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Düsseldorfer EG : "DEG": Neuer Sponsor, neuer Name - bessere Zeiten

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Bald „DEG Metrostars” oder „Metrostars Düsseldorf”? Bild:

"DEG" - die drei Buchstaben sind eine Marke im deutschen Eishockey. Doch jetzt bekommen die Düsseldorfer einen neuen Namen.

          3 Min.

          "DEG" - die drei Buchstaben sind eine Marke im deutschen Eishockey. Wahrscheinlich sogar die Einzige.

          Der Serienmeister der Neunziger Jahre, die Düsseldorfer EG, hat bundesweit den höchsten Bekanntheitsgrad der deutschen Eishockey- Klubs. Jetzt wird man sich aber umgewöhnen müssen. Denn die DEG bekommt einen neuen Namen.

          DEG Metro Stars

          Der Klub bestreitet seinen Spielbetrieb in der DEL ab sofort als DEG Metro Stars. Bereits am Freitagabend gegen die Kassel Huskies präsentierte der Verein seine neuen Trikots. Was spektakulär klingt, auch wenn die Zahlen, die dahinter stecken, es fürs erste nicht sind.

          Zunächst über fünf Jahre hat die in Düsseldorf beheimatete Metro AG eine Partnerschaft mit dem achtfachen Deutschen Meister abgeschlossen, dessen Volumen auf drei Millionen Euro geschätzt wird. 600.000 Euro pro Saison - das ist nicht unbedingt die Größenordnung aus der man gleich Namensrechte ableitet. Zumal die Großbäckerei Kamps mit geschätzten 500.000 Euro pro Saison Trikotsponsor bleibt.

          Enge Bindung an Sponsoren

          Dieses große Zugeständnis der DEG dürfte einen ganz praktischen Hintergrund haben: Der Einstieg der Metro- Gruppe, mit 47 Milliarden Euro Jahresumsatz und 230.000 Mitarbeitern in 24 Ländern eines der größten Handelsunternehmen weltweit, bringt den Klub und auch die Deutsche Eishockey Liga in die positiven Schlagzeilen und schafft Vertrauen gegenüber anderen Sponsoren.

          Im Zuge der "Metroisierung" hat die DEG als Erster aller 16 DEL-Klubs 74,8 Prozent ihrer Spielbetriebs-GmbH an Sponsoren veräußert. Nur gut ein Viertel bleibt dem Stammverein erhalten. Den Rest teilen Metro, die Bäckerei Kamps, die Brauerei Schlösser, der Nahrungsmittelkonzern von Klubpräsident Ben Zamek und die VVA Communications unter sich auf. Das Eigenkapital der GmbH wird vom bislang hinterlegten Minimum-Betrag von 25.000 Euro auf 1,5 Millionen Euro aufgestockt.

          Vergangenheitsbewältigung

          Nötig hatte das die DEG, die noch immer an den Nachwehen der glorreichen Vergangenheit leidet. So schön sie war, sie war teuer erkauft. Mit der DEL- Aufnahme wurde - wie in der Liga üblich - eine GmbH gegründet, die sich aber verpflichten mußte, den Stammverein am Leben zu erhalten. Angesichts der dort angehäuften über 10 Millionen Euro Schulden ein teurer Spaß.

          Zahlungen an den Verein in Höhe von bis zu 500.000 Euro pro Saison behinderten das Wirtschaften der GmbH zum Teil erheblich. Alte, überdotierte Spielerverträge trugen ihren Teil dazu bei, dass der Spielbetrieb dieser Saison zum Teil nur durch Darlehen und Bürgschaften von Sponsoren und Gönnern aufrecht erhalten werden konnte. Es wird sogar darüber spekuliert, dass die Metro AG schon die Dezember- Gehälter übernommen habe, weil der Klub in Liquiditätsproblemen steckte.

          Vision von einer Multifunktionsarena

          Dass sich die DEG durch die Partnerschaft mit der Metro Gruppe nicht nur einen Anschub für den aktuellen finanziellen Rahmen verspricht, liegt auf der Hand. Die Halle an der Brehmstraße, einst dauerhaft ausverkaufte Kultstätte des Düsseldorfer Siegesrausches, ist gehörig in die Jahre gekommen. Die Einnahmen stagnieren. Der Komfort geht gegen Null. Die Gespräche mit der Stadt über Umbau oder Modernisierung bringen nicht die gewünschten Resultate. Der neue Partner könnte hierbei Türen öffnen oder sogar den Bau einer neuen Arena mittragen.

          Eine verwegene Vision wäre die Mischung aus Multifunktionsarena und Shopping Mall. Vertriebslinien, um ein solches Konzept mit Leben zu füllen hätte die Metro AG mit Kaufhof, Media Saturn oder Praktiker genug. So würde sich die erstmalige Präsentation der Metro AG als solcher im Sport- Sponsoring tiefer erklären, als über die Begründung, "ein Düsseldorfer Unternehmen" zu sein.

          Selbst die kleine Lösung würde der DEG schon weiterhelfen. Mehr Komfort, bessere Trainingsmöglichkeiten, vielleicht sogar die Installierung eines Landes- oder Bundesleistungszentrums sind Nahziele.

          Sportliche Renaissance?

          Und natürlich die sportliche Renaissance. Mit den bescheidenen Mitteln eines 2,5 Millionen Euro Etats hat die Mannschaft von Trainer Michael Komma ("Übernächste Saison möchte ich um die Meisterschaft mitspielen") bisher mit Platz sieben über Erwarten gut abgeschnitten, zum Teil sogar den reichen Erzrivalen aus Köln überflügelt und realistische Chancen auf die Play- Off Teilnahme.

          Dazu ist man in den Planungen für die neue Saison bereits sehr weit. Nicht nur, dass man wichtige Korsettstangen des Teams wie den überragenden Norweger Trond Magnussen halten konnte: Mit Fabian Brännström (Mannheim, Deutschland), Gerhard Unterluggauer (Schwenningen, Österreich) und Tommy Jakobsen (Augsburg, Norwegen) wechseln gleich drei Nationalspieler nach Düsseldorf.

          Es kommt sogar noch ein vierter, der größte Coup der DEG: Mit Daniel Kreutzer kehrt ein Eigengewächs zurück, dessen Eltern noch heute die Stadiongaststätte an der Brehmstraße leiten. Das schafft Identifikation und hat sportlich eine ähnliche Signalwirkung, wie wirtschaftlich der Metro- Deal. Die Überschrift der Partnerschaft prangt indes schon von Düsseldorfer Plakatwänden. "Sieg der Sterne" steht da in Großbuchstaben zu lesen.

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