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Frankfurts Ajdin Hrustic : Der Eintracht-Joker sticht doppelt

Auch in ungewohnter Lage gefährlich: Eintracht Frankfurts Ajdin Hrustic (Archivfoto) Bild: EPA

Ajdin Hrustic sorgt schon wieder für besondere Momente: Beim 3:2 in Stuttgart trifft der eingewechselte Australier mit bosnisch-rumänischen Wurzeln erstmals doppelt – und verschärft die Stuttgarter Nöte.

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          Die Entscheidung fiel in der Pause. Es war rückblickend ein Geistesblitz der Frankfurter Verantwortlichen, dass sie sich später über zwei Volltreffer von Einwechselspieler Ajdin Hrustic und den dadurch resultierenden 3:2-Sieg in Stuttgart freuen konnten. „Kompliment an meinen Ko-Trainer Michael Angerschmid“, sagte Eintracht-Chefcoach Oliver Glasner nach dem ersten Sieg im neuen Jahr. „Er hat noch in der Halbzeit die Eckbälle analysiert und gesagt, es gibt die Möglichkeit, in den Rückraum zu spielen. Dann hat er sich die Jungs geschnappt.“

          Bundesliga
          Ralf Weitbrecht
          Sportredakteur.

          Einen ganz besonders: Hrustic. Ein Spieler mit einer interessanten Vita, denn der in Melbourne geborene Fußballprofi mit bosnisch-rumänischen Wurzeln trägt bei internationalen Einsätzen den Dress der australischen Nationalmannschaft. Möglich geworden, weil der heute 25 Jahre alte Hrustic in Down Under aufgewachsen ist. Vor eineinhalb Jahren, nach Stationen in England, Österreich und der Niederlande, hat er den Schritt in die Bundesliga vollzogen – und spätestens seit seinen beiden siegbringenden Toren beim VfB hat er seinen Ruf zementiert, der Mann für die besonderen Momente zu sein. Hrustic ist der Joker, der sticht.

          Auf der Eintracht-Bank hatten sie schnell analysiert, dass die Schwaben-Abwehr mit Schüssen aus dem Hintergrund zu knacken sei. Glasner bestätigte, dass es eine Bauchentscheidung war, die zu Hrustics Einwechslung führte. Und Tore, wie er sie beide mit dem starken linken Fuß in der 47. und 77. Spielminute erzielte, hätte man in dieser Form nicht unbedingt erwartet. Dass sie fielen, ist auch der technischen Finesse des Weltenbummlers Hrustic zuzuschreiben. Es lief tatsächlich so, wie sich das Assistent Angerschmid am Reißbrett vorgestellt hatte. Christopher Lenz schnappte sich den Ball, schaute vor der nachfolgenden Ecke nach dem lauernden Hrustic, setzte präzise den eingewechselten Mitspieler in Szene – der aus der Tiefe des Raumes kommend mit dem linken Außenrist abzog und die Eintracht wieder in Führung brachte. Ein Geniestreich. „Also“, sagte Glasner später, „das haben wir nicht vor dem Spiel trainiert, das ist während der Halbzeitanalyse entstanden“.

          „Das waren zwei Tore von mir“

          Zwei Tore von Hrustic: In der Bundesliga ist dies eine Premiere. Im vergangenen Sommer hatte er gleichwohl in einem Testspiel gegen Straßburg angedeutet, dass er dazu durchaus fähig ist. In Stuttgart sagte Hrustic über die einstudierte Ko-Produktion: „Die Variante vor dem 2:1 haben wir schon mal gegen Leipzig versucht. Damals hat es nicht ganz geklappt.“ Aber dafür jetzt bei den nach wie vor in höchster Abstiegsnot befindlichen Schwaben. „Wir haben gesehen, dass etwas Platz ist. Ich hätte es ehrlich gesagt nicht erwartet – aber Tor ist Tor!“ Das erste schöner als das zweite.

          Denn als Hrustic das erste Mal für kollektive Glücksgefühle bei der Eintracht sorgte, war kein Stuttgarter mit im Spiel. Beim finalen Treffer zum 3:2 konnte sich Joker Hrustic für die tatkräftige Unterstützung bei Konstantinos Mavropanos bedanken. Ohne die abfälschende Hilfe des unglücklichen Griechen wäre Hrustics zweiter Volltreffer kein Volltreffer geworden. Etwaigen Diskussionen, Tor Nummer zwei sei doch gar nicht ihm zuzuschreiben, entgegnete Hrustic: „Das waren zwei Tore von mir.“ So oder so: In der aktuell laufenden Bundesligasaison ist Hrustic damit etwas Einzigartiges gelungen. Er ist der erste Joker, der doppelt getroffen hat.

          Ein Auf und Ab in der laufenden Saison

          Rauf und runter ist es seit dem Sommer mit Hrustic gegangen. Den angestrebten Status eines Stammspielers hat er bis heute nicht erreicht – und wird es wohl auch nicht schaffen. Eintracht-Trainer Glasner ist ein Freund fester Strukturen, der auf eingespielte Systeme und Formationen vertraut. Zwölf von 21 möglichen Einsätzen sind nicht das, was sich der ehrgeizige Hrustic für sein zweites Frankfurter Jahr vorgenommen hatte. „Die erste Saison war insgesamt nicht perfekt für mich persönlich“, sagte er rückblickend. „Ich habe wenig gespielt. In der laufenden Saison hatte ich auch eine Phase ohne Einsatz, aber hier heißt es, dranzubleiben.“ Und hellwach und bereit zu sein, wenn es gilt, aus dem Kaltzustand heraus die Bühne Bundesliga zu betreten und dort nachhaltig auf sich aufmerksam zu machen.

          Schon einmal, am Ende der zurückliegenden Spielzeit, hat Feinmotoriker Hrustic gezeigt, über welche Fähigkeiten er verfügt. Beim Auswärtsspiel in Mainz war er derjenige, der kurz vor Schluss in der 85. Minute den kaum mehr für möglich gehaltenen Ausgleich erzielte. Und das ging so: Erst versuchte es Hrustic mit einem Schuss, der aber im Strafraum hängen blieb. Das Besondere: Der Ball kam zu ihm zurück, und Hrustic, der ausgerutscht war und auf dem Boden saß, traf den abprallenden Ball im Sitzen so perfekt, dass er sich als Heber ins Mainzer Tor senkte. Ein Tor des Monats, dem auch zugleich diese Ehre bei dem gleichnamigen Wettbewerbsklassiker im Fernsehen zuteil wurde.

          Damals gab es viele Schulterklopfer für Hrustic, diesmal, als der polyglotte Australier sogar doppelt traf, gleichfalls. Sein Doppelschlag soll ihm weiteren Auftrieb geben – national wie international. Im australischen Auswahlteam ist Hrustics Expertise mehr und mehr gefragt. „Ich habe in der Nationalmannschaft einen Schritt nach vorne gemacht“, sagte er. „Sie wollen auch, dass ich möglichst viel spiele. Es steht ja eine Weltmeisterschaft an.“ Bei der Eintracht steht ein spannender langer Endspurt im Kampf um Europa an. Hrustic könnte dabei mit weiteren Toren helfen.

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