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Fußball : Dortmund mit Rosicky kein Titelkandidat - Bremen mit Rost unüberwindbar

  • -Aktualisiert am

Genervte Dortmunder Bild: ap

Borussia Dortmund hat sich auch mit seinem neuen Star Tomas Rosicky vorerst aus dem Kreis der Meisterschaftsanwärter verabschiedet. Mit dem 0:0 gegen Werder Bremen gaben die Westfalen am Sonntagabend als einziges Team aus dem Spitzen-Quartett am 21. Spieltag zwei Punkte ab und weisen nun schon fünf Punkte Rückstand auf den Spitzenreiter FC Bayern München auf.

          Borussia Dortmund hat sich auch mit seinem neuen Star Tomas Rosicky vorerst aus dem Kreis der Meisterschaftsanwärter verabschiedet. Mit dem 0:0 gegen Werder Bremen gaben die Westfalen am Sonntagabend als einziges Team aus dem Spitzen-Quartett am 21. Spieltag zwei Punkte ab und weisen nun schon fünf Punkte Rückstand auf den Spitzenreiter FC Bayern München auf.

          „Besser als das Gegurke von München“

          Ich kann mit dem Punkt leben. Das war schon ein Unterschied zu dem Gegurke vor einer Woche“, sagte BVB-Trainer Matthias Sammer und zeigte sich damit recht gnädig. Denn vor 62.000 Zuschauer im Westfalenstadion war der BVB zwar drückend überlegen, erspielte 16:4 Ecken und ein Chancenverhältnis von 15:5. Doch wie vor zwei Wochen beim hart erkämpften 2:0 über Cottbus und beim 0:1 bei 1860 München in der vorigen Woche enttäuschten die Borussen bei der Verwertung der Tormöglichkeiten. „Was soll ich dagegen tun? Ich hätte sie ja auch nicht reingemacht mit meinem verletzten Knie“, sagte Sammer: „Ich bin überzeugt, irgendwann werden wir doch belohnt. Ich bin überzeugt, dass sich Fleiß auszahlt.“

          Zwar stand Tomas Rosicky bei seinem ersten Auftritt in der Bundesliga von Beginn besonders im Blickpunkt, ins Rampenlicht aber schoben sich dann BVB-Mittelstürmer Fredi Bobic und Werder-Torwart Frank Rost. Bobic vergab allein in der ersten Halbzeit ein halbes Dutzend beste Torchancen und musste sich den Unmut des unzufriedenen Publikums anhören. „Es tut mir leid, aber es waren teilweise schwierige Situationen“, meinte der Ex-Stuttgarter, der nur einmal nach einer herrlichen Kombination über Billy Reina, Sunday Oliseh und Evanilson unglücklich agierte, weil er den Ball nur flach und schwach auf Rost schob.

          Frank Rost fantastisch

          Überhaupt Frank Rost: Der Leipziger im Werder-Tor hatte bei seinem 100. Bundesliga-Einsatz einen Glanztag erwischt. Mit zahlreichen Paraden sicherte der Bremer Torwart seiner Mannschaft einen optimalen Start ins Jahr 2001. Nach zwei Heimsiegen gegen 1860 München und dem Hamburger SV holten die Hanseaten auch auswärts einen Punkt und schoben sich auf Platz zehn. „Wir standen enorm unter Druck. Es war bis zur letzten Sekunden aufregend“, erklärte Werder-Trainer Thomas Schaaf.

          „Unser Defensivverhalten war in Ordnung, aber das Spiel nach vorne war nicht so gut“, bemängelte der Coach die Offensive. Auch Libero Frank Verlaat, der mit Rost und Thorsten Frings zu den besten Bremern gehörte, sprach von zu wenig Angriffsbemühungen. Die legten die Dortmunder an den Tag. „Ich brauchte ja die ganze Zeit nur zu einer Spielfeldseite zu gucken und nie den Kopf zum Dortmunder Tor drehen. Der BVB hat ein Feuerwerk vor unseren Tor abgebrannt“, meinte Schaaf, dessen Team nächstes Wochenende den FC Schalke 04 erwartet.

          Rosicky in der Startelf

          BVB-Trainer Sammer hatte seine Mannschaft, die er nach dem 0:1 bei 1860 München sehr hart kritisiert hatte, auf drei Positionen umgebaut. Für den gelb-rot gesperrten Lars Ricken gab Rosicky sein Debüt in der Anfangsformation. Für den 20 Jahre alten Tschechen, der für die Rekordablössumme von 25 Millionen Mark in der Winterpause von Spart Prag verpflichtet worden war, war es ebenso wie für Torwart Philipp Laux der erste Auftritt im Westfalenstadion. Der Ex-Ulmer Laux rückte kurzfristig ins Team, weil Stammkeeper Jens Lehmann von einer Grippe beeinträchtigt war. Außerdem brachte Sammer Abwehrchef Oliseh anstelle von Christian Nerlinger in die Anfangself.

          Rosicky ließ seine große Klasse mehrfach aufblitzen; die ganz großen Impulse setzte der 20-Jährige aber noch nicht. „Er ist ein guter Spieler, aber er wird noch besser. Ich fand ihn nicht schlecht“, sagte Sammer. Rosicky selbst erklärte in einem Interview mit dem TV-Sender Premiere World auf deutsch: „Ich bin nicht zufrieden, denn wir haben nicht gewonnen.“ Er sei nicht der Chef im Mittelfeld des BVB: „Wir haben Sunday Oliseh. Alle sind Chefs“, sagte der Prager. Besonderen Druck habe er nicht verspürt: „Das ist nicht mein Problem.“ Dass er nicht durchschlagend zum Zug kam, lag auch an den BVB-Offensivkräften. Neben Bobic agierten Reina und Otto Addo zwar nicht schlecht, aber letztlich meist zu hektisch.

          „Froh, dass es beim 0:0 geblieben ist“

          Bei den Bremern hatte Trainer Schaaf nicht wie erwartet Oldie Bernhard Trares mit der Vertretung des gelb-gesperrten Frank Baumann betraut, sondern er baute den Kanadier Paul Stalteri in die Startelf ein. Trares kam erst später für Fabian Ernst zum Einsatz. Der SV Werder hatte sogar eine kleine Siegchance, denn Christian Wörns musste in der zehnten Minute bei einem Schuss von Marco Bode, der zur Halbzeit mit einer leichten Knieverletzung aufgab, auf der Torlinie klären. In den Nachschuss von Ailton warf sich Oliseh. „So ein Spiel kann man trotz Überlegenheit verlieren. Ich bin froh, dass es beim 0:0 geblieben ist“, sagte Sammer, dessen Mannschaft nächste Woche erneut im Westfalenstadion den Hamburger SV empfängt. Zum 66. Mal standen sich die beiden Teams gegenüber, aber erst zum dritten Mal gab es ein torloses Remis.

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