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Eishockey-WM : Der Russe fürchtet nicht den Wolf und Boris Mikhailov nicht Deutschland

  • -Aktualisiert am

Hat er es drauf? Russlands Coach Boris Mikhailov Bild: AP

Eine Vormachtstellung im Eishockey hat Russland nicht mehr. Seit sieben Jahren ist das einstige Ausnahmeteam nicht mehr unter den besten Drei einer WM gewesen. Die Gründe?

          Selbstbewusstsein sieht anders aus. Alexander Golts saß auf dem Podium im Presseraum, um Fragen zu beantworten. Blass das Gesicht, mürrisch die Miene, kurz die Antworten. Nichtssagende Worthülsen, die ein dicker Dolmetscher an seiner Seite vom Russischen ins Englische übertrug.

          Dabei hätte Alexander Golts auch Deutsch sprechen können, schließlich hat er schon 1996 und ein zweites Mal in der Saison 1999/2000 für den deutschen Altmeister EV Füssen gespielt. Doch der 29-Jährige, dessen Familie deutsche Wurzeln hat und dessen Vater mit seinen Brüdern in Andernach wohnt, sah dieses Nachspiel als so unnötig an wie die zuvor erlittene Niederlage. Nach der 1:5-Pleite gegen Kanada in der Vorrunde hat auch das 3:4 gegen den Weltmeister Tschechien die Russen in der Zwischenrunde tief getroffen.

          Schweigen ist Gold - auch für Alexander Golts

          Über Fehler und Versäumnisse wird in Russland lieber geschwiegen als geredet - diese Gepflogenheit gilt in dem Land früher wie heute. Und Alexander Golts macht da keine Ausnahme: Er sprach vom guten Spiel, guten Chancen und Teamgeist - trotz schlechten Resultats. Besser wäre es, diese Worte auf seine persönliche Situation zu beziehen.

          Ein bisschen hilflos: Russlands Torwart Maxim Sokolov

          Denn Alexander Golts, den die Fans im Allgäu als Alexander Holz kennen, hat vor einigen Monaten nicht davon geträumt, erst mit Metallurg Magnitogorsk russischer Meister, bester Torschütze seiner Mannschaft und Spätberufener der „Sbornaja“ zu werden. „In Füssen habe ich Selbstvertrauen bekommen“, sagt er, obgleich das nach Niederlagen auch bei ihm ein bisschen anders ausschaut. Russlands Trainer Boris Mikhailov reicht in diesen Situationen zumeist ein mürrischer Satz, um den fahrlässigen Verlust beider Punkte zu erläutern. „Die Torhüter haben das Spiel entschieden“, analysierte er etwa nach der Panne gegen Tschechien.

          WM-Pleite wirkt nach

          Der Mann mit der dunklen Sonnenbrille am Rande der Bande muss da nicht genau hingeguckt haben. Denn gerade im Vergleich mit den Topteams wiederholen sich alte Mängel, die im Vorjahr zu einer der peinlichsten Platzierungen der letzten Jahrzehnte geführt hat: Rang elf bei der WM in St. Petersburg.

          Noch immer sind sie läuferische Extraklasse, noch immer kennzeichnet höchstes Tempo ihre Aktionen, noch immer stehen mitgereiste Fans lautstark und freudetrunken auf den Tribünen. Aber die technische Brillanz im Umgang mit Stock und Puck ist ihnen irgendwie abhanden gekommen. Dazu die Kaltschnäuzigkeit vor dem gegnerischen Tor, die Cleverness in Überzahlsituationen. Kurzum: Es kriselt in Russland auch in Sachen Eishockey.

          Selbst gegen die Schweiz quälte sich die „Sbornaja“ mehr schlecht als recht zu einem 2:1-Sieg. In noch zu schlechter Erinnerung muss die peinliche Pleite bei der WM im eigenen Land gegen die Eidgenossen gewesen sein, obwohl seit dem Traum von St. Petersburg sowohl der Trainer als auch die meisten Teammitglieder ausgetauscht worden sind.

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