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EM 2004 : Uefa droht Portugal mit Entzug

  • Aktualisiert am

Drohung: UEFA-Präsident Lennart Johansson Bild: dpa

Wegen der unsicheren Finanzlage in Portugal für die Fußball-Europameisterschaft 2004 droht die Europäische Fußball-Union damit, einen anderen Ausrichter zu benennen.

          Nach monatelangen Finanzquerelen um die Fußball-Europameisterschaft in Portugal hat die Europäische Fußball-Union (UEFA) den Portugiesen mit dem Entzug der EM 2004 gedroht.

          „Wenn die Dinge so weitergehen wie bisher, müssen wir einschreiten“, sagte UEFA-Präsident Lennart Johansson. „Die Zeit drängt. Wir können nicht länger untätig zusehen.“ Der Schwede bezog sich damit auf die Streitigkeiten zwischen den Fußballclubs und den Kommunen in Portugal über die Finanzierung von Stadion-Bauten.

          Umzug jederzeit

          „Es gibt viele andere Länder, die an einer Ausrichtung der EM interessiert sind. Wir können mit der EM jederzeit in ein anderes Land umziehen“, schimpfte Johansson nach diesen Angaben auf einem Workshop des Weltverbandes FIFA in Tokio.

          Die Nachricht aus Fernost schlug in Portugal ein wie eine Bombe. „Die Sorgen des Herrn Johansson sind berechtigt“, gab der Präsident von Portugals Fußballverband (FPF), Gilberto Madaíl, kleinlaut zu. „In einzelnen Städten ist die Lage wirklich alarmierend.“ Allerdings wandte er ein, Johansson sei im fernen Tokio vielleicht missverstanden worden, oder er sei über den Fortgang der Bauarbeiten nicht richtig informiert.

          Motto: „Dann klappt es doch“

          Das Sportblatt „A Bola“ schreckte die portugiesischen Fans mit der Schlagzeile auf: „Ultimatum! Die UEFA stellt die EM in Frage.“ Auch die angesehene Tageszeitung „Público“ befürchtet: „Portugal könnte die EM verlieren.“ Die Drohung des UEFA-Chefs kam für die Portugiesen überraschend.

          Erst vor wenigen Tagen hatte der Vorsitzende der für Stadienbauten zuständigen UEFA-Kommission, Ernie Walker, die Baustellen besucht und sich insgesamt zufrieden über die Arbeiten geäußert: „Es ist so wie bei der Weltausstellung 1998 in Lissabon. Anfangs gibt es Dramen und Krisen, aber dann klappt es doch.“

          Unklare Finanzierung

          Portugal will für die EM acht Stadien neu errichten. Ausgerechnet bei den beiden wichtigsten Arenen in Lissabon und Porto, in denen das Eröffnungsspiel und das Finale stattfinden sollen, sind die Finanzen unklar.

          Die Städte streiten sich mit den Clubs Benfica und FC Porto darüber, wer welche Summen für Zubringerstraßen oder die Anbindung an die U-Bahn aufbringen soll. „Wenn man gewusst hätte, dass Porto nicht genug Geld hat, hätte die Kandidatur der Portugiesen nie den Zuschlag bekommen“, musste auch Walker einräumen.

          Zuversichtliche Regierung

          Die Regierung ist dennoch zuversichtlich. „Wir sind voll im Zeitplan. Die ganze Aufregung wird sich wieder legen“, meinte Sportminister José Lello. Allerdings kommen zu den finanziellen noch politische Unwägbarkeiten hinzu. In zwei Wochen finden in Portugal Wahlen statt, und danach dürfte das Land voraussichtlich eine neue Regierung bekommen.

          Johanssons „Gelbe Karte“ löste in Lissabon nicht nur Schrecken aus, sondern auch Verärgerung. „Die Drohung des UEFA-Präsidenten steht im Gegensatz zu den Erkenntnissen Walkers. Sie grenzt an Überheblichkeit“, beklagt sich das Sportblatt „Record“. „Portugal ist ein kleines Land, dem die UEFA helfen sollte. Man soll ihm nicht in neokolonialistischer Weise die Ohren lang ziehen.“

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