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Doping : Mühlegg verliert alle drei Goldmedaillen

  • Aktualisiert am

IOC: „Logische Entscheidung” gegen Mühlegg Bild: AP

Das IOC hat Johann Mühlegg alle in Salt Lake City gewonnenen Goldmedaillen aberkannt. Der für Spanien startende Langläufer war 2002 nur nach einem seiner drei Olympiasiege positiv getestet worden.

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          Zwei Jahre nach seinem Dreifach-Triumph steht Johann Mühlegg als gestürzter Ski-König von Salt Lake City vor dem olympischen Nichts. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) sprach dem für Spanien startenden Allgäuer am Samstag in Athen auch die beiden Goldmedaillen im Langlauf über 30 Kilometer und in der Verfolgung ab. Das IOC-Exekutivkomitee folgte damit dem Urteil des Internationalen Sportgerichtshofs (CAS) vom 18. Dezember letzten Jahres. Wegen seines Doping-Vergehens hatte Mühlegg noch in Salt Lake City seine Goldmedaille über 50 km verloren.

          „Das Urteil hat Signalfunktion“, sagte IOC-Vizepräsident Thomas Bach. Der Chef der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA, Richard Pound (Kanada), meinte: „Das ist eine wichtige Botschaft für den Sport.“

          Auch Danilowa nachträglich disqualifiziert

          Die Einmaligkeit der Entscheidung liegt darin, daß wegen einer einzigen positiven Doping-Probe Athleten zum ersten Mal alle Medaillen aberkannt worden sind. Das gilt neben Mühlegg auch für die Russin Olga Danilowa. Die Langläuferin verlor durch ihren nachträglichen Ausschluß von den Winterspielen 2002 Gold in der Verfolgung und Silber im klassischen Lauf über 10 km.

          Die Disqualifikationen haben wesentlichen Einfluß auf den Medaillenspiegel von Salt Lake City. Durch den doppelten Goldmedaillen-Gewinn von Frode Estil und Thomas Alsgaard, die in der Verfolgung hinter Mühlegg zeitgleich Zweite geworden waren, verdrängte Norwegen mit 13 Olympiasiegen Deutschland (12) vom ersten Platz. Das deutsche Team gewann eine Bronzemedaille durch Viola Bauer hinzu, sie rückt durch die Disqualifikation von Danilowa auf den dritten Platz in der Verfolgung vor. Der Sieg in dieser Disziplin geht nun an die Kanadierin Bettie Scott. Über 30 km muß Mühlegg seine Goldmedaille an den Österreicher Christian Hoffmann abgeben.

          Bach: “Wir haben uns nichts vorzuwerfen“

          Mit dem Urteil von Athen mußte das IOC-Exekutivkomitee seinen Spruch vom 24. Februar 2002 korrigieren. Damals hatte es seine eigene Regel eng ausgelegt und davon abgesehen, Mühlegg wegen seiner positiven Dopingprobe am Ende der Spiele ganz auszuschließen. Als
          Konsequenz riefen die Athleten Scott, Alsgaard, Estil und der neue Bronzemedaillen-Gewinner Kristen Skjeldal (Norwegen) den CAS an. Das Schiedsgericht verpflichtete daraufhin das IOC, Mühlegg und Danilowa in einer Frist bis zum 15. März nachträglich von den Winterspielen auszuschließen und die Medaillen neu zu vergeben.

          „Wir haben uns nichts vorzuwerfen“, sagte Bach. Das IOC habe Doping bisher konsequent verfolgt. „Das fing an mit Ben Johnson und hört auf mit Mühlegg.“ Inzwischen hat das IOC in Übereinstimmung mit WADA seine Regel geändert und damit verdeutlicht. Danach kann das
          Exekutivkomitee einen Athleten von den Spielen auch dann ausschließen, wenn er wie Mühlegg neben einer positiven Probe auch vorangegangene negative Testergebnisse vorweisen kann. Der 33jährige Langläufer, dessen Zwei-Jahres-Sperre abgelaufen ist, bemüht sich gegenwärtig in Gesprächen mit dem spanischen Ski-Verband um ein Comeback.

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