https://www.faz.net/-gtl-9mzye

Eishockey-WM : Coup auf dem Eis

Deutschlands Gerrit Fauser (links) und Slowakeis Mario Lunter kämpfen um den Puck. Bild: dpa

Auch ohne den verletzten Torwart Grubauer schlägt das deutsche Team WM-Gastgeber Slowakei 3:2 und hat das Viertelfinale so gut wie sicher.

          Die Voraussetzungen waren schwierig. Sie hatten keine 24 Stunden Zeit, um sich vom vorangegangenen Auftritt zu erholen, während der Gegner einen Tag mehr Ruhepause besaß. Auch stand mit Torwart Philipp Grubauer ein Mann nicht zur Verfügung, der den Worten des Bundestrainers zufolge zu den „Unterschiedsspielern“ zählt, die in kniffligen Situationen als Zünglein an der Waage vorgesehen sind. Darüber hinaus unterstützte die stimmgewaltige Mehrheit in der ausverkauften Steel-Arena das Heimteam mit Hingabe. Doch die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft meisterte auch diesen WM-Härtetest gegen das Team der Slowakei und gewann 3:2 (0:0, 1:2, 2:0).

          Am Ende eines abwechslungsreichen und von vielen intensiven Zweikämpfen gekennzeichneten Duells konnte die Auswahl von Toni Söderholm die nächsten drei Punkte auf dem Konto verbuchen. Ihre Ausbeute nach vier Vorrundenpartien übertrifft alle Erwartungen und hat es so zuletzt 1930 gegeben. Der Einzug ins Viertelfinale ist den Deutschen allenfalls theoretisch noch zu nehmen. „Das ist ein optimales Ergebnis“, sagte DEB-Präsident Franz Reindl. Er sprach vom „Glück des Tüchtigen“, das sich die Mannschaft mit „harter Arbeit“ verdient habe. 

          Söderholm bot mit Mathias Niederberger gegen die Slowaken den Keeper auf, der zu Turnierbeginn gegen Großbritannien (3:1) und Dänemark (2:1) seinen Vorderleuten ein sicherer Rückhalt war. Dann musste er weichen, als NHL-Profi Grubauer zur Verfügung stand, der aber nach nur dreißig Minuten beim Sieg gegen Frankreich (4:1) am Dienstag angeschlagen vom Eis ging. Die vage Hoffnung, dass sich über Nacht seine Beschwerden in Wohlgefallen auflösen würden, erfüllte sich nicht: Der 27-Jährige fällt bis auf weiteres aus. Er erlitt eine Unterkörperverletzung, die von offizieller Seite des Deutschen Eishockey-Bundes nicht präzisiert wird. Nach wie vor ist lediglich von „muskulären Problemen“ die Rede, nun werde von „Tag zu Tag“ geschaut.

          Bis zum Schluss spannend

          „Wir alle hoffen, dass es nichts Schlimmes ist“, sagte Kapitän Moritz Müller (Kölner Haie). Dem Vernehmen nach erlitt die Nummer eins der Colorado Avalanche eine Leistenverletzung. Klingt lapidar, ist auf dieser Position im Eishockey aber ein ernsthaftes Handicap, da ein Torwart seine Beine in Sekundenschnelle abspreizen können muss, um Schüsse zu parieren. Ob und wann er gegebenenfalls bei der WM, deren Vorrunde bis kommenden Dienstag läuft, wieder zur Verfügung stehen wird, blieb offen. „Ich bin kein Arzt“, sagte Söderholm.

          Der Coach hatte außerdem vorab die Parole ausgegeben, dass es darauf ankommen werde, so konsequent vorzugehen, „dass wir den slowakischen Fans keine Möglichkeit geben, laut zu werden“. Das klappte anfangs nicht vollständig, aber immerhin gab es für den Anhang des Weltranglistenzehnten im ersten Abschnitt keine Gelegenheit, einen Treffer zu bejubeln. Niederberger stand bei seiner Rückkehr schnell im Fokus und erledigte seinen Auftrag einwandfrei. Für Ludacek (2. Minute), Fehervary (3.) und Jaros (4.) gab es kein Vorbeikommen an dem Düsseldorfer, und auch Sekera (9.) konnte ihn nicht überlisten. Die Deutschen überstanden die slowakische Auftaktoffensive, in dem sie die Zone vor Niederberger verdichteten und keine Alleingänge auf den 26-Jährigen zuließen.

          Im zweiten Drittel ging es zunächst los wie zuvor beim Start in den Abend: Lunter und Hudacek prüften binnen Sekunden zweimal Niederberger Reaktionsschnelligkeit (21.), bei Buc (23.) stand wie später bei Panik (28.) der Pfosten im Weg. Wie es effektiver geht, demonstrierten danach die Deutschen. Marc Michaelis schloss einen Konter zur Führung ab: Der Flügelstürmer, der an der Minnesota State University Ökonomie studiert und dazu im Collegeteam seine Eishockey-Lehre absolviert, traf aus kurzer Distanz (24.). Ausgerechnet Korbinian Holzer von den Anaheim Ducks, einer der erfahrenen Cracks im Kader, tat der Mannschaft danach keinen Gefallen; der 31 Jahre alte Verteidiger zettelte in der hitziger werdenden Atmosphäre ein Handgemenge an und musste dafür auf die Strafbank. In Unterzahl schlugen die Slowaken sofort zu.

