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Eishockey : Schiri-Schelte aus München und Mannheim

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Nicht zu stoppen: Mannheims Jean-Francois Jomphe Bild: dpa

Zwei Spiele sind gespielt in der DEL- Finalserie 2001, beide Male gewann die Heimmannschaft mit 4:1 und beide Male war das Auswärtsteam mit dem Schiedsrichter unzufrieden.

          Stefan Trainer heißt der Mann, ist mit 33 Jahren der jüngste Referee, der jemals ein Eishockey-Finale leiten durfte und offenbar mittendrin in einem Lernprozess - meinen zumindest die Adler Mannheim und München Barons.

          „Durch die ständigen Über- und Unterzahlsituationen können wir ja gar nicht alle Spieler in die Partie bringen“, klagte Münchens Kapitän Simon Wheeldon, der einer der Cracks ist, die in den Spezialdisziplinen Powerplay und Penalty-Killing gefordert sind und deshalb öfter auf dem Eis stehen, als andere Kollegen.

          Tore fast nur bei Überzahl

          Schiri-Schelte mag das einfachste Mittel sein, eine Niederlage zu erklären. Dass in diesem Falle aber auch die Sieger schimpften, gibt zu denken. Gleich drei der zehn Endspieltore fielen bei doppelter Überzahl einer der beiden Mannschaften, drei weitere bei einfacher. Das ist ein Novum für Finals.

          So waren auch die beiden ersten Finalspiele weit davon entfernt, sich den Begriff „Spektakel“ zu verdienen. Was aber nicht ausschließlich am Schiedsrichter, sondern auch der eher defensiven Spielweise beider Teams lag.

          Es fehlt der Reiz des Neuen

          Nach 120 Minuten Finale beschleicht den Beobachter das Gefühl: „Irgend etwas fehlt in diesem Jahr.“ Nur was? Ist es der Reiz des Neuen, den Liga- Neuling München Barons vergangenes Jahr der DEL versprühte? Dieser Vergleich des Retorten-Teams gegen die Eishockey- Hochburg Köln? Vielleicht. Wobei auch der diesjährige Final-Gegner Adler Mannheim zu den etablierten Klubs mit Tradition gehört. Zudem als Meister Vorgänger der Barons war und zwar dreifacher.

          Aber die Gegner der Barons haben gelernt, dass man die Münchner nur schlagen kann, wenn man noch disziplinierter und fehlerfreier spielt, als die bayrische Erfolgsmaschine. „Es ist schwer, dem Champion etwas abzunehmen, was ihm gehört“, hat Adler-Coach Bill Stewart erkannt und seinem Team, das über ein gewaltiges Offensiv-Potenzial verfügt, die Geduldsstrategie nahegelegt.

          Business as usual

          Dem Finale 2001 geht auch der Überraschungseffekt ab. Der Nobody, der plötzlich zum Helden wird. Johan Rosen, der 1,90 Meter große, 100 Kilo schwere Schwede, der mit seinem roten Bart an Halvar von Flaake aus der Zeichentrickserie „Wickie“ erinnert, hat vergangene Saison acht Tore auf dem Weg zum Titel erzielt, diesmal in den Play- Offs aber noch gar nicht getroffen.

          Tore schießen diejenigen, die das schon im Lauf der Saison getan haben. Mannheims Jan Alston und Devin Edgerton, das beste Sturmduo der Liga auf der einen Seite, Rick Girard und Mike Kennedy auf der anderen. Business as usual.
          Auch manch spannende Frage des Vorjahres stellt sich diesmal (noch) nicht.

          Wenig Parallelen zu den Finals im Vorjahr

          Beispielsweise die, ob sich sich die Rauhbeine Brent Severyn (München) und Sergio Momesso (Köln) einen Schwergewichtskampf der NHL- Veteranen liefern würden oder welcher der beiden Kölner- Keeper Verner und Heiss als nächster einen dicken Patzer abliefert. So sucht Adler Haudrauf Mike Stevens vergebens einen Kampf- Partner in Reihen der disziplinierten Münchner und auch die beiden Torhüter Rosati und Rousson verrichten bislang in überzeugender Manier ihre Arbeit.

          Wenig Parallelen also zur sehenswerten Finalserie 2000. Oder doch? Das dritte Finalspiel am morgigen Mittwoch leitet wie im Vorjahr Gerhard Müller, ein Schiedsrichter, dem ebenfalls der Hang zur Kleinlichkeit nachgesagt wird.

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