https://www.faz.net/-gtl-38xq

Eishockey : Revier-Löwen vor ungewisser Zukunft

  • -Aktualisiert am

Umstrittenes Eis in der Arena Bild: revierlöwen.com

Sie wechselten als erster DEL-Klub den Standort, sie spielten als erster Klub in einer modernen Arena. Und doch sind die Revier-Löwen Oberhausen der größten Wackelkandidaten der Liga.

          Sie waren der erste Klub, der in der DEL den Standort wechselte. Sie waren auch der erste, der in einer neuen Multifunktions-Arena antreten konnte. Und doch sind die Revier-Löwen Oberhausen alle Jahre wieder einer der größten Wackelkandidaten der Liga.

          Obwohl die vergangene Saison sportlich überragend lief, fast alle Heimspiele und damit viele neue Zuschauer gewonnen wurden und auch in dieser Saison die erneute Playoff-Teilnahme möglich ist, ist die Zukunft der Revier-Löwen ungewiss. Grund ist der immer noch nicht unterzeichnete Nutzungsvertrag zwischen Ogden Entertainment, dem Besitzer der Arena im Centro in Oberhausen und den Revier-Löwen.

          Nächste Saison unsicher

          Seit Jahren liegen die Geschäftspartner man im Clinch. Der Klub fühlt sich vom Hallenbesitzer stiefmütterlich behandelt, weil die Hallenmiete "exorbitant hoch" sei. Dazu sind die klassischen Heimspieltermine am Freitag und Sonntag häufig durch andere Veranstaltungen belegt, so dass der Klub auf den wenig Zuschauer- und damit einnahmeunfreundlichen Dienstag ausweichen muss.

          Vergangene Saison mussten sogar Heimspiele nach Duisburg und Gelsenkirchen verlegt werden. Der Betreiber hingegen spricht von einer Miete, "die schon an der unteren Grenze liegt." Derzeit wird kräftig verhandelt, wobei beide Seiten die Muskeln spielen lassen. "Wenn uns die Arena nicht entgegenkommt, gerade auch bei Einnahmen aus dem Catering-Bereich, wird es die Revier-Löwen in der DEL nächste Saison nicht geben", sagt Stefan Dittmann, der Manager des Eishockey-Unternehmens.

          Fehlstart nach Umzug

          Noch im Sommer waren ungeklärte Details und fehlende Zusagen des Betreibers der Grund dafür, dass die DEL den Revier-Löwen die Lizenz in erster Instanz verweigerte. Erst mit Verzögerung bekam Oberhausen Grünes Licht. Nichts neues für den Klub, auf den der berühmte Spruch von den totgesagten, denen dann doch ein längeres Leben beschieden ist, so gut zutrifft wie auf kaum einen anderen.

          Schon in ihrer ersten Saison, nachdem sie 1997 aus Ratingen in die Arena im Centro in Oberhausen umgezogen waren, schienen sie dem Kollaps nah. Stars wie Torwart Marc Seliger oder NHL-Legende Bob Sweeney wurden verpflichtet, ein Top-Team zusammengestellt. Das brachte keine Top-Leistungen, so dass die Zuschauerzahlen ebenso wie die Sponsoreneinnahmen hinter den Erwartungen zurück blieben. Der Ausverkauf begann und die Saison endete auf dem letzten Platz.

          Keine Ruhe im Ruhrpott

          Den wiederholte der Klub ein Jahr später, was trotzdem als Erfolg gefeiert wurde. Schließlich starteten die Löwen mit 750.000 Euro Schulden aus der ersten Saison in die Spielzeit und hatte erst spät die Lizenz erhalten. Überleben hieß das Zauberwort. Der sportliche Aufschwung ließ auf sich warten. Mitte der Saison 1999/00 drohte der Hattrick als Letzter. Mit der Verpflichtung von Trainer Gunnar Leidborg und Glücksgriffen, wie Torwart Sinuhe Wallinheimo, begann eine furiose Aufholjagd, die immerhin auf dem vorletzten Platz endete.

          Schwung, den die Oberhausener in die vergangene Spielzeit mitnahmen, in der man wie erwähnt überraschend die Playoff Runde erreichte. Für Ruhe im Ruhrpott sorgten aber selbst die Sensationssiege nicht. In der Endrunde sorgte Hauptgesellschafter Helmut Guth für ein Novum: Erfolgstrainer Leidborg, der vor einem Wechsel zu den Berlin Capitals stand, wurde nach dem ersten Playoff-Spiel entlassen, weil er "nicht mehr mit dem Herzen dabei" wäre. Kurzerhand wurde Spieler Peter Draisaitl als Chefcoach installiert, der das Aus gegen München nicht verhindern konnte. Der 146-fache Nationalspieler spielte auch in dieser Saison mit seinem Team eine gute Rolle, seinen Job hat der 37-Jährige dennoch nicht mehr.

          Ausgaben im Überschwang

          Nach wochenlangem Hin- und her wurde er von Manager Stefan Dittmann gefeuert. Der war auch schon kräftig auf dem Oberhausener Personalkarussel unterwegs. 1998 wurde er durch nimmermüde Sponsorenaquise als Retter der Revier-Löwen gefeiert, Ende 1999 nach Streitigkeiten mit der Klubführung entlassen und Anfang 2001 wieder eingestellt, weil es erneut Deckungslücken im Etat abzudichten galt.

          Im großen Überschwang der Erfolge hatten die Revier-Löwen ihre Einnahmen offenbar mit vollen Händen ausgegeben. Insider berichten davon, dass das Catering eines Sponsors verschmäht und lieber Geld für anderes Essen ausgegeben worden sei. Gleiches gelte auch für Hotels, die gebucht wurden, obwohl andere bereits bezahlt gewesen seien.

          Zukunft der Löwen ungewiss

          Die Abfindung für Draisaitl strapaziert den Etat erneut. Gewöhnungssache. Bisher haben die Oberhausener noch in jeder Spielzeit den Trainer gewechselt. Der neue Mann heißt Mike Zettel und war beim Rivalen Essen in dieser Saison gefeuert worden. Er soll das Ziel Playoffs nun realisieren. Allerdings startete das Unternehmen wenig erfolgreich.

          Die Revier-Löwen drifteten in den ersten Spielen unter Zettel aus den Playoff-Plätzen heraus. Immerhin kann der Coach auf Spieler, wie den Deutschen Top-Scorer Robert Hock bauen. Aber auch dessen Zukunft ist, wie die der Revier-Löwen ungewiss. Angeblich soll er schon für die neue Saison in Frankfurt unterschrieben haben.

          Weitere Themen

          Nur eine kleine Hürde

          Eintracht Frankfurt : Nur eine kleine Hürde

          Die estnische Hauptstadt Tallinn ist für die Eintracht Neuland. Dort treffen die Spieler auf den unumstrittenen Spitzenklub FC Flora Tallinn. Doch die Erfolge des Eintracht-Gegners sind sehr übersichtlich.

          Topmeldungen

          Bereits ab 14.00 Uhr könnte die gefühlte Temperatur über 32 Grad liegen, dann herrscht Warnstufe 2. (Archivbild aufgenommen in Berlin)

          Deutscher Wetterdienst : Hitzewarnung für Deutschland

          Der Deutsche Wetterdienst rechnet ab Montag mit ersten Hitzewarnungen. Ab Mittwoch soll dann ganz Deutschland von einer Hitzewelle erfasst werden. Besonders Kinder, alte und kranke Menschen sind durch die hohen Temperaturen gefährdet.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.