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Drogenprozess : Die Chronologie der „Daum-Affäre"

  • Aktualisiert am

Daum am 12. Januar 2001: „Ich habe Kokain konsumiert” Bild: dpa

          Christoph Daum hat mit seiner Kokain-Affäre für einen der größten Skandale der Fußball-Bundesligageschichte gesorgt.

          Am 23. Oktober ist erster Tag des Prozesses gegen Daum vor dem Koblenzer Landgericht. Vorgesehen sind vorerst 19 Verhandlungstage bis zum 26. Februar 2002. Vor fast genau einem Jahr war Daums Drogenkonsum öffentlich bestätigt worden.

          Die Chronologie des Falles:

          2. Oktober 2000: Daum schaltet den Hamburger Anwalt Matthias Prinz ein und stellt gegen Uli Hoeneß Strafanzeige wegen Verleumdung und übler Nachrede. Der Manager von Bayern München hatte kurz zuvor mit Andeutungen die „Daum-Affäre" ins Rollen gebracht.

          3. Oktober: Hoeneß nimmt einen Teil seiner Aussagen zurück. Von Erpressungsversuchen und Prostitution habe er nie gesprochen. Daum weist Drogen-Vorwürfe zurück: „Es war nie etwas, und es wird nie etwas sein.“

          4. Oktober: Bayern-Präsident Franz Beckenbauer fordert einen „Friedensgipfel". Daum stellt klar: „Ich werde Bundestrainer.“

          5. Oktober: Vize-Präsident Fritz Scherer vom FC Bayern verlangt von Daum einen Drogentest in Form einer Haaranalyse. Daum und Leverkusen lehnen den Friedensgipfel ab.

          9. Oktober: Daum willigt ein, eine Haaranalyse wegen der Drogen-Verdächtigungen vornehmen zu lassen.

          10. Oktober: Hoeneß weist auf einer Pressekonferenz alle gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurück. „Ich habe und hatte nicht vor, Christoph Daum zu diskreditieren“, erklärt der Bayern-Manager. Zugleich kündigt er Klagen gegen jeden an, der behauptet, er habe Daum in Zusammenhang mit Drogen und Prostitution gebracht.

          15. Oktober: Die Task-Force-Kommission des Deutschen Fußball- Bundes (DFB) erörtert den Streit zwischen Hoeneß und Daum und stellt sich demonstrativ hinter den Coach. Der geschäftsführende DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder bekräftigt, Daum solle Bundestrainer werden.

          20. Oktober: Daum erhält vom Institut für Rechtsmedizin der Universität Köln durch Professor Herbert Käferstein die positiven Ergebnisse der Haarprobenanalyse. Er bittet die Geschäftsleitung von Bayer Leverkusen um die Entbindung von seinen Aufgaben und unterrichtet den DFB.

          21. Oktober: Bayer Leverkusen verkündet die Trennung von Daum und die Ernennung von Rudi Völler als Interimscoach. Der DFB erklärt, die am 2. Juli getroffene Vereinbarung, nach der Daum am 1. Juni 2001 Bundestrainer werden sollte, werde mit sofortiger Wirkung aufgelöst. Der Coach zieht sich nach Florida zurück.

          27. Oktober: Die Staatsanwaltschaft Koblenz hat gegen den ehemaligen Bayer-Coach Ermittlungen wegen des Verdachts auf unerlaubten Besitz von Betäubungsmitteln aufgenommen.

          16. November: Daum legt zu seiner Entlastung eine zweite, in den USA vorgenommene Haaranalyse vor, die angeblich seine Unschuld beweisen soll.

          15. Dezember: Bayer Leverkusen beendet offiziell das Arbeitsverhältnis mit Daum. Der Bundesligist sichert ihm eine Abfindung zu, die nach unbestätigten Angaben zwei Millionen Mark betragen soll.

          17. Dezember: Aus den USA äußert sich Daum erstmals in einem Fernseh-Interview zu den Drogen-Vorwürfen. Darin erklärt er seine Bereitschaft, mit der ermittelnden Staatsanwaltschaft zu kooperieren.

          11. Januar 2001: Überraschend kehrt Daum aus dem amerikanischen Exil in seine Heimatstadt Köln zurück. Er kündigt an, zu den Vorwürfen gegen ihn und zu seinen Zukunftsplänen Stellung zu nehmen.

          12. Januar: Daum gesteht bei einer Pressekonferenz in Köln erstmals ein, dass er Drogen konsumiert hat: „Ich gebe zu, dass ich mit Drogen in Kontakt gekommen bin und Kokain konsumiert habe.“

          7. März: Daum kehrt auf die Trainerbank zurück. Beim türkischen Klub Besiktas Istanbul, den er bereits zwischen Januar 1994 und Mai 1996 betreut hatte, tritt er die Nachfolge von Nevio Scala an.

          17. April: Nach tagelangem Hin und Her erhält Daum vom türkischen Innenministerium die Aufenthaltserlaubnis.

          30 Mai: Die Staatsanwaltschaft Koblenz erhebt Anklage gegen Daum. Sie wirft ihm unerlaubten Erwerb von Kokain in 63 Fällen vor. Zudem wird ihm „Anstiftung zum Handeltreiben mit Kokain in nicht geringer Menge“ zur Last gelegt.

          23. Oktober: Erster von 30 Prozess-Tagen vor dem Koblenzer Landgericht; die Verteidigung von Daum fordert Einstellung des Verfahrens.

          21. Dezember: Daum legt ein Teilgeständnis ab.

          29. Januar 2002: Das Landesgericht Koblenz regt Abtrennung des Verfahrens von der Verhandlung gegen die beiden Mitangeklagten an. Zuvor fordert Daums Anwalt Rolf Stankewitz die Einstellung des Verfahrens.

          30. April: Der vom Gericht bestellte medizinische Gutachter Hans Sachs aus München entlastet Daum und lässt das Käferstein-Gutachten zweifelhaft erscheinen. „Jetzt könnte der Prozess ganz schnell zu Ende gehen“, sagt DFB-Prozessbeobachter Heinz Fink.

          6. Mai: 30. Verhandlungstag - der Prozess ist zuende. Es kommt zur Einstellung des Verfahrens in zwölf Fällen und einem Freispruch für die übrigen Anklagepunkte. Daum muss 10.000 Euro an zwei soziale Einrichtungen zahlen. Anschließend gilt das Verfahren als endgültig eingestellt.

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