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Eishockey-WM : Carepaket aus Übersee für Hans Zach

  • -Aktualisiert am

Jetzt für Deutschland: Olaf Kölzig Bild: dpa

„Bad news are good news“: In der NHL sind Kölzig und Sturm ausgeschieden, bei der WM dürfen sie deshalb für Deutschland spielen.

          3 Min.

          Eigentlich wollten sie im Juni den begehrten Stanley Cup küssen. Aus der Traum. Nach Stürmer Marco Sturm (San Jose Sharks) scheiterte auch Keeper Olaf Kölzig mit den Washington Capitals in der ersten Playoff-Runde der amerikanischen Profi-Eishockeyliga.

          Die gute Nachricht für Bundestrainer Hans Zach: Die beiden NHL-Stars brennen nach den Pleiten mit ihren Vereinsteams auf ein Erfolgserlebnis bei der WM.

          Titeltraum platzte in der Overtime

          „Godzilla" lag rücklinks auf dem Eis und blickte entsetzt ins Netz. Dort zappelte der Puck, die rote Torlampe leuchtete und als akustische Bestätigung heulte die Sirene. Für die Washington Capitals eine Trauermelodie. Das dramatische Ende eines wahren Thrillers im Igloo von Pittsburgh kam in der Verlängerung, als Martin Straka Washingtons Sergei Gonschar den Puck abjagte, allein auf Torwart Olaf Kölzig zusteuerte und die schwarze Scheibe im Toreck versenkte.

          Kann Hilfe gebrauchen: die DEB-Auswahl

          4:3 - der Sieg im sechsten Duell bedeutete gleichzeitig die endgültige Entscheidung in der Playoffserie (Modus „Best of seven“) zu Gunsten der Penguins um ihren spielenden Teambesitzer Mario Lemieux. Während um ihn herum die gegnerischen Cracks Freudentänze aufführten, blieb Kölzig für Sekunden regungslos auf dem Eis liegen. Das bittere Aus im Titelrennen schmerzte, zumal sich die Capitols Chancen auf den Titelgewinn ausgerechnet hatten.

          Sturm freut sich auf WM in der Heimat

          Das Ende von Washingtons Playoff-Vorstellung ist aber eine glänzende Botschaft für alle deutschen Eishockey-Fans. Denn wenn die DEB-Auswahl am Samstag in der Kölnarena gegen die Schweiz in ein ungewisses WM-Abenteuer startet, kann sie nach Stürmerstar Marco Sturm nun auch auf „Olie the Goalie" zurückgreifen. Ein Hoffnungsschimmer am düsteren deutschen Eishockey-Horizont.

          „Ich freue mich auf die WM. Sie ist schließlich in der Heimat, und da will ich selbstverständlich spielen", meinte Marco Sturm, dessen San Jose Sharks von Jochen Hechts St. Louis Blues aus dem Playoff-Rennen geworfen wurden. Es war die Revanche für die überraschende Pleite im vergangenen Jahr, als die Haie den großen Titelfavoriten St. Louis packten und danach vor lauter Freude den Blues sangen.

          Sturm war im Grunde „nicht sauer" über das Ausscheiden, weil die Playoffs ein Spiegelbild der Saison mit vielen Verletzten gewesen waren. „Nach dem Playoff-Aus habe ich jetzt mit der Weltmeisterschaft ein neues Ziel vor Augen", erklärte der aus Dingolfing stammende Torjäger, der in der abgelaufenen Saison der National Hockey League 81 Partien bestritten hatte und auf insgesamt 32 Scorerpunkte (14 Tore, 18 Assists) gekommen war. Sturm war im „Großen und Ganzen" mit der Punktrunde zufrieden, in der er eine weitere Leistungssteigerung gezeigt und neues Selbstvertrauen gesammelt hatte.

          Kölzig: Paraden für Deutschland

          Gleiches gilt für Olaf Kölzig, den großen Rückhalt der Washington Capitals. Und das nicht nur, weil der Riese 1,90 Meter misst. Seine Reflexe sind enorm, und daher wird der frisch gebackene Familienvater mit Lob auch überschüttet. „Olie kann Unglaubliches vollbringen", meinte Stürmerstar Peter Bondra. „Er hat schon jede Menge Spiele im Alleingang gewonnen."

          Solche Heldentaten wünscht sich auch Bundestrainer Hans Zach von dem in Südafrika geborenen Torhüter, der am Donnerstag ebenso wie Sturm im Trainingscamp der deutschen Nationalmannschaft erwartet wird. Die wertvolle Fracht kommt nach den Testspielpleiten der DEB-Auswahl wie gerufen.

          Doch gleichwohl ist es ein überraschendes Geschenk aus Übersee. Denn noch im Januar hatte es nicht danach ausgesehen, als ob deutschen NHL-Legionäre bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land auflaufen würden. Der einfache Grund: Ihre Klubs spielten zu gut und schienen für einen langen Playoff-Kampf gerüstet. Für Wochen führten die Klubs des deutschen Quartetts mit Sturm, Kölzig, Hecht und Sascha Goc (New Jersey Devils) ihre jeweiligen Divisionen an, um dann in ein rätselhaftes Leistungstief zu fallen.

          Hecht ist Hoffnungsträger: in der NHL

          Da Sturms Sharks und Kölzigs Capitols bereits Ferien haben und Sascha Goc nach einer Knie-Arthroskopie seinen Stammplatz in New Jersey verlor, ruhen die deutschen Playoff-Hoffnungen in der besten Liga der Welt jetzt nur noch auf einem tollen (Jochen) Hecht. Der ehemalige Mannheimer ist in glänzender Verfassung und brachte es in 72 Saisonspielen auf 44 Scorerpunkte (19 Tore, 25 Assists).

          Zum Playoff-Erfolg in der ersten Runde gegen die Sharks steuerte der „Joker" ein Tor und zwei Vorlagen bei. „Wir hatten uns geschworen, nicht noch einmal so früh wie im vergangenen Jahr in den Urlaub zu gehen", sagte Hecht, dessen leistungsstarkes Team noch eine Weile bei den Playoffs dabei sein dürfte.

          Damit fehlt der Torjäger dem deutschen Team bei der WM ebenso wie David Aebischer in der Schweizer Auswahl. Der Goalie ist hinter dem legendären Patrick Roy die Nummer zwei bei den Colorado Avalanche, dem Top-Favoriten auf den Gewinnn des Stanley Cups. Die NHL kann eben nicht alle Wünsche nach Eishockey-Carepaketen erfüllen.

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