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Eishockey : Karneval und Kufensport

  • -Aktualisiert am

Das Derby: Köln gegen Düsseldorf Bild: dpa

Für die Fans am Rhein ist es der Höhepunkt der Saison. Wenn die Kölner Haie und die Düsseldorfer EG dann auch noch an Karneval aufeinandertreffen, ist das wie Weihnachten und Ostern an einem Tag.

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          Am Aschermittwoch sei alles vorbei, weiss das unerschöpfliche Vorräte sein eigen nennende karnevalistische Liedgut zu berichten. Im Rheinland ist das Meiste schon am abend des Rosenmontags vorbei. Nach dem Highlight Rosenmontagszug, läßt es der gemeine Karnevalist etwas ruhiger angehen, am Dienstag zum Ausklang wird lediglich 'Hoppeditz' "beerdigt", der Schutzpatron der Karnevalisten.

          Dieses Jahr ist alles anders. Die fünfte Jahreszeit erfährt am Dienstagabend einen weiteren Höhepunkt. Das Eishockey-Derby zwischen den Karnevalshochburgen Köln und Düsseldorf. Vom rein sportlichen Aspekt her, ist es ja nichts besonderes mehr. Für die einen, die Kölner Haie, geht es lediglich um eine gute Platzierung für die Play-Offs, die die anderen als Tabellenelfter schon längst nicht mehr erreichen können.

          Lahme werden gehen

          Früher, bis weit in die 90er hinein, da war das alles noch anders. Meisterschaften wurden zwischen den Riesen vom Rhein entschieden und wenn der eine als Titelträger schon feststand, wie 1979 die Kölner, dann lief man schon mal in des Gegners Halle zum aufwärmen im Frack auf das Eis. Ende der Saison 1994/95, kurz bevor die Haie - zum bisher letzten Mal - die Meisterschaft gewannen, bezeichnete Kölns Trainer Bob Murdoch in einer Pressekonferenz seinen Düsseldorfer Kollegen Hardy Nilsson als „Dieb", weil der für die neue Saison schon die Haie-Stars Thomas Brandl und Leo Stefan verpflichtet hatte.

          Leo Stefan spielt noch heute für die DEG und sagt über das Derby recht drastisch: „Tote werden wieder aufstehen und Lahme wieder gehen." Ob der Kölner Stürmer Jason Young darüber lachen kann? Der Torjäger bestreitet am Dienstag das zweite Spiel nach einer schweren Operation, in der ihm ein Tumor aus der Brustwirbelsäule entfernt wurde. Glücklicherweise stellte sich heraus, dass es sich um ein gutartiges Geschwür handelt. Aber ein Ereignis wie diese Operation vor 35 Tagen hat selbst die harte Männerwelt des Kufensports kurz innehalten lassen und ist vor diesem Spiel einen kurzen Gedanken über die vielleicht doch verschwindende Wichtigkeit desselben wert. Er wird nicht lange Bestand haben.

          Täglich Karneval in der Köln-Arena

          Wenn Rot-Weiß und Rot-Gelb aufeinandertreffen, sind alle Gesetzmäßigkeiten außer Kraft gesetzt, dann ist egal, ob die einen nach ihrem Trainerwechsel wieder ein hoher Meisterschaftsaspirant sind und die anderen nur ein Aufsteiger, der nach dem freiwilligen Rückzug 1998 und drohendem Ruin mit bescheidendem Etat und knapp durchschnittlichem Spielerkader reumütig in die DEL zurückgekehrt ist.

          Die beiden ersten Spiele dieser Saison gewannen die Düsseldorfer um ihren überragenden Torwart Andrej Trefilow, übrigens Favorit bei der Wahl zum Spieler des Jahres ist. Anschließend revanchierten sich die Kölner Haie für das bittere 4:5 in der Köln Arena mit einem 3:1 an der Brehmstrasse. Das wiederum rief DEG-Coach Gerhard Brunner auf den Plan. „Köln kann sich am Dienstag auf einen heißen Tanz gefasst machen", giftete der Bayer am Sonntag in Richtung Haie, nachdem seine Schützlinge sich mit dem vierten Sieg in Folge in Derby-Laune schossen. Im Hintergrund sangen die Fans übrigens „und am Dienstag brennt der Kölner Dom."

          Typischer Theaterdonner. Für die Kölner Haie, die das alles gelassener sehen, wird das 148. Rheinische Derby eine Rückkehr in die Heimstatt nach längerer Abwesenheit. Am 4. Februar bestritten sie ihr letztes Heimspiel, seitdem musste der Tabellendritte fünfmal in Folge auswärts antreten, weil in der Kölnarena beinahe täglich Karnevals-Veranstaltungen stattfanden. Es gibt halt dann doch Dinge, die wichtiger sind, als Eishockey. Auch wenn sich der Kufensport würdig in die Reihe der Veranstaltungen einreihen wird.

          Schon seit Wochen sind die über 18.500 Plätze restlos ausverkauft und das Rahmenprogramm der Veranstaltung steht ganz im Zeichen des Kölner Karnevals. Bereits um 17.00 Uhr, zweieinhalb Stunden vor Spielbeginn, wird die Kölnarena geöffnet, im Foyer sorgen die Karnevals-Bands "Jot dabei" und die "Buure" für kölsche Karnevals-Stimmung. Unmittelbar vor Spielbeginn präsentieren "Brings" auf der Eisflaeche ihren Top-Hit "Superjeile Zick". Wenige Stunden später ist alles vorbei. Dann ist Aschermittwoch.

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