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Trainer Southgate unter Druck : Englische Trippelschritte

  • -Aktualisiert am

Gesprächsbedarf: Harry Maguire (r.) diskutiert mit Kapitän Harry Kane. Bild: picture alliance / DeFodi Images

Seit dem verlorenen EM-Finale spielt Englands Nationalteam mehr als enttäuschend. Das liegt auch an alten Kämpen wie Harry Maguire, an denen Trainer Southgate festhält.

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          Die englische Fußball-Nationalmannschaft macht es ihren Fans im Moment leicht, sich nicht auf die ohnehin umstrittene Weltmeisterschaft zu freuen, die in weniger als zwei Monaten in Qatar beginnt. Am vergangenen Freitag verlor das Team in Mailand 0:1 gegen Italien, damit hat es nun fünf Länderspiele nacheinander nicht gewonnen und steht schon vor dem letzten Spiel als Absteiger aus der Nations-League-Gruppe A3 fest.

          Wenn Deutschland an diesem Montagabend (20.45 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Nations League und bei RTL) im Londoner Wembley Stadium auftritt, geht es für die Engländer also allein darum, ihr mittlerweile arg ramponiertes Selbstbewusstsein zu reparieren. So gut es eben geht.

          Nations League

          Das Spiel gegen die DFB-Elf ist zudem Englands letzter Test vor der WM und dadurch umso wichtiger, denn in den zurückliegenden Partien hat Trainer Gareth Southgate noch nicht viel gesehen, was ihm die Auswahl seines endgültigen Turnierkaders erleichtern würde. Von den fünf bisher absolvierten Nations-League-Spielen hat England keines gewonnen und drei verloren, unter anderem mit 0:4 gegen Ungarn.

          In einer so schlechten Form befand sich ein englisches Nationalteam zuletzt 2014, damals schied es bei der WM in Brasilien in der Gruppenphase aus. Besonders erschreckend ist, wie ungefährlich die Engländer in den jüngsten Begegnungen waren: Aus dem Spiel heraus gelang ihnen kein einziges Tor, im Hinspiel gegen Deutschland Anfang Juni verwandelte Harry Kane nur einen Elfmeter. Die „Three Lions“ haben ihre Zähne verloren.

          Die Niederlage in Mailand wiegt umso schwerer, wenn man bedenkt, dass die Italiener sich nicht einmal für die bevorstehende WM qualifiziert haben. Bei der Europameisterschaft im Sommer 2021 standen sich beide Länder im Finale gegenüber – mit dem besseren Ende für Italien –, doch seitdem stagnierte England, statt auf dem Erreichten aufzubauen. Wie ein Favorit auf den Turniersieg, der man eigentlich sein möchte, präsentiert sich die Mannschaft seit Monaten jedenfalls nicht.

          Southgate bemühte sich dennoch, aus der Niederlage in Mailand etwas Positives mitzunehmen, und nannte die Leistung seiner Mannschaft einen „Schritt in die richtige Richtung“, was nach dem vorangegangenen Debakel gegen Ungarn allerdings unfreiwillig zynisch klang. Die BBC lobte Southgate in einer Analyse zwar dafür, dass er seine Spieler nicht öffentlich an den Pranger stellte: „Aber Englands Leistung war so schwach, so besorgniserregend mit Blick auf die Weltmeisterschaft, dass Kritik nach dieser jüngsten Niederlage unvermeidlich und verdient ist. Nicht gut genug.“

          Die Tageszeitung „The Guardian“ schrieb, die Nationalmannschaft habe sich in den sechs Jahren seit Southgates Amtsantritt noch nie so „schwächlich“ und „unzusammenhängend“ präsentiert wie heute. Und das Online-Sportportal „The Athletic“ warnte, dass die Fans in der Heimat womöglich noch nicht viele Türchen an ihren Adventskalendern geöffnet haben werden, wenn die englische Mannschaft schon wieder aus Qatar abreisen muss.

          Seit dem EM-Finale im Tiefflug: Trainer Gareth Southgate
          Seit dem EM-Finale im Tiefflug: Trainer Gareth Southgate : Bild: AP

          Überhaupt gerät auch Southgate zunehmend in die Kritik. Unbestritten sind seine Verdienste: Er hat England in einer schwierigen Zeit übernommen und die Mannschaft bei der WM 2018 bis ins Halbfinale und bei der EM 2021 bis ins Endspiel geführt. Er gilt in der Öffentlichkeit zwar nicht unbedingt als taktisches Genie, aber unter seiner Führung hat sich die Wahrnehmung der Mannschaft im Land spürbar verbessert. Doch nach dem Ende des Spiels gegen Italien am Freitag waren zum wiederholten Male Pfiffe und Buhrufe der mitgereisten Fans zu hören. Ihre Wut richtet sich dabei vor allem gegen den Trainer, der bei der Zusammenstellung des Kaders für die Spiele gegen Italien und Deutschland aus ihrer Sicht nicht nur richtige Entscheidungen getroffen hat.

          Viele stoßen sich zum Beispiel an der Nominierung von Harry Maguire. Der Innenverteidiger hat bei Manchester United unter dem neuen Trainer Erik ten Hag seinen Stammplatz verloren. Gegen den FC Arsenal wurde er zuletzt zehn Minuten vor Schluss eingewechselt, nachdem er zuvor bei drei Premier-League-Spielen nacheinander von der Bank aus zusehen musste. Bei Southgate aber ist Maguire gesetzt, gegen Italien spielte er von Beginn an in der Dreierkette.

          Maguire war ein wichtiger Bestandteil der Mannschaften, die sich bei den zurückliegenden Turnieren so respektabel präsentierten – und für Southgate sind diese Verdienste Grund genug, trotz seines Formtiefs an ihm festzuhalten. Früher in diesem Jahr hatte Southgate seine Loyalität mit verdienten Nationalspielern verteidigt, als er sagte, man könne die Weltmeisterschaft nicht gewinnen, wenn man nur mit formstarken, aber international unerfahrenen Spielern anreise.

          Die 90 Minuten gegen Deutschland sind Englands letzte Chance, die Stimmung wieder zu heben, bevor sie am 21. November ihr erstes WM-Gruppenspiel gegen Iran bestreiten. 90 Minuten, in denen Southgate Hinweise auf seine bevorzugte Formation und Aufstellung finden muss, denn aktuell scheint es noch mehr Fragen als Antworten zu geben.

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