischenfällen in den Urlaubsmonaten immer mal komme. „Hundertprozentig kann man so etwas bei einer EM nicht ausschließen. Wenn es dabei bleiben sollte, können wir das Problem zu den Akten leben“, hofft Kallen auf keine weitere Eskalation.

          „Diese Krawalle werden wohl unser täglich Brot“

          Allerdings ging es im Badeort Albufeira wieder hoch her. Die neuen Krawalle entzündeten sich um 02.00 Uhr nachts, als englische Hooligans in einem Kneipenviertel Stühle und Tische in die Scheiben einer Gaststätte schleuderten. Polizisten mit Hunden und Reiterstaffeln stürmten das Viertel und riegelten die Straßen ab. Etwa 400 Randalierer empfingen die Beamten mit einem Hagel von Flaschen und Gläsern. 33 Randalierer wurden festgenommen, drei Menschen verletzt, darunter ein Polizist. In der Nacht zuvor hatte es bereits 14 Festnahmen und 16 Verletzte gegeben.

          In dem Ferienort spielten sich regelrechte Jagdszenen ab. Polizisten trieben Hooligans durch die Straßen, drückten sie auf das Pflaster und legten ihnen Handschellen an. Die Serie der Ausschreitungen deutet darauf hin, daß möglicherweise organisierte Gewalt dahinter steckt. „Diese Krawalle werden wohl unser täglich Brot sein bis zum Ende der EM“, meinte ein Polizist.

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