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Eishockey : Krefelder Pinguine: Viele Manager, viel Erfolg

  • -Aktualisiert am

Gemeinsam erfolgreich: die Krefelder Pinguine Bild: dpa

Im Krefelder Eishockey haben viele etwas zu sagen, Kompetenzgerangel gibt es aber nicht. Lohn ist die Tabellenführung in der DEL.

          Es war ein frommer Wunsch von Geschäftsführer Wolfgang Schäfer. "Hoffentlich werden wir nicht Tabellenführer", sagte er, als sich das Hoch der Krefelder Pinguine abzeichnete, "sonst dreht das Umfeld wieder durch."

          Erhört wurde Schäfer nicht: Seit einer Woche steht der niederrheinische Traditionsverein auf Platz eins der DEL, und nicht nur der Umstand, dass der KEV weniger Spiele, aber mehr Punkte als die Konkurrenz hat, deutet auf ein längeres Verweilen in diesen Gefilden hin. Auch die Art und Weise wie in Köln (7:4), gegen München (8:1) und in Nürnberg (4:2) gewonnen wurde.

          Letzte Saison: Absturz vom Gipfel

          Allerdings sollten sie vor der Schnelllebigkeit der DEL gewarnt sein: Schon in der letzten Saison standen die Schwarz-Gelben vorübergehend auf Platz Eins. Zum ersten Mal seit dem Wiederaufstieg in die höchste deutsche Spielklasse 1991. Dem Gipfelsturm folgten ausgelassene Freude, Titelfantasien aus besagtem Umfeld, aber am Ende auch der Sturz aus den Playoff-Plätzen.

          Dieser Misserfolg setzte im vergangenen Frühjahr die üblichen Mechanismen in Kraft. Trainer Doug Mason, der seine Truppe sehenswertes, aber letztlich erfolgloses Offensiv-Eishockey spielen ließ, musste gehen. Assistent Herberts Vasilyevs übernahm, ohne Besserung zu erzeugen. Also wurde zur neuen Spielzeit mit Chris Valentine der dritte Trainer innerhalb von sechs Monaten verpflichtet.

          Eine nicht unumstrittene Maßnahme, denn der ehemalige Bundesliga-Scorerkönig ist nicht nur ein Held beim ungeliebten Landesrivalen Düsseldorfer EG, sondern war bei seinen letzten Stationen in Berlin und Mannheim ohne Fortune geblieben.

          Amann: Trainer, Manager - oder was?

          Nach offizieller Lesart ist Valentine seither sogar Cheftrainer Nummer vier. Denn zunächst stellte der Klub seinen Düsseldorfer Spezi Rick Amann in dieser Position vor. Der ehemalige Nationalverteidiger, seit fünf Jahren hauptberuflich als Eishockey-Experte beim TV-Sender Premiere World tätig, sagte aber schon bei dieser Präsentation, dass er seine Rolle eher als Manager interpretiere.

          Damit hätten die Pinguine aber deren drei gehabt. Schließlich hatte man Torwartlegende Karel Lang nach dessen Karriereende zum Mannschaftsführer bestellt und auch noch den bisherigen Manager Rüdiger Noack unter Vertrag. Der ehemalige DDR-Nationalspieler wurde aber im Zuge des Misserfolges recht bald "abgewickelt".

          Geräuschvolle Trennung

          Auch Rick Amann sollte den Saisonstart als Trainer, Manager oder was auch immer nicht erleben. Nach äußerst öffentlichkeitswirksam ausgetragenen Differenzen zwischen ihm und dem eigenwilligen KEV-Aufsichtsratsvorsitzenden Wilfried Fabel trennte man sich geräuschvoll.

          So blieben aus dem Krefelder Kompetenz-Quartett nur Valentine und Lang übrig - und sie beweisen, dass wenige Köche den Brei dann eben doch gelingen lassen können. Nicht nur, dass sie aus dem Strafbankkönig Jeff Christian den besten DEL-Torschützen machten, auch ihre jüngste Verpflichtung, die des Verteidigers Darryl Shannon, schlug gewaltig ein: Der als rein defensiver Spieler angekündigte Mann erzielte in drei Spielen ein Tor und vier Vorlagen. "Ein Bonus", wie es Valentine nennt.

          Erfolgsbasis lange vorher gelegt

          Zweifellos haben auch die beiden Ex-Manager ihren Anteil am Krefelder Erfolg. Amann holte zum Beispiel Steffen Ziesche aus der zweiten Liga, den dort niemand so recht bemerkt hatte. Der 29-Jährige dankt es mit Glanzleistungen, wie auch Nationalverteidiger Daniel Kunce, der aus Nürnberg kam oder der Ex- Düsseldorfer Gary Shuchuk.

          Noack hatte schon letztes Jahr das "Alpen-Duo" Brad Purdie und Christoph Brandner aus Villach geholt. Der Kanadier Purdie ist derzeit Top-Scorer der DEL, und der fast zwei Meter große Österreicher Brandner spielt in einer derart bestechenden Form, dass die Großklubs schon mit den großen Gehaltsschecks winken.

          Mittelständler mit Zukunft

          Dagegen können die Pinguine derzeit noch wenig tun. Erst in zwei Jahren ist Besserung in Sicht. Dann soll aus der stimmungsvollen Rheinlandhalle in eine 55 Millionen Mark teure Mehrzweckarena umgezogen werden. Nicht schlecht für einen Klub, der vor fünf Jahren beinahe Konkurs gegangen wäre und weiterhin auf die Mark schauen muss.

          Der Etat ist um einiges kleiner als jene der Topklubs aus Mannheim, Köln oder München. Aber die 7,8 Millionen Mark zeugen doch von größerem Potential, als es etwa die anderen bisherigen Überraschungsersten Schwenningen und Augsburg in dieser Spielzeit aufweisen können.

          Valentine vor Vertragsverlängerung

          In diesen Tagen beraten die Gesellschafter der Pinguine über das Budget bis März und dementsprechend auch über Personalien. Ganz oben auf der Wunschliste steht die Verlängerung des Vertrages von Chris Valentine, der der Sache offen gegenüber steht: "Ich kann in Ruhe arbeiten, und es macht Spaß. Warum also nicht?"

          Vor allem der Teamgeist der Pinguine beeindruckt ihn und andere. Beim Sieg im Spitzenspiel in Nürnberg wurde das dritte Tor vom Schiedsrichter dem Verteidiger Dan Lambert zugeschrieben. Der ging aber sofort zum Referee und klärte auf, dass sein Mitspieler Jeff Christian das Tor gemacht habe. Nicht alltäglich im Profigeschäft und ein Beweis für die Bodenhaftung der Pinguine.

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