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Deutschland bei Eishockey-WM : Mit Courage nah am Coup

Eng umkämpft: Deutschland verliert bei der Eishockey-WM knapp gegen die Vereinigten Staaten. Bild: dpa

Gegen die Vereinigten Staaten müssen die deutschen Eishockey-Spieler ihre zweite Niederlage hinnehmen. Doch diesmal stimmt die Leistung. Nun will die Mannschaft schnell nach vorne blicken.

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          Als Yasin Ehliz abtrat, wusste er, dass die Partie ein Nachspiel haben wird. Zum ersten Mal bei dieser WM waren sie auf einen Gegner getroffen, gegen den die deutsche Nationalmannschaft nicht den Ansatz eines Mittels fand, um sich erfolgversprechend zu behaupten. In den drei Dritteln dominierten die Kanadier zumeist nach Belieben, so dass Ehliz die ungleichen Kräfteverhältnisse in der Arena von Kosice hinterher treffend auf den Punkt brachte: „Gefühlt haben wir fünf bis sechs Minuten mitgehalten“, sagte der Münchner Stürmer, der nach der 1:8-Niederlage auf dem Weg in die Kabine davon sprach, dass die folgende Analyse des Bundestrainers mit Sicherheit nichts an Klarheit vermissen lassen würde.

          Toni Söderholm trug der Erwartungshaltung Rechnung, aber er wählte dabei auch Worte, die von einer Führungskraft im Spitzensport nicht allzu oft zu hören sind. „Wir waren heute wirklich nicht gut genug“, sagte er zum einen und das „viele Kleinigkeiten falsch“ erledigt wurden. Doch dies sei nicht die Schuld des Teams gewesen, sondern seine: „Ich hätte sie besser einstellen müssen“, meinte der 41-Jährige, dem keine 24 Stunden blieben, um mit seinen Leuten die passenden Lehren zu ziehen, weil schon am Sonntag „gegen die USA alles besser sein muss“, wie der Chefcoach betonte.

          Der hohe Anspruch, den der Finne an sich hat und mit dem er in der Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) einen neuen Ton setzt, der von den Akteuren als ungewohnt, aber ausgesprochen motivierend wahrgenommen wird, führte zur gewünschten Reaktion, jedoch nicht zum angestrebten Ergebnis: Die Vereinigten Staaten setzen sich 3:1 (1:1, 0:0, 2:0) durch.

          Achtungssignal von Tiffels

          Der Kölner Frederik Tiffels gab ein Achtungssignal ab, als er kurz nach einem Überzahl-Powerplay die Scheibe in gegnerischen Zone behauptete und sie mit achtzig Kilometern pro Stunde an Keeper Cory Schneider vorbei ins Netz schoss (12. Minute). Die Deutschen wirkten vom ersten Bully an entschlossen, mit frischer Dynamik ihre Chance zu suchen. Die Unterstützung des Heim-Publikums war ihnen dabei gewiss, weil die Fans auf ihren Sieg hofften, der nötig gewesen wäre, damit die Slowaken das vorzeitige Turnier-Aus hätten abwenden können.

          Daraus wurde nichts. Nach dem Ausgleich durch James van Riemsdyk (14.), traf der Mannheimer Matthias Plachta die Latte (22.), während Ehliz das Timing beim Abschluss (25.) fehlte. Dylan Larkin machte es besser: Er schloss einen High-Speed-Konter mit dem 2:1 ab (51.), Jack Eichel beseitigte dann alle Zweifel (57.). „Für uns war es der erste große Schritt in die richtige Richtung, dass wir gegen die Großen mitspielen können“, sagte Korbinian Holzer anschließend. Auch Moritz Müller betonte die gute Reaktion auf die Kanada-Niederlage: „Wir haben das Spiel gestern begriffen. Das hat man auf dem Eis gesehen. Heute haben Kleinigkeiten gefehlt“, meinte der Kapitän.

          Olympia-Qualifikation erreicht

          Weil zuvor Dänemark in der Gruppe A gepatzt hatte und nicht mehr aufschließen kann, war das Zwischenziel der Deutschen, der Einzug ins Viertelfinale, schon zuvor erreicht. Durch das Weiterkommen wurde zudem das Ticket für die kommenden Olympischen Spiele gelöst: „Gerade im abgelaufenen Vier-Jahres-Zyklus haben wir gesehen, was eine Teilnahme bewirken kann“, erinnerte DEB-Sportdirektor Stefan Schaidnagel an „viele positive Effekte“ durch die Silbermedaille in Pyeongchang. Deshalb sei die Qualifikation für das Turnier 2022 „immens wichtig: Wir haben somit auf allen Ebenen Planungssicherheit“.

          In Kosice kann davon noch keine Rede sein. Klar ist nur, dass sich die Deutschen in der Runde der letzten acht Nationen mit Russland, Tschechien, Schweden oder der Schweiz messen müssen – allesamt Hochkaräter, deren aktuelles Format dem der Vereinigten Staaten mindestens ebenbürtig ist.

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