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Deutscher Eishockey-Star Kahun : „Ich habe einiges geopfert“

Will bei der WM mit Deutschland erfolgreich sein: NHL-Profi Dominik Kahun Bild: Picture-Alliance

Dominik Kahun galt als zu klein, um in der NHL Karriere zu machen. Doch der Eishockeyprofi hat alle Zweifler überzeugt. Bei der WM hat er neben Leon Draisaitl nun eine klare Aufgabe.

          Wenn Dominik Kahun darauf gehört hätte, was andere sagen, wäre er nicht so weit gekommen. Für den NHL-Profi war es hilfreich, dass er über die bewundernswerte Gabe verfügte, schon in jungen Jahren seiner Laufbahn, die mittlerweile richtig Fahrt aufgenommen hat, eine bemerkenswerte Coolness an den Tag zu legen, wann immer ihm zu Ohren kam, dass es um seine Erfolgsaussichten im Eishockeygeschäft ging. Längst klingt in den Einschätzungen zu seiner Person keine Skepsis mehr durch, die ihn anfangs begleitete, als er sich entschloss, sein Glück als Profi zu suchen. Heute sind es wohlmeinende Lobesworte.

          Dass es ihm am nötigen Talent nicht mangelte, um sich zu behaupten, war bei dem in Böhmen geborenen Kahun, der im Kindergartenalter mit seiner Mutter nach Niederbayern umzog, früh erkennbar. Zugleich gab es jedoch Bedenken, dass er zu klein sein könnte, um seine technischen Fähigkeiten im Duell mit stämmigeren Verteidigern, die ihn nach wie vor mitunter um einen Kopf überragen, auszuspielen. Der 1,80 Meter große Kahun hat die Pessimisten eines Besseren belehrt: Mittlerweile verdient der 23-Jährige sein Geld als Mitglied des Starensembles der Chicago Blackhawks in der nordamerikanischen Profiliga NHL.

          In der Kabine ist er ein Sitznachbar von Kapitän Jonathan Toews, der als Weltmeister, Olympiasieger und Stanley-Cup-Champion eine Instanz verkörpert und aus seiner Anerkennung, wie der Neuling aus Good old Germany die Herausforderung meisterte, keinen Hehl macht. „Dominik hat sofort bei uns reingepasst. Er versucht, sich immer weiterzuentwickeln, und will jeden Tag besser werden. Das ist seine größte Qualität“, urteilte der Kanadier über den Deutschen, der auf ein Sportjahr zurückblickt, das ihn weiter reifen ließ. Wobei es nun darum geht, während der WM in der Slowakei zur Krönung vieler schöner Momente noch für ein paar Knalleffekte zu sorgen. Mit dem Nationalteam ist Kahun zumindest schon mal gut gestartet. Am Sonntag gelang nach dem 3:1-Auftaktsieg gegen Großbritannien auch im zweiten Spiel mit dem 2;1 gegen Dänemark der zweite Sieg in der Gruppe A. An diesem Dienstag (20.15 Uhr bei Sport1) geht es gegen Frankreich um den nächsten Erfolg.

          Schon beim Testspiel gegen die Vereinigten Staaten in Mannheim erfolgreich: Dominik Kahun will nun auch bei der WM Tore für Deutschland schießen.

          Für Toni Söderholm, der Anfang Januar als Bundestrainer begann, gehört Kahun zu den Fixpunkten in seinem taktischen System für die nach den Rücktritten einer Handvoll Olympia-Helden neu strukturierten Gruppe. Gemeinsam mit Leon Draisaitl (Edmonton Oilers) soll er in der Offensive des Weltranglistenachten für das gewisse Etwas sorgen. Das Duo, beide Jahrgang 1995, verbindet eine gemeinsame, prägende Vergangenheit. In der Nachwuchsakademie der Jungadler Mannheim schossen sie einst die U 18 des aktuellen Meisters im Gleichschritt zum Titel: Kahun brachte es auf 57 Punkte in den 36 Einsätzen, Draisaitl auf einen weniger.

          Während sich sein Spezi beim anschließenden Wechsel nach Übersee rasch akklimatisierte, kehrte Kahun vorübergehend zum EHC Red Bull München zurück, ehe er beim Silbermedaillen-Coup im Februar 2018 in Pyeongchang den Scouts ins Auge stach. Kahun legte seit seinem ersten Nordamerika-Intermezzo bei den Sudbury Wolves, als ihm die Verantwortlichen des Klubs bescheinigt hatten, sich zu zögerlich in den Zweikämpfen zu präsentieren und den direkten Körperkontakt zu scheuen, vor allem an Muskelkraft zu. „Er ist zwar klein, aber auch sehr schnell und beweglich“, pries Marco Sturm, der frühere Bundestrainer, den Blondschopf als vorbildlichen Teilchenbeschleuniger, „der Pässe spielen kann wie kaum ein Zweiter“.

          Im vorigen Sommer entschied sich der Stürmer für das Angebot aus Chicago – ein Arbeitsplatz, der für ihn Anerkennung wie Ansporn bedeutet: „Ich habe wirklich viel Arbeit in den Traum von der NHL gesteckt und einiges geopfert. Es ist eine Genugtuung, dass ich den vielen Zweiflern zeigen kann, was ich erreichen kann.“ In allen 82 Hauptrundenpartien der Blackhawks stand er auf dem Eis. 13 Tore, darunter ein spektakuläres beim Winter Game vor einem Millionenpublikum, und 24 Vorlagen verdeutlichen seinen Wert für das Team, für das es dennoch nicht zum Einzug in die Play-offs reichte. Nur deswegen konnte er von Söderholm nominiert werden.

          Er sieht Draisaitl und Kahun als Center der ersten und zweiten Sturmreihe. Gemeinsam bietet er sie bevorzugt auf, wenn im Powerplay die Chance besteht, durch Speed und Cleverness an der Scheibe den Freiraum in Überzahl auszunutzen. Söderholm besitzt klare Vorstellungen, was er von seinen Leuten in Kosice, wo sieben Spiele in elf Tagen zu bewältigen sind, sehen will: „Tempo ist wichtig. Und sie müssen sich untereinander so gut verstehen, dass sie anhand der Bewegungen herauslesen können, was gleich passiert. So, dass sie auch schon eine Sekunde vorher merken, wenn es nötig ist, sich einander zu helfen.“ Am Verständnis von Draisaitl und Kahun sollte es nicht scheitern.

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