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Eröffnungsspiel : Die Blamage des Weltmeisters

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Schrecksekunde für den Weltmeister: Ein Senegalese „am Boden” düpiert Frankreich Bild: dpa

Erstes Spiel, erste Sensation. WM-Neuling Senegal hat das Eröffnungsspiel gegen Weltmeister Frankreich mit 1:0 gewonnen.

          2 Min.

          Der Dirigent fehlte, und das Star-Ensemble wurde zum Panik-Orchester. Ohne Zinedine Zidane „vergeigte“ Weltmeister Frankreich die Ouvertüre und sorgte unfreiwillig für den ersten Paukenschlag der WM 2002.

          „Wir sind enttäuscht, aber diese Niederlage ist nicht das Ende unseres Weges“, beteuerte Bixente Lizarazu von Bayern München nach dem peinlichen 0:1 (0:1) der „Grande Nation“ gegen Neuling Senegal im Eröffnungsspiel der Endrunde in Südkorea und Japan und ergänzte: „Jetzt sind zwei Siege Pflicht. Wir lassen den Kopf nicht hängen.“

          Aufmunterung bekam der vorgeführte Titelverteidiger von Premierminister Jean-Pierre Raffarin („Das erste Spiel ist nur eine Etappe auf dem Gesamtweg“) und Franz Beckenbauer: „Die Franzosen kommen durch, da bin ich sicher. Im Eröffnungsspiel hat schon öfter der Außenseiter gewonnen. 1990 hat Argentinien gegen Kamerun verloren und ist trotzdem ins Finale eingezogen.“

          Auch von Marcel Desailly kaum zu stoppen: Senegals EL Hadji Diouf

          Hilfloser Titelverteidiger

          Doch bis dahin ist es für den Titelverteidiger noch ein langer Weg. 500 Millionen Fernsehzuschauer weltweit und 62.561 Fans im nicht ganz gefüllten World Cup Stadium von Seoul wurden Zeugen, wie hilflos der Titelverteidiger ohne seinen kreativen Kopf ist. Abwehrchef Frank Leboeuf drückte aus, was alle sahen: „Einen Zidane kann man nicht ersetzen.“

          Das leugnet auch Trainer Roger Lemerre nicht: „Jeder weiß, dass Frankreich mit Zidane stärker ist.“ Gegen Uruguay am kommenden Donnerstag und Dänemark am 11. Juni helfen dem Welt- und Europameister nun nur noch Siege - aber der Einsatz von „Zizou“ in diesen Partien ist ungewiss.

          Der teuerste Fußballer der Welt (Muskelfaserriss im linken Oberschenkel) sah von der Ersatzbank aus mit verkniffener Miene zu, wie seine Mitspieler nur zweimal Aluminium trafen. „Ich will jetzt versuchen, so schnell wie möglich wieder zurückzukommen“, sagte der Mittelfeldstar vom Champions-League-Sieger Real Madrid.

          Sieg für „France deux“

          Während die „France I“ gar nicht schnell genug den Ort der Schmach verlassen konnten, bejubelte „France II“ den historischen Sieg gegen die alte Kolonialmacht überschwänglich. „Heute feiert der ganze Senegal“, behauptete Stürmerstar El Hadji Diouf und küsste immer wieder den Kopf von Torschütze Papa Bouba Diop, der mit seinem Treffer (30.) das grandiose WM-Debüt der „Wahl-Franzosen“ möglich gemacht hatte.

          „Dieser Sieg macht ganz Afrika glücklich“, rief der Matchwinner, der wie fast alle Teamkollegen in Frankreich sein Geld verdient. „Es ist wie ein Traum, aber kein Wunder. Wir haben 15 Monate hart dafür gearbeitet“, meinte Trainer Bruno Metsu, der als Franzose den Sensationssieg besonders genoss.

          Cleveres taktisches Konzept

          Der Coach hatte dem Vize-Afrikameister die richtigen Mittel mit auf den Weg gegeben: Die „Löwen der Teranga“, technisch stark und kombinationssicher, lauerten auf Fehler des Favoriten und nutzten sie zu gefährlichen Kontern. Vor allem der pfeilschnelle Diouf, wegen seiner acht Tore in der WM-Qualifikation „Serienmörder“ genannt, wirbelte die etwas unbewegliche Abwehr um Leboeuf mehrmals durcheinander.

          So auch beim Siegtor für die Nummer 42 der Welt: Afrikas Spieler des Jahres, der nach dem Triumph seinen Wechsel zum englischen Rekodmeister FC Liverpool bekannt gab, setzte sich auf der linken Seite durch und passte vors Tor, wo Emmanuel Petit und Torhüter Fabien Barthez den Ball nicht unter Kontrolle brachten. Bouba Diop, mit 1,93 m einer der längsten WM-Spieler, beförderte das Spielgerät im Sitzen über die Linie.

          „Wenn wir jetzt abheben sollten, war das kein gutes Resultat“, mahnte Trainer Metsu und forderte: „Wir müssen jetzt unsere Leistung bestätigen.“

          Djorkaeff enttäuscht

          Im französischen Starensemble enttäuschte vor allem Zidane-Ersatz Youri Djorkaeff, der für den verletzten Dirigenten den Taktstock schwingen sollte, mit der Aufgabe aber völlig überfordert war.

          Die gefährlichen Stürmer Thierry Henry und David Trezeguet warteten vergeblich auf genaue Anspiele des Ex-Lauterers. Nach 60 Minuten war der Arbeitstag für den früheren Bundesliga-Profi beendet. Trainer Lemerre wechselte den Aushilfs-Dirigenten aus, an den Missklängen änderte dies aber nichts mehr.

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