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Leichtathletik : Drechsler und Koch fanden es gut in der DDR

Lernen aus der Vergangenheit

„Es war gut, in der DDR aufzuwachsen“, sagte in Monaco Heike Drechsler. Sie habe viel gelernt, sie habe die Chance auf eine sportliche Karriere gehabt und dazu beste Bedingungen. „Das war die Geschichte der DDR im Sport. Aber jeder hat auch seine individuelle Geschichte“, sagte die Weitspringerin zum Thema Doping. „Man weiß, ob Ost oder West, dass es immer noch ein internationales Problem ist.“ Von dem Anti-Doping-Gesetz, das die Bundesregierung vorgeschlagen hat, verspreche sie sich, dass der Sport wieder an Glaubwürdigkeit gewinne. „Man kann nur lernen aus der Vergangenheit, um die Dinge zu gestalten für die Zukunft“, sagte sie. „Auch die Athleten in der DDR haben hart trainiert für ihre Leistungen.“

Ihr Glück sei gewesen, dass sie, sieben Jahre jünger als Marita Koch, ihre Karriere nach dem Fall der Mauer 1989 habe fortsetzen können. So habe sie unter den neuen Bedingungen 1992 ihre Bestleistung von 7,48 Metern wiederholen können. Olympiasiegerin wurde sie 1992 in Barcelona und 2000 in Sydney, Weltmeisterin 1983 in Helsinki und 1993 in Stuttgart. „Keiner kann etwas dafür, dass er in so einem System geboren wird“, sagte sie über die DDR, „und nicht alle sind Märtyrer.“ Die Enthüllungen von Berendonk und Franke über ihr Doping in den achtziger Jahren hatte sie seinerzeit als Lüge bezeichnet. Daraufhin wurde sie von den Autoren verklagt und unterlag. Zeugen wurden wegen Falschaussagen verurteilt.

Koch bestreitet Doping

In Monte Carlo saßen die beiden Athletinnen gemeinsam vor den Journalisten aus aller Welt. „25 Jahre nach dem Mauerfall wird der DDR-Sport noch in die Schmuddelecke gestellt, vielleicht zum Teil berechtigt“, sagte Marita Koch. „Aber man muss das individuell betrachten, und jeder kann nur selbst für sich sagen, was er getan hat und was nicht.“ Sie bestreitet Doping, beharrt darauf, dass sie mit den Angaben über die Vergabe von Doping-Mitteln schon zu Zeiten der DDR Sportapparat und Staatssicherheitsdienst getäuscht habe. „Ich habe immer gesagt, dass ich ein gutes Gewissen hatte, dass ich hunderttausendmal getestet wurde und alles war gut“, sagte sie nun. „Sicher war das nicht immer und überall so, und das ist weltweit so: Überall gibt es schwarze Schafe, und mit zunehmendem Kommerz wird es das vielleicht immer geben, dass jemand versucht, seine Leistung zu pushen.“

Dann wurde Marita Koch gefragt, warum sie nicht als Trainerin arbeite. Sie habe nicht das Gefühl, sagte sie, dass irgendjemand in Deutschland Wert auf ihre Mitarbeit lege.

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