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Mitreißende Außenseiter : Wenn Teamgeist im Sport siegt

  • -Aktualisiert am

Zusammen stark: Finnland feiert den WM-Titel im Eishockey. Bild: EPA

Es scheint wie ein logischer Kreislauf: Die teuersten Spieler, die größten Stars, das meiste Geld – und schon ist der Erfolg programmiert. Wer das für übertrieben hält, muss nur auf die Fußball-Endspiele schauen in dieser Woche. Es geht aber auch anders.

          Mannschaftsgeist, das klingt ja schon nach Schwarzweißfernsehen und einer Zeit, die ganz weit zurück liegt: Wer braucht so etwas heute noch, wenn man sich doch auch in der Realität seine Mannschaft mitunter so zusammenstellt wie beim Videospiel, seinen Kader analysiert und sich dort, wo man Schwachstellen ausmacht, mit neuen, besseren Spieler eindeckt.

          Es scheint wie ein logischer Kreislauf: Die teuersten Spieler, die größten Stars, das meiste Geld – und schon ist der Erfolg programmiert. Wer das für übertrieben hält, muss nur auf den Fußball schauen in dieser Woche. Finale in der Europa League am Mittwoch, Finale in der Champions League am Samstag: alles englische Mannschaften. Wundert ja auch niemanden, wird doch in der Premier League das meiste Fernsehgeld ausgeschüttet. Und ergo ergibt sich dort auch die größte Erfolgswahrscheinlichkeit.

          Schön ist aber doch, dass es immer noch auch ganz anders möglich ist, dass plötzlich ein Außenseiter oben steht, dem absolut niemand etwas zugetraut hatte, der dann aber weit über sich hinausgewachsen ist. Die finnischen Eishockeyspieler traten bei der WM ohne die Stars aus der nordamerikanischen Profiliga NHL an, was vor Turnierbeginn in der Heimat für einigen Spott sorgte. Doch der „schlechteste Kader der WM-Geschichte“ wird nach dem sensationellen Titelgewinn nun allen Finnen auf ewig in Erinnerung bleiben.

          Und immer mit den Stichworten „Mannschaftsgeist“ und „Teamwork“ verbunden werden, egal, wie altbacken das auch in manchen Ohren klingen mag. Eine Mannschaft dieser Machart ist mehr als die simple Addition ihrer einzelnen Teile – das macht sie für alle Beobachter so besonders und auch unvergänglich. Wer das Finale als neutraler Zuschauer am Sonntag verfolgt hat, wird unweigerlich den Finnen die Daumen gedrückt haben, als sie sich in der Schlussphase aufopferungsvoll in jeden Schuss der Kanadier warfen.

          Außenseitersiege sind etwas ganz Besonderes, sie haben eine mitreißende Wirkung, die Erfolge der Favoriten niemals haben, auch wenn sie aller Ehren wert sind. Doch stolpert der Goliath, wird aus dem David ein Mythos. Der WM-Sieg der deutschen Fußball-Nationalmannschaft 1954 oder das „Miracle on ice“, als die amerikanischen College-Eishockeyspieler bei den Winterspielen 1980 in Lake Placid Gold gewannen und den Grundstein zu ihrem Olympiasieg mit dem aufsehenerregenden Erfolg über das als unschlagbar geltende russische Team legten, sind die besten Beispiele und die Mütter aller Außenseitersiege – und beide verfilmt worden.

          So weit werden es die finnischen Weltmeister zwar nicht schaffen, weil die politische Komponente und der besondere Zeitgeist als Beiwerk fehlen. Aber sie haben gezeigt, dass im Sport immer noch Platz ist für kleine wundersame Geschichten. Durchaus ein tröstlicher Gedanke.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

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