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Doping : Neue Namen im THG-Sumpf

  • Aktualisiert am

Positiv getestet: Sandra Glover u. Eric Thomas Bild: dpa/dpaweb

Im weltweiten Dopingskandal sind nun inzwischen zehn Leichtathleten namentlich bekannt. Beinahe täglich wird prominenten Sportlern Leistungsmanipulation nachgewiesen.

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          Im weltweiten Dopingskandal sind nun insgesamt zehn Leichtathleten namentlich bekannt. Laut Los Angeles Times wurden die aktuellen WM-Zweite Chryste Gaines, 1996 Olympiasiegerin über 4x100 m, Sandra Glover sowie der amerikanische Meister Eric Thomas (ebenfalls 400 m Hürden) von der nationalen Anti-Doping-Agentur USADA positiv auf die Stimulanz Modafinil getestet.

          Zuvor waren inklusive der Leichtathletik-WM im August in Paris sieben Athleten zumindest bei der A-Probe positiv gewesen. Bei Doppel-Weltmeisterin Kelli White (100/200 m) und Hürdensprinter Chris Phillips gab es in Paris bereits die positive B-Probe für Modafinil. Diese fehlt noch bei 4x400-m-Olympiasieger Calvin Harrison (alle Vereinigte Staaten), dem ebenfalls die Disqualifikation für den Wettkampf, aber keine Sperre droht.

          Chambers mimt den Unschuldigen

          Zwei Jahre Startverbot erwartet vier andere, die in der A-Probe mit dem anabolen Steroid Tetrahydrogestrinone (THG) erwischt wurden. Neben dem britischen 100-m-Europameister Dwayne Chambers, der alle Schuld von sich weist, sind dies drei Amerikaner: 800-m-Weltklasseläuferin Regina Jacobs, Kugelstoßer Kevin Toth (WM-Vierter) und Hammerwerfer John McEwen.

          Auch China hat ein neues Problem mit manipulierten Leistungen. Im Reich der Mitte wurden zwei Leichtathleten der Epo-Manipulation überführt. Bei Hindernis-Spezialist Zheng Yongji und 800-m-Läufer Li Huiquan wurde das Blutdopingmittel Erythropoietin in Urin und Blut gefunden. Die Kontrollen erfolgten bei den chinesischen Städtespielen. Beiden droht eine zweijährige Sperre.

          Industrie für Doping-Masken

          Nach Angaben des in Griechenland als Doping-Experte bekannten Stavros Kavouras gibt es im Land des Olympia-Gastgebers 2004 mittlerweile die beiden neuen Substanzen NESP und Repogen, die im Vergleich zum Blutdopingmittel Epo bessere Ergebnisse erzielt hätten und vor allem zur Zeit nicht nachweisbar seien. Generell zeichnet der Professor für Ergophysiologie und Sporternährung an der Charakopeiou-Universität von Athen ein ernüchterndes Bild über den Umgang mit verbotenen Substanzen im griechischen Sport.

          Das Anabolikum Gunstrol werde in weiten Kreisen konsumiert, obwohl die staatliche Arzneimittel-Behörde die Einfuhr bereits 1976 gestoppt habe. „Also gibt es jemanden, der es herbringt, und jemanden, der es verkauft“, folgert Kavouras auf der Sport-Website contra.gr. Laut Kavouras existiert eine Industrie für sogenannte Doping-Masken. Ziel sei es, daß bei Doping-Kontrollen die verbotenen Substanzen nicht aufgespürt werden könnten. Ein bezeichnendes Beispiel, wie einfach es ist, ein derartiges Set zu besorgen: Unter der Internet-Adresse www.ureasample.com/order.shtml ist es für 50 Dollar erhältlich.

          Nachträgliche Überprüfung

          UCI-Präsident Hein Verbruggen erklärte, die Möglichkeit einer nachträglichen Überprüfung alter Proben auf einen neu bekannt gewordenen Wirkstoff sei ausdrücklich in den UCI-Statuten enthalten. Die Urin- und Blutproben der Titelkämpfe im Oktober wurden im Labor von Lausanne ausgewertet. Ergebnisse sind noch nicht bekannt.

          Im kanadischen Hamilton waren überhöhte Hämatokritwerte bei vier Athleten festgestellt worden, die mit zweiwöchigen Schutzsperren geahndet wurden. Der Leichtathletik-Weltverband IAAF hatte bereits zuvor bekannt gegeben, daß die rund 400 Proben der WM im August in Paris noch einmal auf THG geprüft werden sollen. Der Schwimm-Weltverband Fina prüft derzeit eine mögliche Nachuntersuchung der Proben von der WM im Juli in Barcelona.

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