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: Ein Feierabend für die Torhüter

  • Aktualisiert am

Gelsenkirchen. Auch wenn es nichts zu feiern gibt, lässt sich zuweilen ein Grund finden, sich zu freuen, wenigstens ein bisschen. Den Schalkern und Leverkusenern ist das am späten Freitagabend jedenfalls gelungen.

          3 Min.

          Von Richard Leipold

          Gelsenkirchen. Auch wenn es nichts zu feiern gibt, lässt sich zuweilen ein Grund finden, sich zu freuen, wenigstens ein bisschen. Den Schalkern und Leverkusenern ist das am späten Freitagabend jedenfalls gelungen. Nach einem 1:1, das beide Klubs ihrem Anspruch nicht näher bringt, suchten und fanden sie Trost bei ihren Torhütern. Mit teils famosen Abwehrreaktionen verhinderten der Schalker Schlussmann Manuel Neuer, vor allem aber sein Leverkusener Gegenüber René Adler eine mögliche Niederlage ihrer Mannschaft. Der größte gemeinsame Nenner in der Nachbetrachtung eines flotten, aber nicht effektiven Fußballspiels bestand für manchen in der nicht ganz neuen Erkenntnis, dass Deutschland auch künftig keinen Mangel leiden wird, wenn es darum geht, gute Torhüter für die Nationalmannschaft zu finden. Der 21 Jahre alte Neuer ist in der kommenden Woche sogar aufgefordert, Bundestrainer Joachim Löw bei einem Fitnesstest zu zeigen, ob er körperlich in der Lage wäre, im Falle eines Falles die Anforderungen an einen Nationaltorwart zu erfüllen.

          Diese Einladung scheint nicht nur Neuer, sondern auch den fünfzehn Monate älteren Adler angespornt zu haben. Beim unmittelbaren Vergleich in der Schalker Arena schnitt der Leverkusener noch besser ab. Er hatte häufiger die Gelegenheit, sich auszuzeichnen, weil Schalke den stärkeren Drang verspürte, mehr als nur ein Tor zu erzielen. Die Art, wie Neuer und Adler, nur räumlich weit voneinander entfernt, mit ihren Paraden ein dramaturgisch interessanteres Ergebnis verhinderten, mag die Prüfer der ersten sportlichen Zwischenbilanz vor der Länderspielpause verdrossen haben. Wer indes über das Tagesgeschäft hinaus das große Ganze des deutschen Fußballs im Blick hat, wie etwa - aus alter Gewohnheit - der Leverkusener Sportdirektor Rudi Völler, konnte sich an den beiden Torleuten erfreuen. "René Adler hat ein Superspiel gemacht, Neuer aber auch. Wir haben gesehen: Das ist die neue Generation der Torhüter", sagte der frühere Teamchef des Deutschen Fußball-Bundes. Mit solchen Talenten in der Hinterhand brauche Deutschland um seinen Status als Torwartland nicht zu fürchten. "Die Engländer würden selbst unseren Torhüter Nummer zehn noch mit Kusshand nehmen." Die Leverkusener hatten ihrem Schlussmann mehr zu verdanken als die Schalker dem ihren. Dennoch griff auch deren Trainer Mirko Slomka die T-Frage gern auf, um sich ein wenig abzulenken von seiner Enttäuschung über das Ergebnis. Auf den Weitblick komme es an, sagte der Fußball-Lehrer. "Was passiert 2010? Vielleicht sollte man schon jetzt einen jungen Torwart mit dazunehmen, der bei der nächsten Weltmeisterschaft dann eine größere Rolle spielen könnte. Manuel Neuer ist zurzeit in einer Verfassung, dass man ihm zumindest mal eine Chance geben sollte." Slomka selbst hatte vor einem Jahr den Mut aufgebracht, Neuer anstelle des etablierten Frank Rost ins Tor des FC Schalke zu stellen. In dieser Hinsicht kann er guten Gewissens und ohne zu übertreiben eine erfolgreiche Zwischenbilanz ziehen, auch wenn seinem Protegé in der jüngeren Vergangenheit ein paar Patzer unterlaufen sind. Bezogen auf den Gesamtertrag im Tagesgeschäft, fällt es Slomka schwerer, seinem Personal gute oder gar Bestnoten zu erteilen, vor allem was die weiter vorn postierten Einsatzkräfte angeht. Der einzige Treffer für die Königsblauen fiel auf typische Art: Freistoß Pander, Kopfball (diesmal von Kuranyi in der 45. Minute) - Tor. Diese Erfolgsformel funktioniert zuverlässig, deckt aber auch einen Mangel auf, wenn der Gegner sonst nichts zu befürchten hat und sogar selbst einen Treffer erzielt - den Ausgleich für Leverkusen schoss Theofanis Gekas (53.). "Wir haben wieder aus einer Standardsituation ein Tor gemacht, das ist gut", sagte Slomka. "Aber aus dem Spiel heraus haben wir unsere Chancen wie zuletzt in Wolfsburg nicht nutzen können." Das ist schlecht - zu schlecht, um die Bayern in einem möglichen Fernduell zu beeindrucken; zu schlecht aber auch, um die eigenen Ziele zu erreichen, die Schalke ja nicht über den Vergleich mit dem Meisterschaftsfavoriten aus München definiert sehen will. "Sechs Punkte aus vier Spielen sind, gemessen an unseren Ansprüchen, natürlich zu wenig. Das war ein Wischiwaschi-Start, wir sind enttäuscht", sagte Slomka. Nach den gelungenen Auftritten in Stuttgart (1:1) und daheim gegen Dortmund (4:1) haben die Schalker ihren Schwung auf dem Spielfeld zwar nicht verloren; sie vermögen ihn aber auch nicht mehr gewinnbringend zu nutzen. Die Mannschaft tritt dynamisch auf der Stelle und versäumt es, ihre reichlich vorhandenen Möglichkeiten auszuschöpfen. "Wir hatten viel mehr Torschüsse als die Leverkusener, aber sie haben genauso viele Tore wie wir geschossen", sagte Kuranyi, der mehrmals an Adler gescheitert war. "Das lag nicht nur am Torhüter."

