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Eiskunstlaufen : Zementierte Reihenfolge beim Eistanzen

  • Aktualisiert am

Kati Winkler und René Lohse: „Wir wollen weiter nach oben” Bild: dpa

Kati Winkler/René Lohse belegen nur den siebten Platz nach den Originaltänzen: „Im Eistanzen braucht man Glück und einen starken Verband.“

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          Einen Monat nach dem Wertungsskandal von Salt Lake City kommt der Eiskunstlauf auch bei den Weltmeisterschaften in Nagano nicht zur Ruhe. Zum Auftakt des Tanz-Wettbewerbes entfachten die konservativen Preisrichter mit ihrer fest zementierten Reihenfolge die Diskussionen erneut.

          Besonders enttäuscht waren die Berliner Kati Winkler/René Lohse über ihren siebten Platz. „Wir sind besser in Form als bei Olympia, aber das honoriert man nicht“, meinte der frustrierte Lohse: „Anscheinend geht es in die andere Richtung.“ Zusätzlich sorgte ein Beitrag des ZDF-Magazins „Frontal 21“ für Wirbel. Darin bestätigen Preisrichter irreguläre Absprachen.

          Siegchancen nur einem starken Verband

          Die Olympia-Achten Winkler/Lohse hatten wegen der fehlenden Olympiasieger Marina Anissina/Gwendal Peizerat (Frankreich) und der Titelverteidiger Barbara Fusar-Poli/Maurizio Margaglio mindestens auf Platz sechs spekuliert. „Wir wollen weiter nach oben, aber im Eistanzen braucht man etwas Glück und einen starken Verband im Hintergrund“, deutete Kati Winkler an, worüber seit Jahren hinter den Kulissen gemunkelt wird.

          Wegen der fehlenden Erfolge hat die Deutsche Eislauf-Union (DEU) derzeit kaum Einfluss im internationalen Verband. Schon in den Pflichttänzen am Dienstag zeigten sich die Preisrichter wenig flexibel, obwohl einige gravierende Fehler sogar für Laien offensichtlich waren. So hätten die Franzosen Isabelle Delobel/Olivier Schoenfelder nach zwei Stürzen ganz weit hinten landen müssen. Stattdessen wurden sie Zwölfte. „Das ist einfach nicht richtig“, sagte Martin Skotnicky, Trainer von Winkler/Lohse. Er kritisiert offen, dass seit Jahren nicht nach Leistung beurteilt wird.

          Absprachen und Erpressung gängige Praxis

          Zu Recht auf Rang eins liegen die Russen Irina Lobatschewa/Ilja Awerbuch, die vor ihrem ersten internationalen Titel stehen. Den Olympia-Zweiten am nächsten kamen Shae-Lynn Bourne und Victor Kraatz aus Kanada sowie die Litauer Margarita Drobiazko und Povilas Vanagas. Auf Platz 18 rangieren die Essener Geschwister Stephanie und Thomas Rauer.

          „Ich versuche immer ehrlich zu sein, denn die Sportler haben ein Recht auf eine faire Beurteilung“, sagte die Eistanz-Preisrichterin Monika Zeitler (Goslar). Von Kungeleien unter den Juroren weiß die Lehrerin nichts. Ganz anders äußern sich ihre Kollegen in dem TV-Beitrag vom Dienstag: Eine Befragung von 24 Juroren habe ergeben, dass innerhalb der „Eis-Mafia“ Absprachen und Erpressung gängig seien, hieß es.

          Sechs Mal 6,0 für Alexej Jagudin

          Skeptisch wird in Eiskunstlauf-Kreisen auch die Einführung des bei Olympia angekündigten neuen Wertungssystems gesehen. Viele Verbände, die im Juni beim Kongress der Internationalen Eislauf-Union (ISU) über den Vorschlag von Präsident Ottavio Cinquanta abstimmen müssen, wollen die Höchstnote 6,0 beibehalten.

          Die erhielt Olympiasieger Alexej Jagudin in seinem Kurzprogramm von Nagano gleich sechs Mal. Der Ausnahme-Läufer ist auf dem besten Weg zum vierten Titel. „Ich will ihn mir unbedingt zurückholen, auch wenn ich nach Olympia sehr müde bin“, sagte der Russe. Ohne den großen Rivalen und Landsmann Ewgeni Pluschenko braucht er die Konkurrenz nicht zu fürchten. Denn weder Alexander Abt (Russland) noch Timothy Goebel (USA) können mithalten.

          Vlascenko besser, aber nicht gut

          Steigern im Vergleich zur misslungenen Qualifikationskür konnte sich der Wahl-Münchner Andrejs Vlascenko. Der vierfache deutsche Meister kam gut durch seine ansprechende Kurzkür, lediglich der Kombination aus Dreifach-Axel/Doppel-Toeloop fehlte eine geplante Umdrehung.

          „Ich wollte zeigen, dass man mich noch nicht abschreiben kann“, sagte der gebürtige Russe. Sein großes Ziel, die Top Ten, wird er nur mit einer erstklassigen Kür erreichen können. „Ich bin kein Pessimist, aber das wird schwer“, sagte der 27-Jährige, der nun auf Platz 12 rangiert.

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