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Eishockey-Kommentar : Frühlingsgefühle auf dem Eis

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Grund der Begeisterung: Die deutsche Mannschaft spielt besser als befürchtet Bild: ddp

Die Karten für die deutschen Spiele der Eishockey-WM sind begehrt in der Fanszene. Ganz anders sieht es mit dem Stellenwert des Sports außerhalb der Hallen aus. Auf der Fernbedienung muss man erst mal zum Eishockey finden.

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          Der Schwarzmarkt wird in diesem kalten Kölner Mai ein weiteres Mal blühen. Wenn Deutschland in der WM-Zwischenrunde auf Titelverteidiger Russland trifft, ist dabei sein für viele Eishockey-Freunde einfach alles. Weil die Arena, wo das Herz der WM heftiger schlägt als am zweiten Standort Mannheim, zwar 18.500 Gästen Platz bietet, die beiden Teams aber wesentlich mehr Fans anziehen, wie die erste Woche zeigte, spekuliert manch zwielichtiger Tickethändler auf gute Geschäfte. Wohl nicht zu Unrecht.

          Dass die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB), zuletzt auf internationaler Bühne eher ein Prügelknabe, überhaupt noch derart gefragt ist, nehmen die Verantwortlichen überrascht und als ermutigendes Zeichen zur Kenntnis. Denn kürzlich gab es eine inzwischen reichlich zitierte Umfrage, die ernüchternder kaum hätte ausfallen können: So gut wie kein aktueller Nationalspieler war den Leuten außerhalb der eingefleischten Anhängerschaft noch ein Begriff.

          Die Nationalmannschaft nutzte das einzige Mittel, das sie hat, um dieser Gleichgültigkeit bei der WM entgegen zu wirken, vortrefflich: Sie verkaufte sich beachtenswert, in der Hoffnung, dass die ansprechenden Leistungen künftig von einem breiteren Publikum honoriert werden.

          Kaum auf der Fernbedienung zu finden

          Überhaupt entpuppte sich das Turnier bislang als vielfältig und unterhaltsam: Zuschauer aus aller Herren Länder, die friedlich ihrer Leidenschaft frönen, viele überraschende Momente und Außenseiter, die die Stars ins Straucheln bringen, entkräfteten die Befürchtung, der WM fehle es kurz nach Olympia an Bedeutung. Hautnah und vor Ort dabei zu sein, ist nicht nur deswegen eine gute Idee.

          Denn der Wunsch des DEB, dass die Plattform Fernsehen beim Heimspiel helfen würde, in großem Umfang Sympathien (zurück) zu gewinnen, verhallte unerhört: Nur noch 30 der 56 WM-Partien sind im frei empfangbaren Programm des Spartenkanals Sport1 zu verfolgen, von dem viele Menschen nicht einmal wissen, welche Taste man dafür auf der Fernbedienung drücken muss.

          Zartes Pflänzchen braucht Hege und Pflege

          Das Interesse von ARD und ZDF am Eishockey ist parallel zu den zuletzt regelmäßigen Niederlagen abhandengekommen. Mit fatalen Resultat: Was nicht oder nur in Auszügen am Bildschirm zu sehen ist, findet im Bewusstsein der breiten Masse eben nur am Rande statt. Franz Reindl, der Sportdirektor des DEB, sieht seinen Sport trotzdem als Nummer zwei hinter König Fußball. „Die WM ist ein perfektes Sprungbrett, um uns wieder nach vorne zu bringen“, sagte er nach der Sieg gegen Dänemark.

          Ehrenwert ist die Absicht. Aber nur wenn sich Verband und Liga tatsächlich bewusst werden, dass das deutsche Eishockey ein zartes Pflänzchen ist, das der fürsorglichen Hege und Pflege auch über den WM-Wonnemonat Mai hinaus bedarf, könnte es mit dem Wachstum etwas werden. Die Kölner Frühlingsgefühle sorgen zumindest für ein gedeihliches Klima wie lange nicht mehr.

          Das deutsche Eishockey ist ein zartes Pflänzchen, das der fürsorglichen Hege und Pflege bedarf.

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