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Eiskunstlaufen : Jagudin konkurrenzlos in Nagano

  • Aktualisiert am

Gold so gut wie sicher: Alexej Jagudin Bild: dpa

Olympiasieger Alexej Jagudin ließ in der Qualifikationskür der Eiskunstlauf-WM keinen Zweifel aufkommen, wer Weltmeister wird.

          3 Min.

          Die einzige Star der Eiskunstlauf-WM in Nagano beantwortete gleich zum Auftakt der entwerteten Titelkämpfe die wichtigste Frage: „Ich werde definitiv kein Profi, denn ich liebe die Wettkämpfe“, sagte Olympiasieger Alexej Jagudin.

          Damit beendete der überragende Kufenkünstler alle Spekulationen um ein Ende seiner Karriere. Der einzige olympische Champion, der die Reise nach Japan auf sich genommen hat, versprühte schon am Montagmorgen in seiner Qualifikationskür Energie und Lebenslust. Voller Konzentration auf seinen vierten Weltmeistertitel vergaß der Russe sogar seinen 22. Geburtstag. „Das ist mir noch nie passiert, aber es ging mir schon bei Olympia so, dass ich die ganze Welt um mich herum ausgeblendet habe.“

          Jagudin-Festspiele angekündigt

          Dass sein größter Herausforderer und Landsmann Ewgeni Pluschenko in Japan fehlt, hat Jagudin wohl gemerkt, aber es stört ihn wenig. Um zehn Uhr morgens zeigte er schon Höchstschwierigkeiten wie die Kombination Vierfach-Toeloop / Dreifach-Toeloop. Für seine Kür am Donnerstag versprach er sogar einen dreifachen Rittberger als Krönung der schweren Kombination - das gelang bisher noch keinem Läufer.

          Und auch für den Fall, dass er einen sportlichen Einbruch erlebt, hat der St. Petersburger vorgebeugt: „Ich bin Olympiasieger, auch wenn ich hier verlieren sollte. Das kann mir niemand mehr nehmen.“

          Skate-Gate-Stars versilbern ihre Goldmedaillen

          Alle anderen Goldmedaillengewinner von Salt Lake City wollten sich der neuerlichen Herausforderung in der Olympiastadt von 1998 erst gar nicht stellen. „Mir fehlte die Zeit zum Training“, sagt Sarah Hughes (USA) lapidar. Die doppelten Olympiasieger Elena Bereschnaja/Anton Sicharulidse (Russland) und Jamie Sale/David Pelletier (Kanada) touren nach dem olympischen Paarlauf- Skandal als Quartett gemeinsam durch Nordamerika, um ihre Medaillen zu versilbern.

          Nicht dabei sind auch die Eistanz-Olympiasieger Marina Anissina und Gwendal Peizerat (Frankreich), die „einfach keine Lust mehr“ hatten, den weiten Trip nach Japan auf sich zu nehmen, zumal bei lukrativen Schaulaufen in Europa mehr Geld zu verdienen ist. Da auch die Titelverteidiger Barbara Fusar-Poli und Maurizio Margaglio aus Italien verzichteten, droht die Eiskunstlauf-WM zur sportlichen Farce zu verkommen.

          Winkler / Lohse peilen Platz sechs an

          Anders als 1994 und 1998 werden die Läufer der Deutschen Eislauf-Union (DEU) vom Exodus der Stars diesmal nicht profitieren können. Vor acht Jahren gewann Tanja Szewczenko ebenso die Bronzemedaille wie vier Jahre später die Paarläufer Peggy Schwarz und Mirko Müller. Dieser dritte Platz war die letzte internationale DEU-Medaille überhaupt.

          Den Medaillen am nächsten rücken könnten diesmal die Eistänzer Kati Winkler und Rene Lohse. Die Berliner, nach monatelanger Verletzungspause bei Olympia auf Rang acht, wollen sich in der eisigen Hierarchie auf den sechsten Platz hocharbeiten. Lohse: „Wir müssen zeigen, dass wir weiter zum Kreis der Weltbesten zählen.“

          Keine deutsche Eiskunstläuferin am Start

          Aus diesem Zirkel haben sich die DEU-Damen längst verabschiedet. Erstmals seit Jahrzehnten ließ der Verband den ihm zustehenden Startplatz unbesetzt, nachdem die Münchnerin Andrea Diewald bei den Europameisterschaften in Lausanne schon in der Qualifikation scheiterte.

          Bei den Herren startet der gebürtige Russe Andrejs Vlascenko, der wegen des fehlenden deutschen Passes trotz sportlicher Qualifikation in Salt Lake City noch nicht antreten durfte. Doch zum Auftakt wirkte er saft- und kraftlos, seine Kurzkür zu Blues-Rhythmen misslang ihm gründlich. Der Wahl- Münchner sprang den Axel nur einfach und schleppte sich ohne Kombination und mit wenig Tempo durch den viereinhalbminütigen Kraftakt.

          Top Ten-Plätze gefordert, aber schwer zu erreichen

          „Ich habe keinen guten Tag erwischt“, meinte der deprimierte Wahl-Münchner, der nur Elfter in der Qualifikationsgruppe B wurde. Vlascenkos großes Ziel, ein Platz in den Top Ten, wird schwer zu erreichen sein, denn die Qualifikation geht mit zwanzig Prozent ins Gesamtergebnis ein.

          Die Berliner Mariana Kautz / Norman Jeschke verpatzten in ihrem Kurzprogramm zur Musik „Wild Things“ die Waagepirouette, die Wertungen fielen mit 4,2 bis 4,8 in der A-Note sehr schlecht aus. Vor der Kür am Mittwoch liegen sie unter 20 Paaren an Position 14. „Wir wollen unbedingt einen zweiten Startplatz für Deutschland herausholen“, sagte Jeschke. Dafür müsste das Duo aber in der Kür vier Plätze gutmachen.

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