https://www.faz.net/-gtl-oc41

EURO 2004 : „Das Losglück hat uns verlassen“

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die deutsche Nationalmannschaft trifft bei der Europameisterschaft 2004 in Portugal auf Tschechien, Lettland und die Niederlande. „Das ist eine sehr, sehr starke Gruppe“, sagte Nationaltorwart Kahn. FAZ.NET-Spezial.

          Schwere Gegner, später Turnier-Einstieg und weite Reisen - das fast schon traditionelle Losglück hat Fußball-Deutschland diesmal verlassen. Bei der Europameisterschaft 2004 in Portugal muß sich die Mannschaft von Teamchef Rudi Völler in der Gruppe D mit dem Erzrivalen Niederlande, dem Geheimfavoriten Tschechien und Überraschungs-Teilnehmer Lettland messen.

          „Das ist eine Hammergruppe. Es hätten auch etwas leichtere Gegner sein können“, sagte Völler nach der Zeremonie im „Pavilhao Atlantico“. „Das Losglück hat uns verlassen“, meinte ARD-Kommentator Günter Netzer. Und auch Kapitän Oliver Kahn stöhnte über Portugals Fußball-Legende Eusebio, der die Lose gezogen hatte: „Das ist eine sehr, sehr starke Gruppe. Es gibt auch keinen Grund, die Letten zu unterschätzen.“

          Tomas Rosicky: „Todesgruppe“

          Allerdings war die Konkurrenz von der Konstellation ebenso wenig begeistert wie die deutsche Delegation, die noch am Sonntag im Privatjet die Heimreise antrat. „Mit Deutschland verbindet uns eine ewige Rivalität. Die deutsche Mannschaft hat bei großen Turnieren immer gezeigt, daß sie beißen kann. Das wird diesmal nicht anders sein“, meinte Bondscoach Dick Advocaat. Als Konsequenz wird das für den 18. Februar geplante Testspiel gegen die Niederländer vermutlich abgesagt. Eine Entscheidung darüber soll in den nächsten Tagen fallen. Auch die Tschechen waren wenig glücklich. Das tschechische Fernsehen und der Dortmunder Tomas Rosicky sprachen gar von einer „Todesgruppe“.

          Für Völler ging auch nicht der Wunsch nach einem frühen Turnierauftakt in Erfüllung. Die deutsche Elf startet erst am 15. Juni und damit drei Tage nach dem Eröffnungsspiel zwischen Portugal und Griechenland ins Turnier. Dabei kommt es am 15. Juni (18.00 Uhr) im 50.000 Zuschauer fassenden Estadio dos Antas in Porto gleich zum Klassiker gegen die Niederlande. Wegen der Brisanz der Begegnung verlegte die UEFA die ursprünglich für Aveiro vorgesehene Begegnung in die größere Arena. Am 19. Juni (18.00 Uhr) folgt erneut in Porto - diesmal aber im nur 30.000 Besucher fassenden Stadion Bessa Sec - die Partie gegen Lettland. Zu beiden Spielen muß der DFB von seinem gebuchten Quartier an der Algarve aus eine über 500 Kilometer lange Anreise in Kauf nehmen. Die Entscheidung über den Viertelfinal-Einzug fällt am 23. Juni (20.45 Uhr) in der 50.000 Zuschauer fassenden Arena Jose Alvalade in Lissabon.

          Mayer-Vorfelder fürchtet Holländer

          „Mir hätte es besser gefallen, wenn wir anstelle von Spanien in die Gruppe A gekommen wären“, sagte DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder, der nun das angestrebte Ziel Halbfinale gefährdet sieht. „Wenn man die Vorrunde überlebt, hat man alle Chancen. Aber wenn die Holländer so in Form sind wie zuletzt beim 6:0 gegen Schottland, muß man sich warm anziehen.“

          Zumindest nach der Papierform ist die deutsche Mannschaft aber zum Turnier-Außenseiter mutiert. Denn der dreimalige Welt- und Europameister hat seit dem 1:0-Sieg in England am 7. Oktober 2000 nicht mehr gegen einen großen Gegner gewonnen und zuletzt beim 0:3 gegen Frankreich die Grenzen aufgezeigt bekommen. Mit dem Weltranglisten-Sechsten Niederlande und dem Zehnten Tschechien gibt es nun gleich zwei Kontrahenten aus den Top 10.

