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EM-Boykott-Diskussion : Klitschko wünscht Merkel-Besuch

  • -Aktualisiert am

Vitali Klitschko: Appell an Angela Merkel (Foto: Am 17. April in Kiew) Bild: REUTERS

Vitali Klitschko, Boxchampion und ukrainischer Oppositionspolitker, fordert Bundeskanzlerin Merkel zum Besuch der Fußball-EM auf. Ein Boykott der EM „würde das Volk treffen“, sagte Klitschko der F.A.Z. Auch DFB-Präsident Niersbach sprach sich gegen einen Boykott aus.

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          Vitali Klitschko hat Bundeskanzlerin Angela Merkel aufgefordert, die Fußball-Europameisterschaft in seiner Heimat Ukraine nicht zu boykottieren. Frau Merkel müsse mit ihrer Anwesenheit bei einem der drei Spiele der deutschen Nationalmannschaft in Lemberg und Charkiw ja nicht die Ehrenloge mit Präsident Viktor Janukowitsch teilen, sondern könne privat im Tribünenblock der deutschen Delegation ihre Mannschaft anfeuern, sagte Klitschko am Mittwoch in einem Telefonat mit der F.A.Z.

          Damit würde dem Diktator demonstrativ die politische Bühne entzogen. Der Boxweltmeister im Schwergewicht hält sich derzeit in Kiew auf. Er ist Vorsitzender der von ihm gegründeten Partei UDAR.

          Sanktionen, Boykotte der Politiker, eine Verlegung oder gar eine Absage der Spiele in der Ukraine lehnt er ab: „Solche Reaktionen würden vor allem das Volk treffen, das sich so sehr auf dieses Ereignis freut. Es geht um Sport. Die Menschen in diesem Land sind gegenwärtig nicht das Gesicht dieser Ukraine, sondern die Regierung. Daher sollte man von derlei Überlegungen Abstand nehmen.“

          Der Boxchampion ist persönlich in leitender Funktion in die Organisation des Fußball-Turniers involviert. „Ich bin für die Aufgaben der Freiwilligen zuständig. Sie kämpfen für ein gutes Image unseres Landes, das von der Regierung beschädigt wird, weil sie die Menschenrechte nicht achtet.“

          Klitschko fordert, die inhaftierte und kranke Oppositionsführerin Julija Timoschenko müsse außerhalb der Ukraine medizinisch behandelt werden: „Nur durch diese Maßnahme kann Schaden von der Fußball-Europameisterschaft in fünf Wochen abgewendet werden.“

          Schon unmittelbar nach der Verhaftung der ehemaligen Premierministerin im August vergangenen Jahres hatte Klitschko in einem Appell - bei aller berechtigten Kritik an ihrer Amtsführung („Ich will nicht den Eindruck erwecken, aus ihr eine Jeanne d‘Arc zum machen“) - die Freilassung gefordert und in einem Interview mit der F.A.Z. gewarnt: „Durch die Verhaftung von Julija Timoschenko ist die Fußball-Europameisterschaft in unserem Land bedroht.“

          Niersbach für deutliche Kritik

          Gegen einen Boykott, aber für deutliche Kritik an der Situation in der Ukraine hat sich am Dienstagabend nochmals Wolfgang Niersbach, der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), anlässlich der Verlängerung eines Premium-Sponsoring-Vertrages mit der Commerzbank AG bis 2016 ausgesprochen. Eine Haltung, die auch Martin Blessing, der Vorstandsvorsitzende der Commerzbank, teilte. Blessing hob am Frankfurter Sitz der Bank hervor, dass es „überhaupt keine Debatte darüber“ geben könne, dass die Ukraine „politisch dazu gedrängt werden muss, dass die Menschenrechte eingehalten werden“. Andererseits biete gerade die Bühne EM „die Gelegenheit, auf Missstände aufmerksam zu machen“. Ein Boykott des Turniers führe nur dazu, „Völkerverständigung zu vermeiden“.

          Niersbach glaubt daran, dass die Ukraine und ihr Präsident auf die derzeit geäußerte Kritik an den Umständen der Inhaftierung von Frau Timoschenko noch reagieren werde. „Ich gehe davon aus“, sagte er, „dass die Entwicklung nicht stehen bleibt, sondern weiter geht. Die Ukraine will sich bei der Europameisterschaft ja positiv darstellen, das gelingt ihr im Moment nicht.“ Die deutschen Nationalspieler, die vom DFB sachgerecht auf das Turnier eingestimmt werden, hätten das Recht, sich zur Situation im Land des EM-Mitausrichters zu äußern. „Das sind alles junge, intelligente Kerle, die wissen wollen, was in der Welt los ist. Sie können sich eine eigene Meinung bilden. Ob sie sich (zum Thema Ukraine) äußern wollen, bleibt ihnen selbst überlassen

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