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Eishockey-Nationalteam : Kühnhackl findet den Weg nach Olympia

Der entscheidende Mann: Tom Kühnhackl Bild: dpa

Der Siegtreffer des Stanley-Cup-Gewinners zum 3:2 über Lettland sichert den deutschen Eishockeyspielern die Teilnahme an den Winterspielen 2018.

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          Auftrag ausgeführt. Marco Sturm, der angetreten ist, um als Pannenhelfer die Betriebsunfälle in der jüngeren deutschen Eishockey-Historie zu reparieren, hat in seiner noch jungen Karriere als Bundestrainer den nächsten Erfolg vorzuweisen: Das Nationalteam ist 2018 wieder bei den Olympischen Spielen dabei. Am Sonntag gewann Sturms Auswahl in Riga das Qualifikationsturnier und sicherte sich somit einen Startplatz in Pyeongchang. Im abschließenden Spiel bezwangen die Deutschen auch Lettland 3:2 (2:0, 0:1, 1:1). Es war der dritte Sieg in diesem Vier-Nationen-Wettstreit, bei dem sie sich zuvor schon überlegen gegen Japan und Österreich durchgesetzt hatten. Stanley-Cup-Champion Tom Kühnhackl sorgte mit seinem Tor fünf Minuten vor dem Ende im Powerplay für die Entscheidung.

          Die Freude war nach der Schlusssirene groß im Lager des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB), der mit seinen Männern zuletzt die Teilnahmen an den Winterspielen in Sotschi verpasst hatte. Franz Reindl, der DEB-Präsident, sprach von einem „richtungsweisenden“ Resultat, dessen Bedeutung „nicht hoch genug“ zu bewerten sei: „Es fällt viel Druck von uns ab.“ Das Mitwirken in Südkorea sichere mediale Präsenz, Fördergelder des Bundesinnenministeriums und erleichtere die Verhandlungen mit Sponsoren. Sechs Monate vor der Heim-Weltmeisterschaft in Köln sei für „weiteren Rückenwind“ gesorgt. Sturm sagte, die Art und Weise, wie sich das Team durchgesetzt habe, erfülle ihn „mit Stolz“. Sein Vertrag verlängert sich durch das Glückserlebnis um ein Jahr bis Juni 2018.

          Die Deutschen trafen am Sonntag auf einen Gegner, der – gemessen an den Umständen – einen ausgesprochen widerstandsfähigen Eindruck abgab und ihnen alles abverlangte. Die Vorbereitung der Letten auf das Turnier verlief alles andere als reibungslos; erst zu Beginn der Woche war Trainer Leonids Beresnevs zurückgetreten. Verbandschef Kirovs Lipmans begründete die überraschende Trennung mit grundsätzlichen Meinungsverschiedenheiten, der geschasste Coach brachte in seiner Begründung hingegen das Argument vor, nicht wie vereinbart bezahlt worden zu sein. Kurzfristig sprang Haralds Vasiljevs hinter der Bande ein. Dem 64-Jährigen, der auch in der Deutschen Eishockey Liga durch seine wiederholten Tätigkeiten in Krefeld kein Unbekannter ist und dessen Sohn Herbert nach wie vor für die Pinguine stürmt, blieben nicht viele Gelegenheiten, sich mit dem Kader vertraut zu machen; die Spieler, die größtenteils in der russischen Kontinental Hockey League beschäftigt sind, durften erst am Dienstag zur Vorbereitung anreisen. Ihre Vereine hatten ihnen, als Folge der auch sportpolitisch angespannten Beziehungen der beiden Nachbarn, eine frühere Freigabe verweigert. Die fehlende Abstimmung der vier Reihen versuchten die einzelnen Akteure immer wieder durch individuelle Aktionen wettzumachen. Was beinahe zum Ziel geführt hätte.

          Das DEB-Team konnte sich dagegen für seine Verhältnisse ungewöhnlich umfangreich auf die bedeutende Aufgabe einstimmen und auch an diesem Abend vollzählig auf die Unterstützung ihrer sieben NHL-Cracks zählen, von denen sich insbesondere Leon Draisaitl (Edmonton Oilers) als cleverer Offensiv-Leader hervortat. Er und seine Nebenleute hatten zunächst einige Momente zu überstehen, doch sowohl Arvids Rekis (8. Minute) als auch Ronalds Kenins (14.) schoben die Scheibe knapp vorbei. Mit Konsequenz in den Zweikämpfen erarbeitete sich Sturms Männer zunehmend ein spielerisches Übergewicht. Draisaitl erzielte für sie noch vor der ersten Pause mit gutem Auge und viel Gefühl am Schläger aus spitzem Winkel das 1:0 (17.). Und auch der nächste Abschnitt begann nach Maß: Felix Schütz baute den Vorsprung aus (25.). Aber die Letten gaben sich nicht ohne weiteres geschlagen. Vasiljevs nahm einen Torwarttausch vor, brachte Gudlevskis für Merzlikins, ordnete konsequenteres Forechecking an und nahm dem Auftritt der Deutschen damit die Dominanz. Miks Indrasis sorgte mit seinem Treffer (35.) für Spannung, die das letzte Drittel zu einem Nervenspiel werden ließ. Die Letten glichen durch Martins Kasums (47.) zunächst aus, aber die Deutschen schlugen in Person von Kühnhackl mit eiskalter Effizienz zurück.

          „Besser geht es fast nicht“, urteilte der Landshuter in Diensten der Pittsburgh Penguins später zufrieden. So wurde es in der Arena, in der 9000 einheimische Besucher lange für ein ohrenbetäubendes Spektakel gesorgt hatten, mit einem Schlag deutlich leiser. Stattdessen sang nur noch der Block, in dem die Anhänger in schwarz-rot-goldener Fan-Kluft unter dem Dach standen. Kurz nach dem Abpfiff stimmten dann auch die deutschen Nationalspieler in der Kabine einen Jubelchor an und fügten dadurch ihrem Feier-Abend in Riga noch eine letzte persönliche Note hinzu.

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