          Erst glich Sekera aus (29.), ehe Hudacek das 2:1 nachlegte (30.). Anschließend ging es in einem offenen Schlagabtausch bis zum Schluss spannend weiter. Die Deutschen, bei denen Moritz Seider nach einem Foul von Nagy in die Kabine geführt werden musste, mühten sich nach Kräften, der Partie noch eine Wende zu geben, und Markus Eisenschmid (58.) und Leon Draisaitl (60.) belohnten ihre Bemühungen mit Last-Minute-Toren zum 3:2. Nun bleibt dem Team ein wenig Zeit, durchzuatmen, bis zum Wochenende frische Energie zu tanken, um dann gegen Kanada und die Vereinigten Staaten bestehen zu können. Das wird wiederum schwierig, ist in der bisherigen Verfassung aber kein Ding der Unmöglichkeit.

          Die restlichen Partien im Überblick

          Deutschland - Slowakei 3:2 (0:0, 1:2, 1:0). - Tore: 1:0 Michaelis (23:54), 1:1 Sekera (28:30), 1:2 Hudacek (29:55), 2:2 Eisenschmid (58:08), 3:2 Draisaitl (59:33). - Schiedsrichter: Sidorenko/Frano (Weißrussland/Tschechien). - Zuschauer: 7440. - Strafminuten: Deutschland 8 plus Disziplinar (Holzer) - Slowakei 8 plus Disziplinar (Nagy) (SID)

             

          Russland - Italien 10:0 (4:0, 4:0, 2:0). - Tore: 1:0 Saizew (0:31), 2:0 Chafisullin (8:30), 3:0 Kusnezow (13:15), 4:0 Owetschkin (16:14), 5:0 Kusnezow (20:18), 6:0 Kowaltschuk (26:03), 7:0 Dadonow (33:41), 8:0 Grigorenko (36:25), 9:0 Kutscherow (44:52), 10:0 Dadonow (45:27). - Schiedsrichter: Kaukokari/Rantala (beide Finnland). - Zuschauer: 7535. - Strafminuten: Russland 4 - Italien 8  (SID)

             

          Schweiz - Norwegen 4:1 (1:0, 1:0, 2:1). - Tore: 1:0 Ambühl (5:30), 2:0 Hischier (20.34), 3:0 Hofmann (49:01), 4:0 Ambühl (56:02), 4:1 Lindström (58:04). - Schiedsrichter: Iverson/Tufts (Kanada/USA). - Zuschauer: 4673. - Strafminuten: Schweiz 10 - Norwegen 8 plus Disziplinar (Martinsen) plus Disziplinar (Bonsaksen) (SID)

             

          USA - Großbritannien 6:3 (1:1, 3:1, 2:1). - Tore: 1:0 van Riemsdyk (12:17), 1:1 Hammond (15:08), 2:1 Keller (29:07), 3:1 Kreider (31:20), 4:1 Debrincat (37:54), 4:2 Perlini (39:54), 5:2 Kane (41:00), 6:2 Ryan (49:10), 6:3 Davies (56:28). - Schiedsrichter: Björk/Nikolic (Schweden/Österreich). - Zuschauer: 5510. - Strafminuten: USA 0 - Großbritannien 10

          Weitere Themen

          Immer wieder Meister Video-Seite öffnen

          FC Bayern München : Immer wieder Meister

          Nach einem spannenden Finale heißt der Deutsche Meister zum 7. Mal in Folge: Bayern München. Somit hat das Team um Trainer Kovac die Chance, ihr selbst gesteckte Saisonziel zu erreichen.

          Topmeldungen

          Wie weiter mit dem Brexit? : Das britische System liegt in Trümmern

          Womöglich kann das britische Parlament einen „No Deal“ nach der Europawahl nicht mehr verhindern. Dann müsste die EU sich auch an die eigene Nase fassen – sie hat zur Polarisierung der Politik im Vereinigten Königreich beigetragen.

          Deutschland beim ESC : S!sters am Ende

          Der deutsche Beitrag beim ESC landet mal wieder auf einem der letzten Plätze. Was haben die S!sters falsch gemacht? Und warum suchen sie die Fehler bei anderen?

          Meister Bayern München : Der stille Abgang des Jérôme Boateng

          Die Bayern feiern – nur einer will nicht mitmachen. Jérôme Boateng ist nur eine Randfigur. Er verlässt das Stadion wortlos als erster Münchner. Bei der abendlichen Feier steht Boateng gar nicht mit der Mannschaft auf dem Balkon.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.