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Eiskunstlauf-EM : Olympia als Ziel und Zwischenstation

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Olympiaticket als Objekt der Begierde: Rene Lohse mit Kati Winkler Bild: dpa

Während Rene Lohse und Kati Winkler ihr Olympiaticket mit einer Sonderregelung bereits sicher haben, kämpfen andere deutsche Athleten bei der Eiskunstlauf-EM um die Qualifikation.

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          Dabei schien es noch vor zehn Wochen so, als sei die komplette Olympia-Saison für die Aushängeschilder der Deutschen Eislauf-Union (DEU) vorzeitig beendet. Zu schwer schien Lohses Blessur, wochenlang trainierte seine Partnerin mit einem Besenstiel, um nicht aus der Übung zu kommen.

          Doch schon drei Tage vor Weihnachten betraten die Schützlinge von Trainer Martin Skotnicky wieder vorsichtig gemeinsam das Eis und haben seither fast täglich Fortschritte gemacht. „Wir sind sehr dankbar, dass das Nationale Olympische Komitee diese Ausnahme für uns gemacht hat. Lausanne wäre für uns einfach zu früh gekommen und hätte möglicherweise in meinem Knie wieder etwas kaputt gemacht“, sagt Lohse, der sich am Fernseher darüber informieren will, wie sich die Konkurrenz bei dem am Dienstag mit den Pflichttänzen beginnenden Wettbewerb schlägt.

          Der vom NOK geforderte Leistungs- Test am 23./24. Januar sollte kein Problem sein, auch wenn Lohse immer noch eine kleine Knieschiene beim Schlittschuhlaufen trägt. „Sie ist mehr eine Unterstützung für den Kopf“, sagt er.

          Neue Eistanz-Hierachie?

          Ein großes Wagnis mit unbekanntem Ausgang ist der NOK-Beschluss aber mitnichten, denn Winkler/Lohse haben in den vergangenen drei Jahren die Olympia-Norm regelmäßig übererfüllt. Das NOK hat wohl auch deshalb eine Ausnahme gemacht, weil man nicht ausschließen kann, dass die beiden Eistänzer die einzigen DEU-Athleten in der Mormonen-Metropole sein werden.

          Dass dieser "worst case" am Genfer See nicht eintritt, dafür will Lohse im Allgäu kräftig die Daumen drücken: „Das wäre furchtbar. Weniger für uns, aber dafür umso mehr für das deutsche Eiskunstlaufen.“

          Dass die über Jahre betonierte internationale Eistanz-Hierarchie in den vergangenen Wochen in bemerkenswerter Weise durcheinander gewirbelt wurde, sieht Rekonvaleszent Lohse als Chance für die beiden „Späteinsteiger“ an: „Wenn wir schon im Training einen guten Eindruck machen, können wir vielleicht dazwischenfunken. Es kann allerdings auch passieren, dass wir außen vorgelassen werden, weil wir in dieser Saison noch nirgends gelaufen sind.“

          „Zum Glück ist die starre Einteilung aufgebrochen, das gibt Hoffnung“, sagt der deutsche Meister Thomas Rauer, der mit seiner Schwester Stephanie immer im Schatten von Winkler/Lohse stand und bei der EM um das Ansehen der DEU kämpft.

          Hoffnung auf die Zeit nach Olympia

          Ihre neue Kür zu Ragtime-Rhythmen Scott Joplins und den fetzigen Flamenco im Original-Programm werden Winkler/Lohse erstmals in der Olympia-Eislaufhalle zeigen. Eingestimmt darauf hat sie Olympiasieger Christopher Dean, mit dem sie im Sommer in den USA die Kür entwarfen. Das Ziel für die Winterspiele ist vor allem, die Preisrichter mit Nachdruck auf sich aufmerksam zu machen.

          Coach Martin Skotnicky, der die Geschwister Duchesnay 1991 zu Weltmeistern formte, ist überrascht von den Fortschritten des Berliners. „Die Saisonvorbereitung der beiden war schon optimal, sie waren vor der Verletzung sehr gut in Form“, bestätigt der erfolgreiche Trainer, der dem Paar nun den letzten Schliff für Salt Lake City geben muss.

          Hoffnungen auf eine Medaille müssen Winkler/Lohse aber wohl auf die kommenden Winter verschieben. Dann könnte der Weg frei sein, da die amtierenden Weltmeister Barbara Fusar-Poli und Maurizio Magaglio aus Italien, die kanadischen Grand-Prix-Sieger Shae-Lynn Bourne und Victor Kraatz und auch die Ex-Weltmeister Marina Anissina/Gwendal Peizerat (Frankreich) ihre Karriere nach Olympia und WM wahrscheinlich beenden und zu den Profis wechseln. Höhepunkt und Laufbahnabschluss des deutschen Tanzpaares sollen die Welttitelkämpfe 2004 in Dortmund sein.

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