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Eiskunstlauf-WM : „Wir sind in Feindesland gelaufen“

  • Aktualisiert am

Titel mit Makel: Die Kanadier Shae-Lynn Bourne und Victor Kraatz Bild: AP

Wieder eine strittige Entscheidung im Eistanzen: Die russische Titelverteidiger Ilja Awerbuch und Irina Lobatschewa fühlten sich nach dem Sieg der Kanadier Shae-Lynn Bourne und Victor Kraatz ungerecht behandelt.

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          Einen gewissen Makel hat der erste Weltmeistertitel zum Abschluss der Karriere der Kanadier Shae-Lynn Bourne und Victor Kraatz schon. „Wir sind in Feindesland gelaufen, das war uns klar. Aber dass die Zuschauer so kühl blieben, enttäuscht uns schon“, resümierte der russische Titelverteidiger Ilja Awerbuch, der mit seiner Ehefrau Irina Lobatschewa gegen einen übermächtigen Heimvorteil der Kanadier angelaufen war.

          „Ich will mich nicht beklagen, denn im Eistanz fühlen sich die Verlierer immer betrogen. Aber so möchte ich eigentlich nicht aufhören. Vielleicht hängen wir noch ein Jahr dran“, meinte der enttäuschte Russe nach dem knappen 4:5-Preisrichter-Urteil in Washington. Extra für die WM in den USA hatten sie im Kürprogramm ein Rock'n'Roll-Medley zusammengestellt und gehofft, den Zuschauergeschmack zu treffen. Doch anders als sonst blieb die Halle still, selbst Elvis Presley konnte die 10 000 Besucher nicht zum Klatschen animieren.

          „Skate fair“

          Das Publikum wollte den Titel für Bourne/Kraatz, die schon oft betrogen wurden und ihre Amateur-Karriere nun beenden werden. „Nach zwölf Jahren muss einmal Schluss sein, wir haben unser Limit erreicht. Das ist jetzt der absolute Höhepunkt“, sagte Victor Kraatz, der in Berlin als Sohn deutscher Eltern zur Welt kam. Die Bronzemedaille holten die Bulgaren Albena Denkowa/Maxim Stawijski.

          Im Gegensatz zum parteiischen Verhalten des Publikums hatten am Freitag vor dem MCI-Sportcenter viele Eiskunstlauf-Anhänger für einen gerechteren Sport protestiert. Unter dem Motto „Skate fair“ verurteilten sie das neue Wertungssystem des Weltverbandes und warben für den gerade gegründeten Kunstlauf-Verband. Der will am alten Benotungssystem festhalten.

          B-Note 6,0 für Michelle Kwan

          Zuvor hatte die Amerikanerin Michelle Kwan mit einer einwandfreien Kurzkür Kurs auf ihren fünften WM-Titel genommen. Die 22 Jahre alte Kalifornierin führte die Damen-Konkurrenz vor der Kür in der Nacht zum Sonntag deutlich an. Auf Rang zwei rangierte die Russin Jelena Sokolowa vor der Japanerin Fumie Suguri. Eine deutsche Läuferin ist wie im Eistanzen in der amerikanischen Hauptstadt nicht am Start. Kwan lief zur Musik von Peter Gabriel ohne Fehl und Tadel. Als Höchstschwierigkeit zeigte sie eine Kombination aus Dreifach-Lutz/Zweifach-Axel.

          Die Zuschauer riss es von den Plätzen, als die anmutige Amerikanerin in ihrem altrosa Kleid bei Pirouetten und Schrittfolgen glänzte. Als Belohnung bekam die Tochter chinesischer Einwanderer sogar in der B-Note für den künstlerischen Wert eine 6,0. Vermisst wird als große Konkurrentin die russische Weltmeisterin Irina Slutskaja, die wegen einer Erkrankung ihrer Mutter absagte. Olympiasiegerin Sarah Hughes kam nicht über Rang neun hinaus und hat keine Medaillenchance mehr. „Es war ein sehr hartes Jahr, nachdem ich in Salt Lake City gewonnen hatte“, meinte die 17 Jahre alte New Yorkerin. Nach vielen Showauftritten und Werbeverpflichtungen hatte Hughes Probleme an der Achillessehne und bestritt diese Saison kaum Wettkämpfe.

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