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Ende der Kirch-Affäre? : Erregte Bayern schließen Vergleich mit DFL

  • Aktualisiert am

Rummenigge: „DFL vergiftet Atmosphäre” Bild: AP

Mit einem Vergleich wollten der FC Bayern und die DFL ihren Streit um den Geheimvertrag des Rekordmeisters mit der Kirch-Gruppe beenden: Zwar zahlen die Münchner drei Millionen Euro, doch jetzt gibt es neue Konflikte.

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          Mit einem Vergleich haben der FC Bayern München und die Deutsche Fußball Liga (DFL) eine weitere juristische Auseinandersetzung um den geheimgehaltenen Marketing-Vertrag des deutschen Rekordmeisters mit der Kirch-Gruppe verhindert.

          Wie die DFL am Samstag bekannt gab, zahlt der FC Bayern drei Millionen Euro an den Ligaverband. Davon werden 500.000 Euro als Spende für einen karitativen Zweck verwendet, vermutlich an eine Stiftung für notleidende Kinder im Irak.

          Beckenbauer kritisiert DFL

          Eigentlich sollte damit das für den deutschen Profifußball unangenehme und imageschädigende Verfahren beendet werden, doch der FC Bayern reagierte gereizt auf die Art der Veröffentlichung durch die DFL: „Die ganze Pressemitteilung der DFL ist eine Beleidigung für den FC Bayern. Wir haben gestern Abend schriftlich einen Vergleich geschlossen, und ein Vergleich ist normalerweise eine Befriedung. Aber durch diese Presserklärung wird der Fall noch einmal aufgeblasen“, erklärte der Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge vor dem Match gegen Werder Bremen in Richtung DFL.

          Und Vereinschef Franz Beckenbauer krisitierte: „Dümmer kann man eine Presseerklärung nicht formulieren.“

          Die DFL hatte in ihrer rechtlichen Bewertung Verstöße gegen die Statuten sowie ein moralisch verwerfliches Verhalten insbesondere bei Bayern-Manager Uli Hoeneß festgestellt, was Rummenigge erregte: „Das vergiftet die Atmosphäre. Einem Uli Hoeneß moralische Verwerflichkeit vorzuwerfen, ist ein Witz. Uli hat maßgeblich zu diesem TV-Vertrag beigetragen, wodurch die Vereine überhaupt so viel Geld bekommen haben.“

          FC Bayern droht mit Rückzug

          Rummenige wollte in seiner ersten Erregung nicht ausschließen, dass sich Bayern künftig auch aus allen Gremien beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) zurückziehen. In der DFL sind sie ohnehin nicht vertreten. Die DFL unterließ es allerdings, den Rekordmeister formell zu verurteilen.

          „Wir haben uns die Entscheidung in diesem bislang einmaligen Fall nicht leicht gemacht, aber trotz unserer Rechtsauffassung würden wir die Liga im Falle einer prozessualen Auseinandersetzung mit dem FC Bayern München mit einem Restrisiko belasten, inwieweit der Gesamtvorgang justitiabel ist“, begründete DFL-Chef Wilfried Straub den Verzicht auf eine Bestrafung. Dies wiederum unterstrich auch Rummenigge, der aber betonte: „Das ist eine freiwillige Zahlung. Damit können wir leben. Der Ball ist nun vom Tisch, statt monatelang durch die Instanzen zu gehen.“

          Die Zahlungsverpflichtung der Bayern, die im Falle einer Bestrafung mit dem Gang vor ein ordentliches Gericht gedroht hatten, sei laut Straub die Möglichkeit, in der Bundesliga „die Hygiene unter den Wettbewerbern wiederherzustellen“.

          Neues Konfliktpotenzial

          Gerhard Mayer-Vorfelder, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), sagte, er begrüße „die Einigung, die die Angelegenheit zu einem Abschluss bringt“. Konfliktpotenzial besteht allerdings nicht nur wegen den Formulierungen in der Presseerklärung weiterhin, denn inhaltlich hat die DFL den Münchnern, die insgesamt 42 Millionen Mark aus dem geheimen TV-Vermarktungsvertrag mit der Kirch-Gruppe erhielten, einiges vorzuwerfen.

          Nicht nur, dass der Kontrakt vorlagepflichtig gewesen sei. Der Klub hätte darüber hinaus die Gelder „der gesamten Liga zu Verfügung stellen müssen“, hieß es in der Erklärung. Außerdem hätte der Klub das Solidaritätsprinzip der gesamten Liga missbraucht „und somit gegen die im Sport unverzichtbare Fairness verstoßen“. Zudem ist die DFL der Auffassung, dass die Bayern „moralisch verwerflich“ gehandelt hätten. „Insbesondere die Teilnahme von Uli Hoeneß, der am Samstag zunächst keinen Kommentar abgeben wollte, in der TV-Kommission Anfang 2000, die im Mai des selben Jahres zum Abschluss eines vierjährigen TV-Vermarktungsvertrages für die Liga mit der KirchGruppe geführt hat, ist Beleg dafür“, erklärte die Geschäftsführung weiter. Lediglich in „Teilbereichen“ habe der Verein der KirchGruppe Rechte eingeräumt, „die nicht in der Dispositionsgewalt der Liga beziehungsweise der DFL liegen und Einnahmen hieraus insoweit nicht der Liga zustehen“. Die Bayern hatten sich bereits kurz nach Veröffentlichung der Presseerklärung gegen diese Darstellung der Vorgänge gewehrt.

          „Alle in der Pressemitteilung der DFL heute erhobenen Vorwürfe haben sich gerade während des Verfahrens bei intensiver Prüfung als unhaltbar und unbegründet erwiesen. Die ursprünglich in den Raum gestellten Strafen und Forderungen sind deshalb nicht weiter verfolgt worden“, teilte der Verein mit. Außerdem erklärten die Münchner, sie hätten eigentich den gesamten Betrag in Höhe von drei Millionen Euro wohltätigen Organisationen überlassen wollen. Dieser Wunsch sei aber von der DFL-Geschäftsführung abgelehnt worden.

          Im Februar war bekannt geworden, dass der FC Bayern Ende 1999 mit dem mittlerweile zusammengebrochenen Medien-Unternehmen des Münchners Leo Kirch einen geheimen Vertrag abgeschlossen und diesen nicht im Lizenzierungsverfahren vorgelegt hatte. In den Spielzeiten 2000/2001 und 2001/2002 nahm der Club nach eigenen Angaben durch den Kontrakt 21,47 Millionen Euro ein. Die Münchner hatten sich durch das Geschäft mit dem Medienunternehmen dem Verdacht ausgesetzt, das Geld für ihre Zustimmung zur Zentralvermarktung der Bundesliga kassiert zu haben.

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