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Eishockey-NHL : Die Rückkehr des eigenwilligen Eric Lindros

  • -Aktualisiert am

Superstar Eric Lindros: „Ahornblatt” bald New York Ranger Bild: dpa

Nach 15 Monaten Pause wegen eines Vertragsstreits kehrt der Star als Stürmer der New York Rangers in die NHL zurück.

          2 Min.

          Natürlich New York, natürlich die stolzen Rangers, die im Madison Square Garden in der Nähe des Broadway spielen. Hier, wo alles etwas größer und besser sein muss als andernorts, ist jetzt der Platz an dem der eigenwillige Eric Lindros in die NHL zurückkehren wird. Allein die beeindruckenden Körpermaße von „Big E“ passen zum „Big Apple“: 1 Meter 93 groß , 106 Kilogramm schwer ist Lindros ein Eishockey-Mittelstürmer mit verheerender Wirkung.

          Einer, der die Gegner im Stile einer Bowlingkugel wie Pins durcheinanderwirbelte und einschüchterte. Gleichwohl ein Spieler, von dem die Experten aufgrund seines überragenden Torjägerinstinkts als „The Next One“ schwärmten. Eine Anspielung auf Lindros als Nachfolger von „The Great One“, Wayne Gretzky. 314 Tore in 526 NHL-Spielen unterstreichen das. Der Mann mit der Rückennummer 88 war bereit, die 99 abzulösen. Soweit die Lobeshymnen auf einen der besten Eishockey-Spieler der Welt.

          Eigenwilliger Familien-Clan

          Die andere, die dunklere Seite von Eric Lindros zeigt einen nur begrenzt teamfähigen Spieler, der - mit seinem Vater und Manager Carl als treibender Kraft - stets seinen eigenen Vorteil sucht. So sorgte der Lindros Clan bereits 1991 für einen Eklat, nachdem Lindros als Nummer Eins von den Quebec Nordiques gedraftet wurde. „Er wird niemals für ein so schwaches Team spielen“, verkündete Vater Carl und boykottierte das NHL-System.

          Schwächere Klubs dürfen die besten jungen Spieler verpflichten, damit die Leistungsdichte in der Liga erhalten bleibt. Der Kampf um das damals 18jährige Ausnahmetalent dauerte ein Jahr lang. Lindros spielte so lange ausschließlich für Team Canada, bis Quebec nachgab und einem Tauschgeschäft mit den Philadelphia Flyers zustimmte.

          Harter Crack für harte Flyers

          Philadelphia und Lindros, das sollte passen. Manager Bobby Clarke sah in Lindros den idealen Vertreter der neuen Generation und wurde zunächst bestätigt. Der neue Kapitän und seine Sturmpartner verbreiteten derart Angst und Schrecken in den Abwehrreihen, dass sie den Beinamen „Legion of Doom“ (Götterdämmerung) erhielten. Den Stanley-Cup holten sie dennoch nicht. 1997 führte Lindros die Flyers zwar ins Finale. Dort verloren sie gegen Detroit. Nicht die ersten und nicht die letzten wichtigen Spiele, in denen der Center kaum zu sehen war.

          Der Beginn einer wunderbaren Feindschaft

          Führungsschwäche, Egoismus und plötzlich auch Verletzungsanfälligkeit waren die Dinge, die Manager Clarke an seinem Superstar bemängelte. Der erlitt durch seine draufgängerische Spielweise und die Jagd der Gegner auf ihn zwischen Januar 1998 und Mai 2000 sechs Gehirnerschütterungen.

          Garniert wurde das Ganze durch einen Vertragsstreit zwischen Lindros und dem Club, der in endlosen Verhandlungen um einen Transfer mündete.

          85 Prozent der Fans zweifeln

          Bis nun die Rangers kamen, mit denen sich auch Lindros anfreunden konnte, und drei Spieler anboten, „die uns weiterbringen“ (Clarke). Ein Traditionsklub, der seit Jahren das teuerste Team stellt und trotzdem viermal hintereinander die Play-Offs verpasste. Nun soll Lindros den Karren aus dem Dreck ziehen. „Ich sehe es nicht als Risiko“, räumte Rangers Manager Glen Sather alle Bedenken wegen Lindros Gesundheitszustand aus dem Weg. „Wir haben ihn gründlich durchecken lassen und die Ärzte haben gesagt, er sei vollkommen okay.“ Lindros bestätigte: „Die lange Pause hat sicher auch ihren Teil dazu beigetragen. Ich bin auf jeden Fall heiß darauf, für die Rangers zu spielen. Wir haben eine große Zukunft vor uns.“

          Nach der Umfrage eines Radiosenders glauben allerdings 85 Prozent der teilnehmenden Rangers-Fans, dass der Club mit Stürmer Jan Hlavac, Verteidiger Kim Johnsson und Talent Pavel Brendl zuviel Qualität eingetauscht hat. Lindros wird eine Menge Überzeugungsarbeit leisten müssen. Tut er das, werden sie ihn in New York lieben. Wenn er kommende Saison 70 Punktspiele im blauen Trikot absolviert, erhöht sich sein Gehalt von drei auf acht Millionen Dollar, ab dem zweiten Jahr gibt es deren zehn, insgesamt 38 Millionen in vier Jahren. Wenn er in New York scheitert, dann haben zumindest die Autoren der Broadway- Stücke viel Stoff für eine neue Seifenoper.

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