          Von Richard Leipold

          Gelsenkirchen. Auch wenn es nichts zu feiern gibt, lässt sich zuweilen ein Grund finden, sich zu freuen, wenigstens ein bisschen. Den Schalkern und Leverkusenern ist das am späten Freitagabend jedenfalls gelungen. Nach einem 1:1, das beide Klubs ihrem Anspruch nicht näher bringt, suchten und fanden sie Trost bei ihren Torhütern. Mit teils famosen Abwehrreaktionen verhinderten der Schalker Schlussmann Manuel Neuer, vor allem aber sein Leverkusener Gegenüber René Adler eine mögliche Niederlage ihrer Mannschaft. Der größte gemeinsame Nenner in der Nachbetrachtung eines flotten, aber nicht effektiven Fußballspiels bestand für manchen in der nicht ganz neuen Erkenntnis, dass Deutschland auch künftig keinen Mangel leiden wird, wenn es darum geht, gute Torhüter für die Nationalmannschaft zu finden. Der 21 Jahre alte Neuer ist in der kommenden Woche sogar aufgefordert, Bundestrainer Joachim Löw bei einem Fitnesstest zu zeigen, ob er körperlich in der Lage wäre, im Falle eines Falles die Anforderungen an einen Nationaltorwart zu erfüllen.

