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Doping : Team Telekom beurlaubt Jan Ullrich

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"Das machen doch alle jungen Leute": Radsport-Legende Rudi Altig im F.A.Z. Business-Radio Bild: dpa

Nach der positiven Doping-Probe mit Amphetamin-Spuren drohen Jan Ullrich eine fristlose Kündigung und staatsanwaltliche Ermittlungen.

          Nach der positiven Doping-Probe mit Amphetamin-Spuren drohen Jan Ullrich nachhaltige Konsequenzen. Die Staatsanwaltschaft München will ermitteln und beim Team Telekom könnte ihm die fristlose Kündigung drohen. Dies sehen entsprechende Klauseln in den Fahrer-Verträgen im Falle eines Doping-Nachweises vor.

          Das bestätigte Teammanager Walter Godefroot am Donnerstag. „Jan Ullrich wurde nach der A-Probe beurlaubt. Das ist so üblich“, sagte Godefroot. Ullrich, der bei Telekom bis Ende 2003 unter Vertrag steht, will sich bislang nicht äußern. „Dazu kann ich jetzt kein einziges Wort sagen, weil jedes Wort zuviel sein könnte“, erklärte der Merdinger am Morgen telefonisch dem Sport-Informations-Dienst (sid), inzwischen ist er öffentlich abgetaucht.

          Morgen offizielle Erklärung

          Laut Godefroot hat Ullrich bis zum Freitag Gelegenheit, die Öffnung der B-Probe zu fordern. „Ich gehe davon aus, dass er das tut“, sagte Godefroot. „Danach wird innerhalb der nächsten zwei Wochen geklärt, wann und in welchem Labor das passiert.“ Am Freitag soll es eine offizielle Erklärung des Tour-de-France-Siegers von 1997 geben. Viele Anzeichen deuten darauf hin, dass der Dopingfall auch durch Mode-Drogen ausgelöst sein könnte.

          Bei einer unangemeldeten Trainingskontrolle am 12.Juni in einer Reha-Klinik am Tegernsee war Ullrich nach seiner Knieoperation positiv auf Stimulanz-Mittel getestet worden.

          „Behalten Ullrich im Auge“

          „Wenn die B-Probe auch ein positives Ergebnis bringt und keine ärztliche Verordnung für den Gebrauch von Amphetaminen bei Jan Ullrich vorliegt, werden wir die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens prüfen“, erklärte Oberstaatsanwalt Eduard Mayer von der Staatsanwaltschaft München II der ARD.

          Da die Doping-Kontrolle in Bad Wiessee durchgeführt wurde, ist die Staatsanwaltschaft München II für die Ermittlungen zuständig. Bisher ist bei Ullrich von einer ärztlichen Verordnung, die eine Einnahme von bestimmten Amphetaminen unter Umständen zulässt, nichts bekannt. „Zum Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz kann der Besitz und möglicherweise auch der Konsum von Amphetaminen zählen“, sagte Mayer und ergänzte: „Wir behalten die Angelegenheit Ullrich sehr im Auge.“

          Der Kommunikations-Direktor des Sponsors Telekom, Jürgen Kindervater, lässt noch alle Möglichkeiten der Reaktion offen. „Doping zur Steigerung der Leistung hätte arbeitsrechtliche Konsequenzen, die vertraglich festgelegt sind. Ich gehe aber davon aus, dass Ullrich keine Mittel zu diesem Zweck genommen hat. Wir werden uns diesen Fall sehr genau ansehen müssen“, sagte Kindervater dem „Bonner Generalanzeiger“.

          „Er ist nicht hier, bald aber wieder da“

          Jan Ullrichs Manager Wolfgang Strohband befürchtet nach dem positiven Doping-Befund keine Kündigungen der millionenschweren Sponsorenverträge. „Ich habe die Sponsoren informiert. Von ihnen gibt es keinerlei Reaktionen in Richtung Vertragsauflösung“, sagte Strohband am Donnerstag.

          Zum Aufenthaltsort seines Klienten wollte er sich nicht näher äußern. Es wird vermutet, dass Ullrich sich vorübergehend ins Ausland zurückgezogen hat. „Er ist nicht hier, bald aber wieder da“, erklärte Strohband.

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