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Neue Vorgaben vom Verband : Wie die Eishockey-WM immer größer werden soll

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Größer soll es werden: Das Stadion der Ottawa Senators fasst 17.000 Plätze – für zukünftige Eishockey-Weltmeisterschaften genug. Bild: AP

Weltmeisterschaften sollen ein größeres Spektakel werden: Die Stadien müssen künftig mindestens 10.000 Fans Platz bieten. Für die Verbände bleiben sie überlebenswichtig. Auch eine deutsche Stadt hat Interesse.

          Franz Reindl mag diese Vormittage. Wenn alte Weggefährten aus der weiten Eishockey-Welt an einem Ort zusammenkommen, um sich und ihren Sport hochleben zu lassen. Da fühlt er sich wohl, der Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB), da hält er Smalltalk, schüttelt Hände und klopft auf Schultern. So wie jedes Jahr am Finaltag der Weltmeisterschaft, wo es guter Brauch ist, dass der Weltverband IIHF in einen geschmückten Saal lädt, um neue Mitglieder in seine Ruhmeshalle aufzunehmen. Dieses Jahr in Bratislava war unter anderen der slowakische Volksheld Miroslav Satan dabei, der sein damals junges Land 2002 sensationell zur Goldmedaille führte. Geht es nach Reindl, kommen die Legenden seiner Sportart bald wieder in Deutschland zusammen. „Es gibt Überlegungen, dass wir uns wieder um eine WM bewerben“, sagte der 64-Jährige und könnte sich das „für 2026 oder 2027“ vorstellen: „Wir haben die Hallen, es entstehen auch neue.“ Beispielsweise in München, wo es auch politisches Interesse an dem Turnier gibt.

          Das ist die Voraussetzung für den Zuschlag, wie IIHF-Präsident René Fasel in Bratislava deutlich machte. Die Eishockey-Weltmeisterschaften sollen wachsen, künftig muss eine Arena mindestens 10.000 Plätze haben, sagte er. In der Slowakei war das dieses Jahr nicht der Fall. „Wir alle wissen, dass die Arena in Kosice nicht ausreichte“, sagte der Schweizer Fasel, der kommendes Jahr abtritt, mit Blick auf die knapp 7500 Plätze in der Industriestadt in der Ostslowakei. Für den Weltverband geht es bei dem jährlichen Turnier schließlich darum, seinen Betrieb zu finanzieren – von der Verwaltung über Jugendturniere bis zur Frauen-WM. Es gibt im Gegensatz zu anderen Sportarten keine Qualifikationsrunden, die WM entspringt einem Ligen-System mit Auf- und Abstieg. Und die unteren Weltmeisterschaften in und für Eishockey-Entwicklungsländer wie Luxemburg, Turkmenistan oder Südafrika können sich selbst nicht finanzieren.

          Weltmeisterschaften sind wichtige Einnahmequellen

          Auch die Nationalverbände sind regelmäßig auf die Einnahmen einer Heim-WM angewiesen, auch der deutsche. Rund zwei Millionen Euro Gewinn aus der Veranstaltung 2017 waren für den DEB existentiell bei der Durchsetzung des Zukunftsprojekts „Powerplay 26“. Auch der aktuelle Aufschwung der Finnen ist eng mit dem Turnier in Helsinki 2012 verbunden, vom Gewinn werden Jugendtrainer bezahlt. Unter anderem aus diesem Grund geht das Turnier gewöhnlich an die üblichen Verdächtigen aus Nord-, Mittel- und Osteuropa. Im Schnitt ist jede größere Eishockey-Nation alle zehn Jahre dran.

          Müdigkeit in Anbetracht des Modus ist bei Ausrichtern, Spielern und Publikum nicht festzustellen. In Nordamerika schaut wegen der parallel ausgetragenen Play-offs der NHL zwar kaum jemand genauer hin, die WM ist und bleibt aber der große Saisonabschluss für die europäische Eishockeyszene. Deswegen gibt es für jedes Turnier ausreichend Bewerbungen, deswegen kommen immer mehr Topstars – in der Slowakei standen 120 NHL-Spieler auf dem Eis –, deswegen kommen die Fans. Für die am Sonntag mit dem Finalsieg der Finnen über Kanada 3:1 (0:1, 1:0, 2:0) ausgeklungene WM wurden fast 450.000 Eintrittskarten verkauft, aber auch die Zuhausegebliebenen nahmen teil. Die Internetvideos mit den Höhepunkten der Partien seien schon vor den Halbfinals 75 Millionen Mal aufgerufen worden, teilte die IIIHF mit. Auch Homepage, App und der neue Podcast würden Millionen Menschen erreichen, stellte IIHF-Generalsekretär Horst Lichtner zufrieden fest. Zudem könnten sich die Einschaltquoten im linearen TV sehen lassen, Deutschland gegen Tschechien sahen deutlich mehr als zwei Millionen Menschen im Sender Sport1, in der Schweiz und Finnland waren die K.-o.-Spiele durchweg Straßenfeger.

          Das meiste Geld verdienen Weltverband und Ausrichter mit Tickets. Deshalb sollen die Hallen größer werden. Aber Arenen mit mindestens 10.000 Plätzen sind nicht immer einfach zu füllen, zumindest an dem Ort, an dem das Heimteam nicht spielt. Deswegen teilte sich Deutschland die WM 2017 mit Frankreich, Dänemark wich mit seinem Team in die kleine Ortschaft Herning aus und überließ den Schweden, die als eine Art zweites Heimteam fungierten, die Hauptstadt Kopenhagen. Die Slowaken machten es ähnlich, sie gingen nach Kosice, Bratislava gehörte den Tschechen. Auch Weißrussland und Lettland (2021) sowie Schweden und Dänemark (2025) versuchen es gemeinsam, die Schweiz (2020), Finnland (2022), Russland (2023) und Tschechien (2024) probieren es allein. Umso ärgerlicher ist es für die Schweizer, dass Frankreich und Österreich nun während der Tage in der Slowakei aus der A-Gruppe abgestiegen sind. „Das ist enttäuschend“, sagte Gian Gilli, Organisationschef der WM 2020, die in Zürich und Lausanne ausgetragen wird. „Wir hatten gehofft, dass wir auch zwei Heimteams haben“, fügte Gilli an, „aber die Deutschen haben ja viel Erfolg, jetzt hoffen wir, dass viele Deutsche in die Schweiz kommen, um ihr Land zu unterstützen.“

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