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Doping : Ringen im Fall Leipold

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Ohne Zuversicht: Alexander Leipold Bild: dpa

Er war der erste deutsche Olympiasieger, dem eine Goldmedaille wegen Dopings aberkannt worden war. Alexander Leipold. Der Fall wird immer undurchsichtiger.

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          Für zwei Jahre ist das ringende Aushängeschild, der Olympiasieger Alexander Leipold, international gesperrt. A- und B-Probe nach dem Olympiasieg waren positiv, Nandrolon in unerlaubter Menge in seinem Körper. Doch dennoch haben die deutschen Funktionäre Leipold vor dem Wochenende freigesprochen und die Sperre auf nationaler Ebene aufgehoben. Wegen Fristversäumnissen. Zwei Tage später kündigte der Deutsche Ringer-Bund an, dass er Leipold schnellstmöglich für 12 Monate durch den Bundesrechtsausschuss sperren lassen will.

          Leipolds Anwälte sehen die Sache naturgemäß etwas anders: Nach dem nationalen „Etappensieg“ im Dopingfall Leipold gehen sie nun auch international in die Offensive. Mit plausibel klingenden Argumenten und stichhaltigen Beweisen kämpfen die Rechtsvertreter des 31-jährigen um die olympische Goldmedaille „Es gab mehrere Unregelmäßigkeiten bei der Urin-Probe“, bestätigte der Justiziar vom VfK Schifferstadt, Rainer Walther. So soll die abgegebene Urinmenge nicht mit den Werten im Protokoll übereinstimmen.

          Wieviel Urin?

          „Alexander hat während der Dopingkontrolle nach seinem Olympiasieg am 30. September in Sydney in der ersten Teilprobe 50 Milliliter Urin abgegeben. Diese Menge hat er auch quittiert“, so Walther. Vom Doping-Kontrolllabor des IOC sind laut den vorliegenden Protokollen 85 Milliliter Urin untersucht worden. Woher kommt dieser Differenz-Wert? Die zweite Teilprobe hätte eine Antwort geben können, doch diese wurde nicht protokolliert. Überhaupt hat Leipolds Anwalt Axel Ulmer „Unregelmäßigkeiten in der Nachweiskette“ angeprangert. Er redet dabei von „Unterschieden zwischen den Urinproben“ sowie „nicht aufbewahrten und bereits vernichteten Proben“. Das alles sei ihm während seines Besuches beim IOC am 10. Januar in Lausanne aufgefallen.

          Anwälte prangern Verfahrensfehler an

          Anfang April will sich der Internationale Sportgerichtshof (CAS) mit dem Fall Leipold befassen. Unterdessen hat das Nationale Olympische Komitee für Deutschland (NOK) eine Eidesstattliche Erklärung zum Doping-Fall Leipold abgegeben. Der Deutsche Ringer-Bund (DRB) will nach dem Freispruch am vergangenen Freitag durch seinen Rechtsausschuss alles daran setzen, dass der Athlet für zwölf Monate gesperrt wird. Wie schon bei der Aufhebung der zweijährigen Sperre auf nationaler Ebene setzen Leipolds Anwälte vor allem auf Verfahrensfehler. „Die Protokolle sind nicht ordnungsgemäß geführt worden, aus welchen Gründen auch immer. Ich denke, dass das IOC bei der bevorstehenden Verhandlung auf Grund der Faktenlage Argumentationsschwierigkeiten haben wird“, glaubt Ulmer.

          Comeback-Sieg unter Vorbehalt

          Der Doping-Fall wird immer grotesker. Leipold führte am seinen VfK Schifferstadt unter dem Jubel von 1.300 Zuschauern in der Wilfried Dietrich-Halle zu einem Erfolg. 20:5 im Viertelfinal-Hinkampf um die deutsche Mannschaftsmeisterschaft gegen den KSV Witten. Doch der Sieg wird unter Vorbehalt geführt. Denn zuvor hatte der KSV Witten Protest gegen den Einsatz Leipolds eingelegt. Auch Titelverteidiger KSV Aalen als möglicher Halbfinal-Gegner kündigte schon Widerspruch an.

          „Justizskandal des Verbandes“

          Der DRB-Rechtsausschuss hatte am Freitag Leipold per Einstweiliger Verfügung freigesprochen, da die Ringer-Funktionäre bei der Anzeige gegen den Schifferstädter Fristen versäumt hatte. „Diese Entscheidung ist der größte Justizskandal im Rechtsausschuss des Deutschen Ringer-Bundes. Der Schaden, den dieses Urteil angerichtet hat, ist größer als die Aberkennung von Leipolds Goldmedaille“, sagte Aalens Vorsitzender Karl Maier.

          Im Verband herrscht Ratlosigkeit. „Wir können derzeit nicht verhindern, dass der VfK Schifferstadt Alexander Leipold einsetzt“, betonte Dieter Beuter als Vizepräsident für Recht im DRB. „Der Einsatz steht aber unter dem Vorbehalt der gerichtlichen Überprüfung mit der Möglichkeit eines nachträglichen Punktabzuges“, sagte Beuter, der Leipolds Freigabe als „reinen Etappensieg“ bezeichnete.

          Nationale Sperre soll durchgesetzt werden

          Nach seiner Auffassung sei dem DRB kein Fristversäumnis vorzuwerfen. Nachdem die Medizinische Kommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) den Dopingverstoß festgestellt hatte, habe der DRB fristgerecht innerhalb von zwei Tagen das Verfahren auf Wettkampfsperre eingeleitet. Deshalb werde man alles daran setzen, die nationale Sperre durchzusetzen.

          Schifferstadts Trainer Willi Heckmann fürchtet keine Konsequenzen: „Ich akzeptiere, dass unsere Konkurrenten anderer Meinung sind, aber nach dem, was unsere Juristen sagen, sehen wir den Dingen gelassen entgegen.“ Fraglich ist überhaupt, ob Schifferstadt trotz Leipold überhaupt ins Finale einzieht. Denn im Halbfinale wartet Titelverteidiger Aalen, der gegen Mömbris-Königshofen beim 25:0-Sieg eine beeindruckende Leistung zeigte.

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