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Eiskunstlauf : Noch eine Umdrehung mehr

  • -Aktualisiert am

Noch mehr Umdrehungen: Beim Eiskunstlauf werden neue Rekorde angestrebt Bild: AFP

Die Jagd nach Rekorden ist ungebrochen - auch im Eiskunstlauf. Ein gewisser Brandon Mroz hat nun als Erster einen Vierfachlutz fehlerfrei gestanden. Zum großen Meister braucht es aber mehr.

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          Auf der Jagd nach neuen Rekorden ist der Spitzensport längst im höchsten Drehzahlsektor angekommen. Schneller, höher, stärker - darum geht es vielen Athleten noch immer, auch in der Ära nach den großen Doping-Enthüllungen. Wie sauber die Leistungen der Trendsetter nach Sekunden, Minuten und Zentimetern auch immer sein mögen: Das Bestreben, Bestmarken zu setzen, ist ungebrochen. Auch im Eiskunstlauf, in dem es noch artistische Steigerungsmöglichkeiten zu geben scheint. Hier kommt es vor allem auf die Drehgeschwindigkeit an, soll der Sprung vom dreifachen zum vierfachen Kunststück gelingen.

          Gefragt sind schöne Programme

          Aus den Vereinigten Staaten kommt die Nachricht, dass ein gewisser Brandon Mroz bei einem Einladungswettkampf in Colorado Springs als erster Mensch der Welt einen Vierfachlutz fehlerlos überstanden habe. Da die Internationale Eislauf-Union diese Verbesserung von drei auf vier Umdrehungen inzwischen anerkannt hat, steht der zwanzig Jahre alte Amerikaner aus St. Louis ab sofort in den Geschichtsbüchern dieses Sports. Aber nur in der Rubrik Rekordhalter, denn in einer kompositorischen Disziplin wie dem Kunstlauf zählen auch andere herausragende Qualitäten - Schrittfolgen etwa oder Pirouetten oder die Präsentation der Küren.

          Brandon Mroz, der als beste Plazierung bisher Platz zwei bei den amerikanischen Meisterschaften 2009 vorzuweisen hat, muss, will er ein großer Meister werden und nicht nur ein großartiger Springer sein, mehr als einen Vierfachlutz als Alleinstellungsmerkmal bieten. Gefragt sind schöne Programme. Und daran sind Läufer, die schon häufiger mit dem Beiwort Springer eher ab- als aufgewertet wurden, nicht selten gescheitert.

          Die subjektive Bewertung lässt Spielraum

          Das oft genug Ungerechte an diesem Sport ist seine Betrachtungsweise: Die Preisrichter bewerten die technischen Schwierigkeiten nach objektiven Parametern, die per Videobeweis überprüfbar sind; sie können indes bei den weichen Kriterien - Choreographie, Originalität, Übereinstimmung der Elemente, Schritte und Bewegungen zur Musik - subjektiv entscheiden. Das ist der Spielraum, der in diesem seit alters her von Absprachen und Skandalen begleiteten Sport auch dunklen Spekulationen die Tür öffnet. Mroz dürfte sowieso gewarnt sein.

          Sein Vorläufer heißt Timothy Goebel - auch ein Amerikaner, der 1998 als Erster einen Vierfachsalchow bei einem offiziellen Wettbewerb, dem Grand-Prix-Finale der Junioren, schaffte. Der Vierfachkönig, der auch den Toeloop in dieser Variante beherrschte, wurde dennoch nie Weltmeister. Zwei zweite Plätze, 2002 und 2003, stehen bei ihm immerhin zu Buche.

          Bis dahin ist der Weg für Brandon Mroz, der angeblich auch an den Premieren des noch nie gezeigten Vierfachrittbergers und Vierfachflips arbeitet, noch weit. Er muss bei den amerikanischen Meisterschaften im Januar gegen starke Rivalen, darunter Olympiasieger Evan Lysacek, unter die ersten drei kommen, um überhaupt im nächsten März bei der WM in Nizza starten zu können. Lysacek siegte in Vancouver 2010 ohne einen einzigen Vierfachsprung. Das beweist, dass jetzt in Colorado Springs nur ein Rekord zu melden war, aber keine Eiskunstlauf-Revolution.

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