          Diese Einladung scheint nicht nur Neuer, sondern auch den fünfzehn Monate älteren Adler angespornt zu haben. Beim unmittelbaren Vergleich in der Schalker Arena schnitt der Leverkusener noch besser ab. Er hatte häufiger die Gelegenheit, sich auszuzeichnen, weil Schalke den stärkeren Drang verspürte, mehr als nur ein Tor zu erzielen. Die Art, wie Neuer und Adler, nur räumlich weit voneinander entfernt, mit ihren Paraden ein dramaturgisch interessanteres Ergebnis verhinderten, mag die Prüfer der ersten sportlichen Zwischenbilanz vor der Länderspielpause verdrossen haben. Wer indes über das Tagesgeschäft hinaus das große Ganze des deutschen Fußballs im Blick hat, wie etwa - aus alter Gewohnheit - der Leverkusener Sportdirektor Rudi Völler, konnte sich an den beiden Torleuten erfreuen. "René Adler hat ein Superspiel gemacht, Neuer aber auch. Wir haben gesehen: Das ist die neue Generation der Torhüter", sagte der frühere Teamchef des Deutschen Fußball-Bundes. Mit solchen Talenten in der Hinterhand brauche Deutschland um seinen Status als Torwartland nicht zu fürchten. "Die Engländer würden selbst unseren Torhüter Nummer zehn noch mit Kusshand nehmen." Die Leverkusener hatten ihrem Schlussmann mehr zu verdanken als die Schalker dem ihren. Dennoch griff auch deren Trainer Mirko Slomka die T-Frage gern auf, um sich ein wenig abzulenken von seiner Enttäuschung über das Ergebnis. Auf den Weitblick komme es an, sagte der Fußball-Lehrer. "Was passiert 2010? Vielleicht sollte man schon jetzt einen jungen Torwart mit dazunehmen, der bei der nächsten Weltmeisterschaft dann eine größere Rolle spielen könnte. Manuel Neuer ist zurzeit in einer Verfassung, dass man ihm zumindest mal eine Chance geben sollte." Slomka selbst hatte vor einem Jahr den Mut aufgebracht, Neuer anstelle des etablierten Frank Rost ins Tor des FC Schalke zu stellen. In dieser Hinsicht kann er guten Gewissens und ohne zu übertreiben eine erfolgreiche Zwischenbilanz ziehen, auch wenn seinem Protegé in der jüngeren Vergangenheit ein paar Patzer unterlaufen sind. Bezogen auf den Gesamtertrag im Tagesgeschäft, fällt es Slomka schwerer, seinem Personal gute oder gar Bestnoten zu erteilen, vor allem was die weiter vorn postierten Einsatzkräfte angeht. Der einzige Treffer für die Königsblauen fiel auf typische Art: Freistoß Pander, Kopfball (diesmal von Kuranyi in der 45. Minute) - Tor. Diese Erfolgsformel funktioniert zuverlässig, deckt aber auch einen Mangel auf, wenn der Gegner sonst nichts zu befürchten hat und sogar selbst einen Treffer erzielt - den Ausgleich für Leverkusen schoss Theofanis Gekas (53.). "Wir haben wieder aus einer Standardsituation ein Tor gemacht, das ist gut", sagte Slomka. "Aber aus dem Spiel heraus haben wir unsere Chancen wie zuletzt in Wolfsburg nicht nutzen können." Das ist schlecht - zu schlecht, um die Bayern in einem möglichen Fernduell zu beeindrucken; zu schlecht aber auch, um die eigenen Ziele zu erreichen, die Schalke ja nicht über den Vergleich mit dem Meisterschaftsfavoriten aus München definiert sehen will. "Sechs Punkte aus vier Spielen sind, gemessen an unseren Ansprüchen, natürlich zu wenig. Das war ein Wischiwaschi-Start, wir sind enttäuscht", sagte Slomka. Nach den gelungenen Auftritten in Stuttgart (1:1) und daheim gegen Dortmund (4:1) haben die Schalker ihren Schwung auf dem Spielfeld zwar nicht verloren; sie vermögen ihn aber auch nicht mehr gewinnbringend zu nutzen. Die Mannschaft tritt dynamisch auf der Stelle und versäumt es, ihre reichlich vorhandenen Möglichkeiten auszuschöpfen. "Wir hatten viel mehr Torschüsse als die Leverkusener, aber sie haben genauso viele Tore wie wir geschossen", sagte Kuranyi, der mehrmals an Adler gescheitert war. "Das lag nicht nur am Torhüter."

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