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Eisschnelllaufen : Anni Friesinger: Neid- und Druckgefühle

  • Aktualisiert am

Glamourgirl: Anni Friesinger Bild: dpa

Aus der Sonne von Gran Canaria auf das Eis in Erfurt: Anni Friesinger probt vor der Europameisterschaft in Erfurt nicht nur diesen Spagat.

          2 Min.

          Für die Vorbereitung flog sie kurzerhand in die Sonne. Schwitzen auf Gran Canaria, befand die Eisschnellläuferin Anni Friesinger, sei die bessere Vorbereitung als im kalten Deutschland zu frieren.

          Milde 22 Grad plus, statt 15 Grad minus. "Ich brauche das", sagt sie. Selbst in der vermeintlichen Abgeschiedenheit eines spanischen Trainingslagers steht die deutsche Ausnahmeathletin und Medaillenkandidatin im Mittelpunkt der Medien. Reporter fliegen extra für ein Interview mit ihr gen Gran Canaria.

          Neid spüren

          Sie steht ganz im Fokus der Medien, zumal Jahrhundert-Eisschnellläuferin Gunda Niemann-Stirnemann wegen Schwangerschaft pausiert und die zweimalige 5000-m-Olympiasiegerin Claudia Pechstein noch kein Weltcuprennen in dieser Saison gewann.

          Schnell unterwegs: Anni Friesinger

          „Dass auch Neid auf meine Medienpräsenz aufkommt, ist klar“, meint Friesinger: „Das spüre ich deutlich.“ Doch Friesinger wäre nicht Friesinger, wenn sie nicht auch große Sicherheit aus ihren Erfolgen ziehen würde: „Meine Planung scheint aufzugehen: Ich wollte zu Saisonbeginn in guter Form sein, um dann bei Olympia und der Mehrkampf-WM im März noch einen drauf zu setzen.“

          Ruhe haben

          Deshalb zog sie sich im Dezember aus den Wettkämpfen zurück und legte auf Gran Canaria neue Ausdauer-Grundlagen. Die Mehrkampf-EM am kommenden Wochenende in Erfurt kommt der 1500-m-Weltrekordlerin im Grunde zu früh: „Ich gehe aus dem Training heraus an den Start, denn an erster Stelle steht Olympia. Kann sein, dass ich trotzdem gewinne, weil die anderen einen ähnlichen Saisonaufbau haben.“ Aber der Druck ist da: „Ich bin froh, dass die Interview- und Foto-Termine jetzt weniger werden und ich wieder ein bisschen Ruhe habe.“

          Damit ist es schon in Erfurt vorbei: Friesinger contra Pechstein heißt der Zweikampf um den Europameistertitel und den optimalen Start in das Olympia-Jahr. Beim „Heimspiel“ von Freitag bis Sonntag in der neuen Gunda-Niemann- Stirnemann-Halle von Erfurt streben die beiden deutschen Ausnahmeläuferinnen die Nachfolge der Thüringerin an, die dem seit Wochen ausverkauften Eis-Tempel ihren Namen gab und wegen Schwangerschaft fehlt.

          Niederländische Verhältnisse

          Rund die Hälfte der insgesamt verkauften rund 10.000 Tickets ging an die niederländischen Fans, die in der Arena für stimmungsvolle Verhältnisse wie in Heerenveen sorgen wollen. Im Vorjahr hatte Gunda Niemann-Stirnemann in Baselga di Pine vom Sturzpech der Anni Friesinger gleich auf der 500-m-Distanz profitiert und vor Claudia Pechstein gewonnen.

          Nach den bisherigen Saisonergebnissen besitzt Anni Friesinger eindeutig die besten Karten. In allen acht Weltcup-Rennen zwischen 1500 und 5000 m dominierte die Inzellerin die Konkurrenz. Claudia Pechstein blieb vier Mal nur der zweite Rang auf den langen Distanzen.

          Doch für beide deutschen Läuferinnen ist Erfurt natürlich nur eine Zwischenstation auf dem Weg nach Salt Lake City. In der Olympia-Stadt möchte die Inzeller Mehrkampf-Weltmeisterin diesmal einen „Grand mit Vieren“ ausspielen: Sie plant den Start über vier Strecken und gilt zumindest drei Mal als Gold-Favoritin.

          "Ein Stolperer und du liegst da"

          „Die Situation ist eine andere geworden. Jeder fragt mich, wie viele Medaillen ich denn in Salt Lake City gewinnen will. Dabei genügt doch schon ein Stolperer, und schon liegst du da“, sagt die 24-Jährige.

          Der zweite EM-Titel nach 2000 wäre dennoch für niemanden eine Überraschung. „Die EM kommt für mich zu früh. Da bin ich noch nicht wieder topfit“, versucht die 24-Jährige den Erwartungsdruck etwas zu dämpfen, nachdem sie vor dem Jahreswechsel auf Gran Canaria eine Eis-Pause zur Regeneration einlegte und auch auf die nationalen Titelkämpfe in Erfurt verzichtete.

          Was für Claudia Pechstein spricht

          „Ich gehe davon aus, dass wir den Titel vom Vorjahr verteidigen“, ist sich aber auch DESG-Sportdirektor Günter Schumacher sicher. „Für Anni spricht die große Ausgeglichenheit auf allen vier Strecken. Claudia hat schon oft ein gutes Gefühl für die Situation bewiesen“, so der frühere Coach. Claudia Pechstein will sich nicht auf ein Duell mit der Seriensiegerin festlegen.

          „Die Niederländerinnen haben jetzt auch ausgeschlafen, ich rechne auch mit ihnen. Aber ich nenne keine Platzierung, die ich mir vornehme. Auch keine Zeiten. Ich gehe jedoch davon aus, dass meine Bahnrekorde am Wochenende purzeln werden“, meint die Berlinerin.

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