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Briten bei der Eishockey-WM : Zurück im Kreis der Großen

  • -Aktualisiert am

Mit einem 3:2-Erfolg über Ungarn sicherte sich Großbritannien am 28. April 2018 den Aufstieg in die Topgruppe. Bild: Picture-Alliance

Nach 15 Jahren Abstinenz kehrt Großbritannien zurück in den Kreis der großen Eishockey-Nationen. Dort zu bestehen wird für den Auftaktgegner der deutschen Auswahl allerdings eine schwere Aufgabe.

          Vor knapp zwei Wochen haben sie noch mal an diesen Abend in Budapest erinnert. Pünktlich zum Jahrestag am 28. April lief das Video in den sozialen Netzwerken wieder rauf und runter. Das, auf dem Robert Farmer eines der wichtigsten Tore der britischen Eishockey-Geschichte erzielt. In der letzten Minute des letzten Spiels der B-WM 2018. 15 Sekunden vor Schluss rutschte der Puck ins Tor der Ungarn – 2:2. Der entscheidende Punkt. Gruppensieg. Aufstieg.

          Zum ersten Mal seit 1994 gehört Großbritannien zu den Topnationen. Das hat selbst in Fachkreisen für Verwunderung gesorgt. 2017 spielten die Briten noch bei der C-WM gegen semiprofessionelle Mannschaften aus Kroatien oder den Niederlanden. Doch zwei Aufstiege in Folge später starten sie jetzt ins A-Turnier. In der slowakischen Stadt Košice sind sie an diesem Samstag (16.15 Uhr bei Sport1 und DAZN) erster Gegner der deutschen Mannschaft. Schon ein Unentschieden wäre eine Sensation. Und wenn einem schon gegen ein Mittelklasseteam wie Deutschland nichts zugetraut wird, wie soll es dann erst gegen Kanada, die Vereinigten Staaten oder Finnland aussehen?

          Bange ist den Briten trotzdem nicht. „Wir wollen der Welt zeigen, dass Großbritannien Eishockey spielen kann und wir es verdient haben, hier zu sein“, sagt Verteidiger Ben O’Connor. Torwart Ben Bowns hat dafür einen Plan: „Wir müssen mit der Einstellung ins Turnier gehen, dass wir nicht nur da sind, um Spaß zu haben.“ Der Spaß dürfte sich ohnehin in Grenzen halten, so wie 1994 in Italien. Da stiegen die Briten gleich wieder ab – ohne Punkt und mit 7:44 Toren. Danach ging es zurück in die Niederungen der Eishockey-Welt.

          Dabei hat das Land durchaus eine Eishockey-Tradition. Der Legende nach waren es britische Soldaten, die Mitte des 19. Jahrhunderts in Kanada stationiert waren und Spiele mit Schlägern und Bällen auf dem Eis des zugefrorenen Hafenbeckens von Kingston veranstalteten. Daraus und aus anderen Spielen entstand später das Eishockey. 1908 zählte Großbritannien zu den vier Gründungsmitgliedern des Weltverbandes, 1936 in Garmisch waren die Briten sogar Olympiasieger. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging es aber bergab. Zwar blieb Eishockey in manchen Städten Thema. Doch die Nationalmannschaft fiel zurück, mehrere Ligen scheiterten. Erst der jüngste Versuch, die 2003 gegründete Elite Ice Hockey League, macht Hoffnung. Die EIHL ist stabil mit Teams in England, Schottland, Wales und Nordirland. Manche spielen in modernen Multifunktionshallen. Die Sheffield Steelers lockten diese Saison im Schnitt 6045 Fans an, mehr als Dynamo Moskau oder der EHC Red Bull München. Auch in Nottingham, Cardiff und Belfast gibt es gewachsene Strukturen. Das macht sich sportlich bemerkbar: In der Champions League schlugen britische Teams Gegner aus der Schweiz, aus Schweden oder Finnland.

          Den Ton geben meist Nordamerikaner an, die es in der Heimat nicht geschafft haben. Das galt lange auch für die britische Nationalmannschaft, doch es kommen immer mehr eigene Spieler nach. Der größte Stolz ist Liam Kirk aus Maltby vor den Toren von Sheffield. Der 19-Jährige wurde 2018 vom NHL-Klub Arizona Coyotes gedraftet, als erst dritter in Großbritannien ausgebildeter Spieler überhaupt. Den Sprung in die stärkste Liga der Welt hat noch keiner geschafft. Auch Kirks Weg ist weit, aber zumindest spielt er nun in Kanada. In der Juniorenliga OHL, in der er in dieser Saison 26 Tore schoss. Kirk ist in der Slowakei dabei. Dort, wo die Briten allen beweisen wollen, dass sie nicht zufällig wieder auf ihrem alten Platz am Tisch der Großen sitzen.

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