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Leichtathletik : Drechsler und Koch fanden es gut in der DDR

Ruhm und Ehre: Heike Drechsler und Marita Koch (rechts) Bild: AP

Vom Glück, in der DDR Sportler gewesen zu sein: Heike Drechsler und Marita Koch landen in der Ruhmeshalle der Leichtathletik. Das empört viele. Doch vor allem Marita Koch sieht keinen Grund für Reue - im Gegenteil.

          Die Berufung von Marita Koch und Heike Drechsler in die Hall of Fame des Welt-Leichtathletikverbandes IAAF überrascht und empört - jedenfalls in Deutschland. Steht doch zumindest der Weltrekord von 47,60 Sekunden von Marita Koch seit 1985 für die vergifteten Bestzeiten, die gerade Frauen seit jener Zeit der sportlichen Hochrüstung Rekorde unmöglich machen.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Gegen diese Sicht der Dinge wehrte sich Marita Koch in Monaco. Auf einer Pressekonferenz bei der Gala für die Leichtathleten des Jahres - Valerie Adams und Renaud Lavillenie - warf die Olympiasiegerin von Moskau 1980, die dreimal Weltmeisterin und sechsmal Europameisterin wurde und siebzehn Weltrekorde aufstellte, dem Westen Scheinheiligkeit im Umgang mit Doping vor. „Gesellschaftlich tut es dem Sport nicht gut, dass man im Rückblick mit dem Finger auf die DDR zeigt und selbst versucht, vieles unter den Teppich zu kehren“, sagte sie am Freitag. „Das ärgert mich nach wie vor.“ Brigitte Berendonk und Werner Franke haben in ihrem Buch „Doping-Dokumente“ bereits 1991 belegt, dass Marita Koch und ihr Trainer und Ehemann Wolfgang Meier mit hohen Dosen Testosteron (Oral-Turinabol) dopten. Marita Koch hat nie dagegen geklagt. Die spektakulären Ergebnisse zeithistorischer Forschung über Doping in der Bundesrepublik scheinen ihr unbekannt zu sein.

          Verherrlichung von Dopern?

          „Das Einzige, was ich bereue, ist, dass ich nicht mehr zeigen konnte, dass ich sicher auch 1992 und 1993 Weltmeister hätte werden oder eine gute 48 oder eine 47 laufen können mit doppelt und dreimal so viel Kontrollen“, sagte Marita Koch. Das ist sehr selbstbewusst, schließlich sind in der Geschichte der Zeitmessung lediglich sie und die Tschechin Jarmila Kratochvilova - seit 1983 im Besitz des nicht minder zweifelhaften Weltrekords über 800 Meter von 1:53,28 Minuten - die Stadionrunde je in weniger als 48 Sekunden gelaufen. Marita Koch hatte ihre Karriere nach der Europameisterschaft 1986 im Alter von 29 Jahren beendet; im Jahr des Mauerfalls 1989 wurde sie Mutter und brach ihr Medizinstudium ab.

          Doping-Opfer beklagten, dass die IAAF - nicht zum ersten Mal - gedopte Athleten und ihre Leistungen, letztlich also Doping, verherrliche. Diskus-Olympiasieger Robert Harting verlangte vor der Gala, von der Vorschlagsliste zum Leichtathleten des Jahres gestrichen zu werden, weil die IAAF auch den Sprinter Justin Gatlin nominiert hatte, der vier Jahre wegen Dopings gesperrt gewesen war. Immerhin will die IAAF künftig keine vorbestraften Athleten mehr zur Wahl stellen.

          47,60 Sekunden: Marita Kochs Weltrekord von 1985 steht bis heute für die Ära der vergifteten Bestzeiten.

          Clemens Prokop, Präsident des deutschen Verbandes, und Helmut Digel, Mitglied des Councils der IAAF, versuchten derweil herauszufinden, wer Marita Koch und Heike Drechsler nominiert hatte. Abgesprochen mit dem Deutschen Leichtathletik-Verband war das Vorgehen nämlich nicht, und DLV-Präsident Prokop hätte gerne vorab von dem fragwürdigen Schritt erfahren, den Bob Hersh, der amerikanische Vizepräsident der IAAF, eingeleitet hatte. Hersh beruft sich darauf, bei der Besetzung der vor zwei Jahren initiierten Ruhmeshalle mit einer Gruppe von Sporthistorikern zu kooperieren. Gemeinsam haben sie Wang Junxia an die Seite von Fanny Blankers-Kohn und Wilma Rudolph gestellt, Jesse Owens und Abebe Bikila. Die chinesische Weltmeisterin und Olympiasiegerin wurde zwar ebenfalls nie positiv getestet. Doch da sie zu „Ma’s Army“ gehörte, der Gruppe des diskreditierten Trainers Ma Junren, welcher angab, seinen Athletinnen Schildkrötenblut verabreicht zu haben, steht sie unter Doping-Verdacht. Im September 1993 unterbot sie innerhalb von sechs Tagen den Weltrekord über 10 000 Meter um 42 Sekunden, den Weltrekord über 1500 Meter um eine halbe Sekunde und den über 3000 Meter zweimal um insgesamt 17 Sekunden.

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