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Eishockey : Kölner Haie ohne Biss

  • -Aktualisiert am

Hans Zach: Der Neue in Köln? Bild: dpa

Sinkende Zuschauerzahlen, schwankende Leistungen: Der als Titelfavorit der DEL gestartete Traditionsklub steckt in der Krise.

          3 Min.

          Der dicht gedrängte DEL-Spielplan kann auch gnädig sein. Auf den ersten Blick vermutet man einen Nachteil daran, dass die Kölner Haie erst am 25. Januar wieder zuhause antreten dürfen.

          Aber an Auftritten in der heimischen Köln Arena hatte kaum jemand zuletzt Spaß. Die Zuschauer pfiffen zuletzt deutlich auf die Leistungen des als Mitfavorit auf den Titel gestarteten Traditionsclubs. Zielscheibe der Kritik ist, nicht unbedingt überraschend, der Trainer.

          „Erst ab 8000 Zuschauern verdienen wir Geld“

          Acht Niederlagen in den letzten zehn Spielen und insgesamt schon elf Heimniederlagen drücken auf die Stimmung. Dazu ist der Zuschauerschnitt im Sinken begriffen. Er liegt zwar bei noch knapp 11.000 Besuchern, was zwar gegenüber dem Vorjahr nur einen Rückgang von 500 Fans pro Spiel bedeutet. Wenn aber zu einem Spiel gegen den Erzrivalen Mannheim nur knapp 9000 Besucher kommen, schrillen bei den Haien die Alarmglocken, denn so Pressechef Holger Rathke: „erst ab 8000 Zuschauern verdienen wir Geld.“

          Dazu haben die Haie durch Basketball-Bundesligist Rhein Energy Cologne schon erfolgreiche Konkurrenz im eigenen Haus und auch das Gastspiel des Handball Bundesligisten Gummersbach in der Köln Arena vor wenigen Wochen fällt unter die Kategorie gelungen. Auch die Tatsache, dass Hauptsponsor Ford sein zum Saisonende auslaufendes Engagement bei den Haien „überprüft“, sorgt nicht gerade für Frohsinn am Rhein.

          Sportlicher und finanzieller Druck auf Nethery

          Ungünstig für die Beziehung zwischen Öffentlichkeit und Trainer/ Manager ist auch der angekündigte Abschied von Hans Zach aus Kassel. Schon wird der Bundestrainer als heißer Anwärter auf die Nachfolge Netherys gehandelt, der allerdings einen Vertrag bis 2005 besitzt. Zach hat angekündigt, zu einem Spitzenklub wechseln zu wollen, bei dem er mit deutschen Spielern arbeiten kann.

          Davon haben die Haie gleich elf. Darunter einige vielversprechende Talente, dier wohl kaum einer besser formen könnte als der Tölzer. Der 52jährige an dem auch Nürnberg, Frankfurt und Düsseldorf interessiert sein sollen, hält sich noch bedeckt. „Ich lasse alles auf mich zukommen.“ Gleichwohl wären die Voraussetzungen in Köln für Zach optimal.

          Vom Trainer zum Manager und zurück

          Dabei hatte die Ära Nethery vor zweieinhalb Jahren so verheißungsvoll begonnen. Der dreifache Mannheimer Meistermacher führte die Haie 2000 ins Finale, wo sie am Teamwork der München Barons scheiterten. Mit dieser Endspielniederlage begannen die Wirren um Lance Nethery, in Amtsunion nicht nur Chefcoach, sondern auch Manager der Haie. Aus familiären Gründen zog er sich auf den Managerposten zurück und überließ Co- Trainer Bob Leslie die Geschäfte an der Bande, den er zuvor erst als Cheftrainer beerbt hatte.

          Die hochbezahlte Startruppe nutzte den Wechsel weidlich aus. Die Mentalität, nur gelegentlich Top- Leistungen zu bringen, konnte vom netten Leslie nicht gestoppt werden, weshalb Nethery wieder an die Bande zurückkehrte. Dabei musste er letzte Saison die schlimmste Niederlage seiner Karriere einstecken. Das glatte Viertelfinal- Aus in drei Spielen gegen Außenseiter Hannover Scorpions.

          In der Olympia- Pause auf die Couch?

          Danach wurde kräftig ausgemistet. Altgediente Stars wie Bruno Zarrillo oder Thomas Forslund mussten gehen, auch Torwart Legende Peppi Heiß wurde mit Misstönen in Rente geschickt, was das Ansehen Netherys bei den Fans nachhaltig beschädigte.

          Die innerhalb eines 7,5 Millionen-Euro-Etats runderneuerten Haie starteten auch wegen 15 neuer Spieler durchwachsen in die Saison, hatten im Oktober eine grandiose Serie und fahren seither Achterbahn. Serien von drei, vier Niederlagen in Serie wechseln sich mit ebenso vielen Siegen ab. Kein Grund zur Besorgnis sagt der Trainer. „Der Unterschied zwischen einem guten und einem schlechten Lauf ist sehr klein.“

          Der Coach arbeitet viel mit seinem launischen Team, lange Videoanalysen, selbst auf der Busfahrt zu Auswärtsspielen sind keine Seltenheit. „Irgendwann müssen wir auch wieder Glück haben.“ Trotzdem nimmt der derzeitige schlechte Lauf, der vor allem in den Heimspielen eine mentale Blockade ausgelöst hat, nun aber so gefährliche Formen an, dass Nethery sogar daran denkt, in der Olympia- Pause einen Psychologen zurate zu ziehen.

          Bis dahin gilt es, wenigstens die sieben Punkte Vorsprung auf Platz neun zu verteidigen. Von Heimrecht in den Play-Offs spricht ohnehin kaum noch jemand. Aber in der eigenen Arena spielen die Haie in diesen Tagen sowieso nicht so gerne.

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