          Völler: „Bei der EM werden wir stärker sein als zuletzt

          „Tschechien und Holland sind überragende Mannschaften und haben auf Grund der letzten Ergebnisse prozentual größere Chancen als wir, da müssen wir ehrlich sein. Aber wir brauchen uns nicht zu verstecken und dürfen nicht den Fehler machen, uns zu schwach zu reden“, sagte Völler und versprach: „Bei der EM werden wir stärker sein als zuletzt.“

          Mit Auftaktgegner Niederlande hat die deutsche Mannschaft bei EM-Endrunden keine guten Erfahrungen gemacht. Sowohl im Hamburger Halbfinale 1988 (1:2) als auch bei der Vorrunde 1992 in Schweden (1:3) gab es Niederlagen gegen das „Oranje“-Team. Auch das letzte Aufeinandertreffen vor knapp einem Jahr endete in der Arena „AufSchalke“ mit einer 1:3-Heimniederlage ernüchternd.

          Gegen Tschechien hat die deutsche Elf in bislang drei Begegnungen stets gewonnen. Bei der EM 1996 siegte die damalige Vogts-Elf sowohl in der Vorrunde als auch - durch das Golden Goal von Oliver Bierhoff - im Finale mit 2:1. Lettland, das in der Relegation den WM-Dritten Türkei ausgeschaltet hatte, ist hingegen ein unbeschriebenes Blatt. Die einzigen beiden deutschen Länderspiele gegen die baltische Mannschaft fanden in den Jahren 1935 und 1937 statt.

          Weitere Themen

          Kappe unten – Reiter obenauf

          Dressurreiten : Kappe unten – Reiter obenauf

          Sönke Rothenberger steckt seinen Claim wieder ab, Helen Langehanenberg wird Opfer von Arbeitsverweigerung. Und Isabell Werth brilliert mit ihrem vierbeinigen Supermodel.

          Yates gewinnt erste Pyrenäenetappe

          Tour de France : Yates gewinnt erste Pyrenäenetappe

          Simon Yates gewinnt die erste Pyrenäenetappe der Tour de France. Der Brite setzt sich im Sprint der Ausreißergruppe vor dem Spanier Pello Bilbao und dem Österreicher Gregor Mühlberger durch.

          Topmeldungen

          Boris Johnson am Mittwoch in London

          Parlament gegen Johnson : Aufstand gegen den No-Deal-Brexit

          Noch ist Boris Johnson nicht Premierminister. Aber er spielt schon öffentlich mit dem Gedanken an einen Austritt ohne Abkommen. Jetzt reagiert das Parlament – und macht ihm eine solche Lösung durch einen Trick schwerer.
          Außenminister Heiko Mass (links) und sein russischer Amtskollege Sergej Lawrow unterhalten sich vor Beginn des Petersburger Dialogs in Königswinter.

          „Petersburger Dialog“ : Maas nähert sich an – Lawrow teilt aus

          Laut Außenminister Maas könnten die dringenden Fragen der Weltpolitik nur mit Russland angegangen werden. Sein russischer Amtskollege wirft Deutschland hingegen vor, sich an „einer aggressiven antirussischen Politik“ zu beteiligen.

          Verhör von Carola Rackete : „Es sollte um die Sache gehen“

          Die „Sea-Watch“-Kapitänin kritisiert nach ihrer Anhörung den Rummel um ihre Person. Der lenke vom eigentlichen Problem ab: dem Umgang mit den Migranten im Mittelmeer. Doch Racketes Äußerungen zur Seenotrettung sind in Italien umstritten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.