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Eishockey-Trainer Söderholm : Nobody mit Strahlkraft

  • -Aktualisiert am

Der Mann an der Bande erreicht seine Spieler: Deutschlands Trainer Toni Söderholm Bild: dpa

Ein junger, kommunikativer Coach, der auf flache Hierarchien setzt und dem die Spieler folgen: der Erfolg des deutschen WM-Teams ist ein Erfolg des Mannes, der auf Toni Söderholm setzte.

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          Dieser Abend, an dem sie mit Erfolg den Partyschreck spielten, kann von wegweisender Bedeutung sein. In der Gunst der Mehrheit des Heimpublikums steht die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) nun unten. Dafür in der Tabelle ganz oben: Mit dem Last-Minute-Coup gegen das Team der Gastgeber haben sich ihre sportlichen Perspektiven bei der WM in der Slowakei erheblich verbessert.

          Eine Auftaktbilanz mit vier Siegen in vier Spielen gab es für die Nationalmannschaft im Kreis der erstklassigen Nationen seit 89 Jahren nicht. Und dank des Selbstvertrauens, das durch den historisch guten Start ins Turnier gewachsen ist, können Toni Söderholm und die Spieler mehr erreichen als den Viertelfinaleinzug, den sie sich ursprünglich zum Ziel gesetzt hatten. Alles, was jetzt noch kommt, sind Bonuspunkte, die das Debüt des neuen Bundestrainers zusätzlich schmücken.

          Es war eine mutige Entscheidung von Franz Reindl, den Nobody zum Chefcoach zu berufen. Sein Name war bis dahin nur Insidern der Sportart ein Begriff. Aber der DEB-Präsident besitzt ein Faible für Fachleute, die am Anfang ihrer Karriere hinter der Bande stehen und die Chance sehen, etwas bewegen zu können. Söderholm ist nach Marco Sturm der nächste ehemalige Spitzenprofi, der mit fundierter Arbeit dazu beiträgt, der Nationalmannschaft eine Siegermentalität zu vermitteln, mit der sich die Konkurrenz beeindrucken lässt. Der Finne ist erst 41 Jahre alt. Er hat mit manchen der Akteure, denen er heute die Richtung vorgibt, noch zusammen beim EHC Red Bull München den Meistertitel gewonnen.

          Mit seiner kommunikativen Art, seinem Hang zu flachen Hierarchien und dem Interesse an dem Menschen hinter dem Spieler sorgte er, der sich von seinen Mitstreitern duzen lässt, für ein Betriebsklima, das Anziehungskraft besitzt. Gleichzeitig lassen seine Vorgaben nichts an Klarheit vermissen, er nutzt akribisch die sportwissenschaftlichen Analysemethoden und ist ein knallharter Verfechter des Leistungsprinzips.

          Seine Art kommt an. Sämtliche NHL-Profis, die fit genug waren, um die zusätzlichen Strapazen auf sich zu nehmen, gaben ihm ihr Jawort. Zum Kader gehört darüber hinaus eine Vielzahl an Talenten, bei denen es nicht lange dauern dürfte, bis auch sie das Angebot erhalten, in Nordamerika den nächsten Karriereschritt zu wagen: Moritz Seider, Lean Bergmann oder Marcus Eisenschmid verkörpern eine neue Qualität im deutschen Eishockey, die auch auf die seit Reindls Amtsantritt 2014 strukturiertere Ausbildungsarbeit in den Nachwuchszentren zurückzuführen ist: Die Youngster verfügen über die nötigen läuferischen Fähigkeiten, besitzen eine formidable Stocktechnik und sind athletisch in der Lage, sich auf höchstem Niveau zu behaupten.

          Während der kommenden WM-Tage kann sie das hoch hinaus bringen. Und spätestens, wenn die Deutschen so weitermachen, und damit vielleicht auch die Gegner stoppen sollten, die den Slowaken den Einzug in die K.-o.-Runde zu vermasseln drohen, wird ihnen der Applaus der Zuschauer gewiss sein. Verdient haben sie ihn.

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