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Eishockey : Franz Reindl ist ein Mann für höhere Aufgaben

Mann mit sportpolitischen Ambitionen: Franz Reindl ist erfolgreicher Eishockey-Funktionär. Bild: dpa

Seit 2014 führt Franz Reindl den DEB. Die WM in der Slowakei, wo Deutschland am Abend gegen den Gastgeber spielt, nutzt der Bayer auch in eigener Sache.

          Mit Franz Reindl an der Spitze hat der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) Antworten auf Personalfragen gefunden, die dafür sorgten, dass die Männer-Nationalmannschaft, das sportliche Aushängeschild des Verbands, prosperiert. Mit Toni Söderholm präsentierte das von ihm seit 2014 geführte Präsidium einen neuen Bundestrainer, der seit Jahresanfang andeutet, dass er im Stande ist, das Aufbauwerk von Marco Sturm fortzusetzen. Obwohl der Finne bis dahin nie höherklassig hinter der Bande in der Verantwortung stand. Der in die NHL zu den Los Angeles abgewanderte Sturm war auf Betreiben Reindls trotz fehlender Meriten als Coach berufen worden.

          Es ist dem Tatendrang des heute Vierzigjährigen zuzuschreiben, dass die DEB-Auswahl nicht mehr als Punktelieferant zu Großereignissen fährt und nun bei den Weltmeisterschaften in der Slowakei am Abend (20.15 Uhr7 Sport 1) gegen den Gastgeber  die Serie von bislang drei Siegen fortsetzen will – was gleichbedeutend mit der endgültigen direkten Qualifikation für Olympia 2022 in Peking.

          Der spektakuläre Gewinn der Silbermedaille in Pyeongchang im vergangenen Winter bestätige Reindl in seinem Engagement: „Wir sind auf einem guten Weg“, sagte der Olympiadritte von 1976, „wir dürfen aber nicht aufhören, mehr zu machen als die anderen Nationen, wenn wir uns weiter verbessern wollen.“ Wie lange er noch den Kurs vorgibt, ist offen.

          Kandidat für Verbandsvorsitz

          An den WM-Spielorten Kosice und Bratislava, wo derzeit die Turniervorrunde parallel ausgetragen wird, ist der 64 Jahre alte Garmischer auch in eigener Sache im Einsatz. Er wird als aussichtsreicher Anwärter auf die Nachfolge von René Fasel gehandelt. Der Schweizer, seit einem Vierteljahrhundert erster Mann des Internationalen Eishockey-Verbandes (IIHF), kündigte an, 2020 nicht mehr zur Wiederwahl anzutreten. Unter Fasels Regie florierten die IIHF-Geschäfte; allein ein lukrativer Vermarktungsvertrag mit dem eidgenössischen Marketingunternehmen Infront, mit dem die Zusammenarbeit 2017 abermals verlängert wurde, garantiert bis Mitte 2023 Einnahmen von rund 170 Millionen Euro.

          Reindl sagte, er sei „von verschiedenen Personen angesprochen worden“, ob er sich den Wechsel in die IIHF-Zentrale nach Zürich vorstellen könne. Er betonte im Gespräch mit FAZ.NET, dass es noch zu früh sei, „sich festzulegen“. Er empfände es „als respektlos gegenüber René Fasel, bereits jetzt in die Öffentlichkeit zu gehen. Die Fußstapfen, die er hinterlässt, sind groß.“ Reindl will in den kommenden Tagen in der Slowakei „die Stimmung abchecken“. Dafür bietet sich die dreitägige IIHF-Versammlung in der kommenden Woche in Bratislava an: „Man muss hören, was die Verbände im Norden und Süden, Osten und Westen wollen, die NHL und die KHL, wie die Meinung bei den Asiaten ist.“

          Alles auf Angriff: Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft ist auch bei der WM selbstbewusst.

          Danach wolle er entscheiden, ob er seinen „Hut in den Ring“ wirft. Die Abstimmung beim Kongress 2020 wird nach dem Prinzip „Ein Land, eine Stimme“ stattfinden; das Votum der Großmächte aus Nordamerika, Russland, Schweden oder Tschechen besitzt im Kreis der 76 Mitglieder dann genauso viel Gewicht wie das der Abgesandten aus Entwicklungsregionen wie Belgien, Japan oder Südafrika.

          Neben Reindl werden vor allem dem Kanadier Bob Nicholson Chancen eingeräumt. Der 65-Jährige war in der Vergangenheit Präsident der gewichtigen Organisation „Hockey Canada“ und verfügt als ehemaliger CEO des NHL-Teams Edmonton Oilers über einflussreiche Kontakte.

          Als weitere Aspiranten gelten: Der Däne Henrik Bach Nielsen, der 2018 als Cheforganisator für eine stimmungsvolle WM in seinem Heimatland sorgte; der Tscheche Petr Briza, der als Torwart sieben Mal Weltmeister wurde und zwischenzeitlich den Klub Sparta Prag leitete, sowie der in Chemnitz geborene Sergej Gontscharow, der die weißrussische Staatsangehörigkeit besitzt, Sportmanagement in Freiburg studierte und bis zum Rückzug die Bewerbung der ukrainischen Stadt Lviv um Olympia 2022 koordinierte. Reindl sagte, er würde „nicht gegen jemanden kämpfen, sondern um das Amt“. In der Historie des Weltverbands gab es schon einen deutschen Präsidenten: Von 1975 bis 1994 führte der Düsseldorfer Günter Sabetzki die Geschicke.

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