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Finnlands Eishockey-Star : Kaapo Kakko, der Hingucker

  • -Aktualisiert am

Hat das Zeug zum großen Eishockey-Spieler: Der Finne Kaapo Kakko trumpft bei der WM in der Slowakei auf. Bild: EPA

Er ist erst 18 Jahre jung und gilt schon jetzt als eines der größten Eishockey-Talente: Kaapo Kakko hat nicht nur einen klangvollen Namen, er weiß auch auf dem Eis zu überzeugen. Wie macht er das?

          Reden wollte er nicht. Da konnten die Reporter in der Interviewzone der Steel Arena von Košice seinen Namen ähnlich leidenschaftlich rufen wie zuvor die Fans auf der Tribüne. Kaapo Kakko ging weiter. Wortlos. Den Blick zu Boden gesenkt. Als würde er sich schämen, beim 3:0 gegen Frankreich kein Tor erzielt zu haben. Das war natürlich nicht der Grund, warum Finnlands neuester Eishockeystar am Sonntagabend stumm blieb. So ist er halt, aufregend auf dem Eis, schweigsam außerhalb – erst recht, wenn er auf Englisch reden soll. Da fühlt sich der 18-Jährige noch unsicher und lässt sich in Košice hin und wieder von einem Dolmetscher helfen.

          Also mussten wieder andere ran. Wie so oft bei dieser Eishockey-WM in der Slowakei, bei der selten mit, aber umso häufiger über Kaapo Kakko geredet wird. Weil er der Mann der ersten Turnierwoche war. Sechs Tore hat er bereits erzielt, eins schöner als das andere. Mal überläuft er seinen Gegner, mal schüttelt er ihn einfach ab, mal spielt er ihm den Puck durch die Beine.

          „Er ist einer der Hingucker“, findet Moritz Müller, „es gibt ja bei jedem Turnier ein, zwei Spieler, die die Aufmerksamkeit an sich reißen. Er ist so einer. Nicht umsonst wird er als einer der Besten seines Jahrgangs gehandelt, und man sieht jedes Spiel warum“, sagt der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft, die an diesem Dienstag (12.15 Uhr bei Sport1) im letzten Gruppenspiel auf die Finnen trifft. Und damit auf Kaapo Kakko. Auch NHL-Verteidiger Korbinian Holzer hat höchsten Respekt vor dem Teenager, der bald ebenfalls in Nordamerika spielen wird: „Was er bis jetzt gemacht hat, ist außergewöhnlich, man kann ihn nur als Einheit rausnehmen“, sagt Holzer, der es ähnlich machen will wie beim 1:3 am Sonntag gegen die Vereinigten Staaten: „Auch da haben wir den ein oder anderen guten Einzelspieler rausgenommen.“

          Einer, dem die Zukunft gehört? Mit Finnland will Kaapo Kakko bei der WM auftrumpfen.

          Dass ein 18-Jähriger mit den Millionenstars von „Team USA“ verglichen wird, zeigt, was für ein außergewöhnlicher Spieler Kakko ist. Seit Jahren steht sein Name in den Notizblöcken der Talentspäher, keins seiner Spiele in der finnischen Liga verging ohne NHL-Scouts auf der Tribüne. Beim Draft im Juni, bei dem die 31 NHL-Teams die größten Talente der Welt unter sich aufteilen, dürfte Kakko als einer der Ersten gewählt werden, vielleicht sogar vor der designierten Nummer eins Jack Hughes aus Florida. Zuletzt wurden die Stimmen lauter, die Kakko als besten Eishockeyspieler seines Jahrgangs sehen. Erst recht nach seinen Toren bei der WM. „Er kann aber nicht nur Tore schießen, er arbeitet auch defensiv“, sagte Jukka Jalonen am Sonntag, zu Beginn des Turniers war Finnlands Nationaltrainer regelrecht ins Schwärmen geraten: „Wenn er den Schläger auf dem Eis hat, ist nur der Himmel die Grenze.“

          Beeindruckend sind nicht nur Kakkos Fähigkeiten am Puck, es ist sein Körperspiel. Meist fehlt es jungen Talenten ja an Durchsetzungsvermögen, also suchen sie freie Räume, wie es der leichtfüßigere und elegantere Jack Hughes tut. Kakko, der erst Mitte Februar volljährig wurde, schmeißt sich dagegen ins Getümmel, weil er mit 1,87 Meter und 86 Kilogramm bereits aussieht wie ein Mann. „Das ist sein großer Vorteil“, sagt Moritz Müller, „beeindruckend, was in dem Alter schon möglich ist.“

          Da kann es weniger überraschen, dass Kakko längst bei den Profis seines Heimatvereins TPS Turku spielt. Und wie: Mit 22 Toren brach er den Rekord für unter 18-Jährige in der finnischen Liga. Auch früher war er seinen Altersgenossen stets voraus, mit 15 spielte er in der U 18, mit 16 debütierte er bei den Profis, mit 17 war er Stammkraft. Trotzdem wirkte er nie wie ein Teenager unter Männern, wenn er parallel für die U-18- oder die U-20-Nationalmannschaft auflief, wirkte er wie ein Mann unter Teenagern. In beiden Altersklassen wurde er Weltmeister, in beiden Endspielen traf er.

          Neben dem Vereinstraining in Turku hat er sich viel selbst beigebracht. Er verbrachte täglich Stunden auf einem Hartplatz hinter dem Haus seiner Eltern, schaute Youtube-Videos von seinen Idolen und ahmte sie nach. Mittlerweile schaut der Nachwuchs in aller Welt Videos von Kakko. Von der WM sind einige dazugekommen, bald dürfte es welche aus der NHL geben.

          Zwar gilt Jack Hughes weiterhin als Favorit auf den Nummer-eins-Pick im Draft, er würde dann zu den New Jersey Devils gehen, die als Erstes wählen dürfen. Doch danach sind die New York Rangers dran, und spätestens die werden Kakko ziehen. Die Rangers spielen im Madison Square Garden, der sich in aller Bescheidenheit „die berühmteste Arena der Welt“ nennt – die ideale Bühne für einen wie Kaapo Kakko.

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