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Eishockey-WM : Sturms kniffliges Personalpuzzle

  • Aktualisiert am

Marco Sturm bei der Arbeit: Der Bundestrainer muss schwierige Entscheidungen treffen. Bild: dpa

Die ersten Tests sind gelungen – und dennoch wird es Umbauarbeiten im deutschen WM-Kader geben. Wie viele Plätze hält Bundestrainer Sturm noch für Nachrücker aus der NHL frei?

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          An einen entspannten Ruhetag nach dem bestandenen WM-Test gegen Tschechien war bei Marco Sturm und einem Großteil seiner Spieler nicht zu denken. Der Eishockey-Bundestrainer bastelte an seinem schwierigen Personal-Puzzle für die Weltmeisterschaft vom 5. bis 21. Mai, und die Profis warteten auf der heimischen Couch gespannt auf das Ergebnis. „Es ist keiner relaxed, bis eine Entscheidung gefallen ist“, sagte Stürmer Matthias Plachta.

          Da es auch in diesem Jahr bis auf den verletzten Kapitän Marcel Goc kaum nennenswerte Ausfälle gibt, hat Sturm ein Luxus-Problem. Selbst aus der NHL scheinen die Spieler Schlange zu stehen, um bei der Heim-WM dabei zu sein. „Ich habe erst heute wieder eine SMS von einem Spieler bekommen, die wollen ja. Die Jungs sind heiß“, berichtete Sturm über die vier noch in den NHL-Playoffs gebundenen Profis.

          Somit dürfte es kurzfristig Härtefälle geben, wenn Sturm seinen Kader vor den abschließenden Tests am Sonntag und Montag gegen Lettland noch einmal umbaut. Die Nervosität bei dem einen oder anderen Spieler dürfte am Montag noch größer geworden sein, nachdem Sturm im ZDF-„Morgenmagazin“ ankündigte: „Ich kann zwei oder drei oder sogar vier Plätze frei halten. Da muss man einfach mal schauen, was in Amerika so los ist.“ Soll heißen: Sturm setzt für die Vorrundenspiele in Köln auf weitere Verstärkung aus der NHL.

          Deutsche NHL-Profis treffen direkt aufeinander

          Im aktuellen WM-Kader steht in Tobias Rieder (Arizona) bereits ein Übersee-Profi, in Dennis Seidenberg und Thomas Greiss (beide New York Islanders) kommen in dieser Woche zwei weitere hinzu. „Die NHL-Spieler bringen Ruhe und Erfahrung ins Spiel“, sagte Sturm. Die übrigen vier deutschen Spieler Leon Draisaitl (Edmonton), Korbinian Holzer (Anaheim), Tom Kühnhackl (Pittsburgh) und Philipp Grubauer (Washington) sind noch in der zweiten Play-Off-Runde im Einsatz. Da Edmonton und Anaheim sowie Pittsburgh und Washington jeweils direkt aufeinandertreffen, stünde ein Duo frühestens vor dem WM-Start und spätestens am 10. Mai nach dem vierten WM-Spiel zur Verfügung.

          So heiß wie die NHL-Kollegen sind freilich auch die besten deutschen DEL-Profis. „Jeder hofft natürlich, dass er dabei ist“, erklärte Torwart Dennis Endras. Der WM-Held von 2010, der die DEB-Auswahl damals mit seinen Paraden sensationell ins Halbfinale führte und als wertvollster Spieler des Turniers ausgezeichnet wurde, wurde trotz einer starken Leistung bei der 3:4-Niederlage nach Penaltyschießen gegen Tschechien nicht nominiert. „Es hat für mich nicht gereicht. Fahre leider nicht zur WM. Bin natürlich sehr enttäuscht. Ich wünsche der Mannschaft viel Erfolg, und eine geile WM“, schrieb Endras auf seiner Facebook-Seite.

          Moritz Müller (r.) kämpft gegen den Tschechen Jan Kolar um den Puck. Im ersten Spiel gab’s gegen die Nachbarn noch einen 7:4-Erfolg, dann verlor das DEB-Team unglücklich im Penaltyschießen.
          Moritz Müller (r.) kämpft gegen den Tschechen Jan Kolar um den Puck. Im ersten Spiel gab’s gegen die Nachbarn noch einen 7:4-Erfolg, dann verlor das DEB-Team unglücklich im Penaltyschießen. : Bild: dpa

          Stammkeeper bei der WM wird auf jeden Fall Greiss sein, dahinter ist alles offen. Neben Timo Pielmeier hoffen auch Danny Aus den Birken vom Meister EHC Red Bull München und Felix Brückmann vom Vizemeister Grizzlys Wolfsburg auf ein WM-Ticket. „Das wird die schwierigste Entscheidung“, erklärte Sturm. Auf Endras zu verzichten, ist eine mutige Entscheidung, möglicherweise war sie aber unumgänglich, wenn NHL-Goalie Grubauer von den Capitals tatsächlich noch nachrücken würde.

          Am Montag führte der Bundestrainer deshalb einige Telefonate. Am Dienstag will er seinen Kader für die letzten Tests bekanntgeben, in dem dann auch erstmals Spieler aus den beiden deutschen Topvereinen München und Wolfsburg stehen werden. Unabhängig vom Personal formulierte Sturm einen klaren Auftrag an das Team: „Wir müssen uns auf allen Gebieten noch steigern, aber vor allem beim Über- und Unterzahl besser werden. Darauf legen wir den Fokus bis zur WM.“

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