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Doping : Noch immer keine EPO-Tests in Deutschland

  • -Aktualisiert am

Genau hinsehen beim Kampf gegen Doping Bild: AP

In Deutschland ist die Zahl der positiven Doping-Proben leicht rückläufig. Das Blutdopingmittel EPO wurde allerdings auch nicht gesucht.

          Für die deutschen Anti-Doping-Kämpfer ist der Fall Mühlegg bei den Olympischen Winterspielen auch ein Grund zur Freude. „Die Doping-Analytik jagt den schwarzen Schafen nicht chancenlos hinterher wie der Hase dem Igel, sondern ist ihnen immer besser gewachsen“, stellte der Bundesbeauftragte für Doping-Analytik, Klaus Müller, auf einer Pressekonferenz der Anti-Doping-Kommission (ADK) in Bonn fest.

          In Deutschland gab es im vergangenen Jahr keinen so spektakulären Fall, die Zahl der positiven Doping-Proben war nach der ADK-Bilanz insgesamt leicht rückläufig. Nur 44 der 7.831 Kontrollen des Jahres 2001 waren positiv (0,6 Prozent). Im Jahr 2000 hatte es noch 55 Dopingfälle bei 8.255 Tests (0,7 Prozent) gegeben.

          Nandrolon und Haschisch

          Meistens werden anabole Steroide nachgewiesen, oft Nandrolon (zehn Fälle), das in Nahrungsergänzungsmitteln beigemischt war. 18 Fälle gehen auf den Missbrauch von Haschisch (Tetrahydrocannabionol) zurück. Was noch nicht in der Statistik auftaucht, ist das Blutdopingmittel Erythropoietin (EPO) - das soll sich in Zukunft aber ändern.

          „Ich bin sicher, im nächsten Jahr werden auch die Kontrollen auf EPO in der Bilanz erscheinen", sagte Professor Wilhelm Schänzer, der Leiter des Kölner Doping-Kontroll-Labors. Die Gründe, warum bisher in Deutschland noch nicht nach EPO gefahndet wurde: das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat die Methodik mit Blut- und Urintest erst im November 2001 freigegeben und es fehlt am nötigen Kleingeld.

          EPO-Experte Breidbach in USA erfolgreich

          Der Kölner Dopingfahnder fordert vehement eine stärkere finanzielle Förderung der Labore. „Die Deutsche Sporthochschule (DSHS) und das Land Nordrhein-Westfalen haben uns für die Zukunft eine stärkere Förderung versprochen. Dann wird hoffentlich auch der EPO-Nachweis im Kontrollsystem verankert."

          Das Kölner Labor hatte Anfang 2001 seinen EPO-Experten Andreas Breidbach verloren, der in ein Institut nach Los Angeles gewechselt war. „Ich kann es ihm nicht verdenken, dass er diese Chance genutzt hat, denn dort spielte Geld keine Rolle. Aber in Zukunft darf es uns nicht mehr passieren, dass bei uns die besten Wissenschaftler weggehen, weil Mittel für die Forschungen fehlen", klagt Schänzer.

          Mühlegg ging Breidbach ins Netz

          In den USA richtete Breidbach die EPO-Analytik für das Labor in Salt Lake City ein. Mit großem Erfolg: Seine Forschung war maßgeblich daran beteiligt, dass Johann Mühlegg und die beiden Russinnen beim Doping mit dem EPO-ähnlichen Blutdopingmittel Darbepoetin erwischt wurden.

          EPO-Sündern droht bisher nur bei Großereignissen wie Olympischen Spielen die Gefahr der Entdeckung. Trainingskontrollen auf das Blutdopingmittel gibt es nur in Frankreich, Australien und Norwegen.

          Analyseverfahren sind schon da

          Auch Schänzer und sein Kreischaer Kollege Müller verfügen schon über ausreichende Analyseverfahren. Der aufwändige direkte Nachweis von EPO mit einem Urintest ist bei ihnen aber noch nicht möglich. „Wir werden den Urintest dann einsetzen, wenn wir die Methodik exzellent validieren", so Schänzer.

          Im Moment arbeitet Köln noch mit dem Lausanner Labor, Kreischa mit dem in Paris zusammen. Außerdem können die Institute in Oslo, Sydney und Los Angeles die Methodik zum Nachweis von Blutdoping anwenden.

          Nationale Doping-Agentur kommt dieses Jahr

          Auch Müller befürwortet Trainingskontrollen: „Gerade bei Urinproben haben wir nur ein kleines Zeitfenster, deshalb sind unangemeldete Kontrollen dringend nötig. Im Fall Mühlegg hat man gesehen, dass er überrascht wurde", erklärte er.

          In erster Linie muss hier die ADK die entsprechenden Voraussetzungen schaffen. Die Einrichtung, die am 27. Februar ihr zehnjähriges Bestehen feierte, wird noch in diesem Jahr von der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) abgelöst. Von staatlicher Seite wird die Stiftung mit insgesamt sieben Millionen Euro unterstützt.

          Echtheit, Fairness, Chancengleichheit

          Der ADK-Vorsitzende Ulrich Haas verkündete, dass das Stiftungskuratorium der NADA mit Vertretern aus Sport, Politik und Wirtschaft besetzt werden soll: „Wir sprechen mit ausgewählten Unternehmen, die für ein unverfälschtes Leistungsprinzip stehen und Werte wie Echtheit, Fairness und Chancengleichheit in ihrer Unternehmenskultur verankert haben."

          Als erstes wurde die „Deutsche Telekom“ als Gründungspartner in die Stiftung aufgenommen. Der Bonner Konzern soll nach FAZ.NET-Informationen in den nächsten fünf Jahren je 50.000 Euro an die NADA zahlen.

          Wieviel Wert hat die Dopingfahndung?

          Zum Vergleich: Für ihr Engagement beim Radrennstall Team Telekom- der ehemalige Fahrer Elli wurde von den italienischen Behörden gerade wegen Dopings angeklagt - zahlen die Bonner schätzungsweise sechs Millionen Euro jährlich. Und der neue Sponsorvertrag mit dem Fußball-Bundesligisten FC Bayern München soll 20 Millionen Euro pro Saison kosten.

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