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Eishockey-WM : Viertelfinale in Sichtweite

Ziemlich gelenkig, aber angeschlagen: Torwart Philipp Grubauer geht nach einer halben Stunde vorzeitig vom Eis. Bild: Peter Schatz

Dritter Sieg im dritten Spiel: Die deutsche Mannschaft löst bei der Eishockey-WM in der Slowakei mit dem 4:1 gegen Frankreich die nächste Pflichtaufgabe – und erspielt sich den Führungsplatz in der Vorrundengruppe.

          Die Veranstalter der Eishockey-Weltmeisterschaft haben sich ein bisschen was einfallen lassen, um das Rahmenprogramm in der Innenstadt von Kosice, wo ansonsten viele Baustellen von einigem Sanierungsbedarf zeugen, für die Gäste aus Nah und Fern attraktiv zu gestalten. Das Publikumsinteresse an dem Turnier ist groß, es kamen an den ersten Tagen bereits mehr als 70.000 Zuschauer. Doch weder das Penaltyschießen auf einem Plastik-Spielfeld noch Fotoshootings mit Pantomime-Künstlern, die in den Nationalfarben der teilnehmenden Länder geschminkt sind, erfreuen sich aktuell überbordender Beliebtheit.

          Was vor allem am Wetter liegt, das es momentan nicht sonderlich gut meint mit dem Osten der Slowakei. Windböen peitschen den Regen durch die Straßen und lassen die Fans zumeist den direkten Weg in die Steel-Arena wählen, wo sie bislang von den Hauptdarstellern dieser Titelkämpfe durchaus ansprechende Vorstellungen geboten bekommen.

          Der deutsche Unterhaltungsbeitrag am Dienstagabend fiel nicht ganz so sehenswert aus, doch er erfüllte seinen Zweck. Der Auswahl von Toni Söderholm gelang beim 4:1 (1:0, 2:1, 1:0) gegen Frankreich das nächste Achtungsergebnis: Es war der dritte Sieg im dritten Spiel. Mit neun Punkten läuft bislang alles nach Plan. Mit einem weiteren Sieg an diesem Mittwoch gegen die Auswahl der Heimmannschaft können Söderholm und seine Spieler ihr erstes WM-Ziel, das Erreichen des Viertelfinales, im Schnelldurchgang erreichen. Auch die Olympia-Qualifikation für Peking 2022 ist den Deutschen nur noch theoretisch zu nehmen.

          Der Führungstreffer in der 18. Minute

          Der Bundestrainer hatte für das Duell mit „Les Bleus“ seine Startformation an zwei Stellen verändert: Im Tor kam der erst am Sonntag aus den Vereinigten Staaten eingetroffene Philipp Grubauer von den Colorado Avalanche prompt zu seinem Debüt. Als Ersatz-Keeper hielt sich Niklas Treutle auf der Bank bereit – und der Nürnberger war nach einer halben Stunde urplötzlich tatsächlich gefordert, als Grubauer wegen muskulärer Probleme in die Kabine musste. Laut Sportdirektor Stefan Schaidnagel handelte es sich aber nur „um eine Vorsichtsmaßnahme“.

          In der ersten Angriffsreihe machten zudem erstmals Leon Draisaitl als Center und Dominik Kahun auf dem Flügel gemeinsame Sache. Dem Top-Stürmer der Edmonton Oilers und seinem Nebenmann von den Chicago Blackhawks war in Kombination mit dem Kölner Frederik Tiffels anzumerken, dass sie als Führungsfiguren vorangehen wollten, um Struktur in die Aktionen in der gegnerischen Hälfte zu bekommen. Kahun scheiterte bei einem Schlenzer an Hardy (10. Minute), Draisaitl traf Sekunden später ebenfalls nur die Beinschoner des Torhüters.

          Deutschlands Torhüter Philipp Grubauer (r) in Aktion.

          Konsequenter trat da das Top-Talent im schwarz-rot-goldenen Trikot auf: Der unlängst erst volljährig gewordene Moritz Seider erzielte die Führung (18.), wobei der Mannheimer Jungprofi die exakte Vorlage des Wolfsburgers Gerrit Fauser vollendete. Dass die Franzosen, die nach zwei Niederlagen gegen Dänemark und das „Team USA“ ihr Augenmerk auf den Kampf gegen den Abstieg richten, gewillt waren, sich in dem prestigeträchtigen Nachbarschaftsduell teuer zu verkaufen, bescherte der Abwehr der Deutschen Arbeit.

          Tabellenführer in der Vorrundengruppe

          Grubauer parierte im ersten Drittel, als er noch frei von Beschwerden wirkte, die Versuche von Treille, Perret und Leclerc. Im Mittelabschnitt aber sah er dann das Unheil nicht kommen. Ihm war die Sicht verdeckt, als Fleury aus der Distanz abzog und mit einem wuchtigen Schlagschuss den Puck zum Ausgleich ins Netz drosch (25.).

          Kurz darauf war für Grubauer vorzeitig Schluss. Die Kollegen wirkten vorübergehend irritiert, ehe sie den Druck wieder erhöhten. Mit Matthias Plachta traf ein weiterer Nationalspieler, der Ende April mit Mannheim Meister geworden war, zum 2:1 (34.). Draisaitl legte mit seinem zweiten WM-Tor nach und nahm die größte Spannung aus der Spannung raus (38.). Korbinian Holzer von den Anaheim Ducks setzte per Empty-Net-Goal den Schlusspunkt (60.).

          Die deutschen Anhänger im Stadion stimmten anschließend “Spitzenreiter“-Sprechchöre an, wohlwissend, dass die Mannschaft durch das aus ihrer Perspektive erfreuliche Resultat auf den ersten Platz in der Gruppe A geklettert ist: Vielversprechender hätte für sie die erste Weltmeisterschaft unter Söderholms Regie zumindest nicht beginnen können. Und das ist für die Stimmung immer gut: „Die Reihen finden sich, die Chemie stimmt“, sagte der Münchner Patrick Hager.

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